Titelstory: Januar/Februar 2012 Aktuelles Heft
 
10 Jahre Gemeinschaftswährung: Ungebrochene „Europhorie“ unter Münzensammlern









 

Wer hätte vor einem Jahrzehnt gedacht, dass die Münzen der neuen europäischen Gemeinschafts-währung von den Sammlern so euphorisch aufgenommen würden? 10 Jahre Euro: Eine Bilanz aus numismatischer Sicht.

Zwölf europäische Staaten starteten vor zehn Jahren in eine neue Ära: Der 1999 als Verrechnungseinheit eingeführte Euro kam nun auch als Bargeld zu den Bürgern. Nach dem Beitritt weiterer zehn Millionen Menschen aus Slowenien, Malta, Zypern, der Slowakei und Estland in den letzten fünf Jahren besteht die Währungsgemeinschaft heute aus 17 Vollmitgliedern und den drei Kleinstaaten Monaco, San Marino und Zypern, die über ihre Mutterländer Frankreich bzw. Italien dazugehören.

330 Millionen Europäer zahlen heute zwar in der gleichen Währung, durchaus aber nicht mit gleicher Münze, denn das Münzregal, also das Recht, Münzen zu prägen, ist auch nach Inkrafttreten der Währungsunion in der Hand der Nationalstaaten verblieben. Und das bringt jene „Vielfalt in Einheit“, die die Münzensammler in ganz Europa seit zehn Jahren begeistert und in Atem hält.

Scharen von Neusammlern

Bereits das erste Euro-Jahr 2002 hat die Skeptiker Lügen gestraft. Anstelle zögerlicher Zurückhaltung oder gar Ablehnung haben sich die Sammlerinnen und Sammler wie wild auf die neuen Gemeinschaftsmünzen gestürzt – Ausverkaufsnachrichten von Prägestätten, zufriedene Minen der Münzhändler und Bilder vom Gedränge auf Münzmessen belegen dies eindrucksvoll. Schließlich war es nicht nur den Profis schnell klar: Dies ist die historisch einmalige Chance, den Anfang eines neuen Mega-Sammelgebiets mitzuerleben und mit Münzen zu dokumentieren, die zum amtlichen Ausgabepreis zu haben sind.

Viele Millionen Menschen in Europa interessierten sich plötzlich für die neuen Gemeinschaftsmünzen, sahen darin mehr als nur Geldstücke, mit denen man Parkuhren füttern kann. Sie zögerten an der Kasse, weil sie ganz verzückt einen ausländischen Euro im Geldbeutel entdeckten. Bezahlt wurde kurzerhand mit einem Schein, die Münze dagegen wurde in die Tasche gesteckt, um sie ja nicht zu verlieren. Dieser enorme Reiz lockte viele Neusammler an, die nicht zuletzt auch von teils spektakulären Wertsteigerungen der neuen Münzen fasziniert waren.

Favoriten sind nach wie vor die Münzen des Heimatlandes

Nach wie vor aber konzentrieren sich viele Sammler neben den europaweit gültigen Kursmünzen zunächst auf die Gedenkmünzen des eigenen Landes, zum Beispiel auf die 10-Euro-Gedenk-münzen der Bundesrepublik Deutschland. Wie zu D-Mark-Zeiten werden sie zu wichtigen Jubiläen herausgegeben, sind einer großen Persönlichkeit oder einem bedeutenden Ereignis gewidmet. Und sie sind natürlich seltener als das normale Kleingeld – ihre Auflage ist von Staats wegen limitiert. Bis Ende 2010 bestanden alle deutschen Gedenkzehner aus Sterlingsilber. Durch die Silberpreis-Explosion wurde das Prägemetall der zum Nennwert in Umlauf gebrachten Stempelglanz-Version 2011 auf Kupfer-Nickel umgestellt und nur noch in der höchsten Prägequalität „Spiegelglanz“ gibt es sie (mit Aufpreis) in Silber.

Goldmünzen wurden in der Bundesrepublik Deutschland dagegen noch nie zum aufgeprägten Nominal ausgegeben, weshalb hier der stetig steigende Edelmetallpreis keinen Einfluss auf die Ausgabepolitik hat. Neben den 100-Euro-Goldstücken im Gewicht einer halben Unze, die seit 2002 jährlich erscheinen, gibt es seit 2010 die neue Serie „Deutscher Wald“ mit 20-Euro-Münzen, die eine Achtel Unze Feingold auf die Waage bringen. Länderübergreifend hat sich seit einigen Jahren die Kollektion „Kleinste Gold-Euros“ fest etabliert, die nicht nur aufgrund des geringen Gewichts der 11 bis 14 Millimeter großen Gedenkmünzen erschwinglich ist, sondern auch wegen der vergleichsweise geringen Anzahl von Ausgaben. Im abgelaufenen Jahr waren es gerade einmal acht Goldstücke, die zu dieser Sammlung gehören.

Top-Sammelgebiet 2-Euro-Gedenkmünzen


Eine Kollektion „Europa komplett“ war vor der Währungsumstellung ebenso wie danach für praktisch alle Münzensammler ein unerreichbares Ziel. Deshalb muss man sich damals wie heute auf bestimmte Sammelthemen beschränken, um auch finanziell in einem kalkulierbaren Rahmen zu bleiben. Großer Beliebtheit erfreut sich deshalb die EUROPA-Sammlung mit dem gemeinsamen Stern-Münzzeichen, die Jahr für Jahr mit einer überschaubaren Anzahl von Ausgaben zu einem Gemeinschaftsthema erscheint. 2010 etwa lautete das Motto „Europäische Entdecker“, zu dem rund ein Dutzend Länder ihre nationalen Gedenkmünzen-Beiträge brachten, die zusammen eine grenzüberschreitende Komplettsammlung ergeben.

Zu einem echten Top-Sammelgebiet haben sich die 2-Euro-Gedenkmünzen entwickelt, deren Erstausgabe 2004 zu den Olympischen Spielen von Athen erschien. Diese neuen Gedenkmünzen mit gemeinsamer 2-Euro-Rückseite, aber unterschiedlichen nationalen Motivseiten sind in ganz Euroland gesetzliches Zahlungsmittel. Für die Auflagen dieser Münzen werden allerdings, anders als beim Umlaufgeld, Höchstgrenzen festgelegt, was für Sammler durchaus einen Anreiz darstellt. Seit 2006 ist auch Deutschland regelmäßig mit seiner „Bundesländer-Serie“ dabei, die jedes Jahr einem anderen der 16 Bundesländer gewidmet ist und ein typisches Wahrzeichen zeigt. Zum Eröffnungstag der „World Money Fair“ in Berlin am 3. Februar 2012 erscheint die sechste Ausgabe dieser Reihe, diesmal mit dem Motiv „Schloss Neuschwanstein“ für Bayern. Neben diesen 2-Euro-Gedenkmünzen zu nationalen Themen gibt es dieses Jahr die mittlerweile dritte 2-Euro-Gemeinschaftsserie, die großen Europa-Themen, wie zum Beispiel „10 Jahre Euro“ gilt und motivgleich in allen Mitgliedsländern erscheint.


Die Gewinner der DMM-Leserwahlen:
10-Euro-Gedenkmünzen 2002 bis 2011

Wie könnte man das erste Jahrzehnt seit Einführung des Euro-Bargelds in Deutschland besser dokumentieren, als mit jenen zehn Gedenkmünzen, die Sie, die Leserinnen und Leser des Deutschen Münzen Magazins, von 2002 bis 2011 im Wettbewerb „Münze des Jahres“ jeweils zur schönsten deutschen 10-Euro-Gedenkmünze gewählt haben? Abbildungen links:

2002 Übergang zur Währungsunion – Einführung des Euro
2003 FIFA Fußball-WM Deutschland 2006 (1. Ausgabe)
2004 Nationalparke Wattenmeer
2005 FIFA Fußball-WM Deutschland 2006 (3. Ausgabe)
2006 800 Jahre Dresden
2007 800. Geburtstag Elisabeth von Thüringen
2008 Himmelsscheibe von Nebra
2009 IAAF Leichtathletik WM Berlin 2009
2010 175 Jahre Eisenbahn in Deutschland
2011 150 Jahre Entdeckung des Urvogels Achaeopteryx


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN Januar/Februar 2012.


 


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