Aktuell: September / Oktober 2010 Aktuelles Heft
 
Estland: „Musterknabe“ der Europäischen Union




Alle acht Wertstufen der neuen Euro- und Cent-Umlaufmünzen aus Estland haben ein einheitliches Motiv: den charakteristischen Landkartenumriss der Balten-
republik südlich von Finnland mit den dazugehörigen Inseln.

 

Als 17. Staat der Eurozone führt Estland im Januar 2011 die Gemeinschaftswährung ein. Das Design der neuen Kursmünzen steht schon seit 2004
fest und zeigt den Landkartenumriss der kleinsten der drei Baltenrepubliken.

Mitten in die durch den Beinahe-Bankrott Griechenlands ausgelöste Eurokrise platzte die Nachricht: Die Eurozone wird 2011 um ein weiteres Mitglied erweitert. Für manch einen mag der Beitritt Estlands zur Gemeinschaftswährung überraschend gekommen sein, dennoch war er folgerichtig. Das Land mit seinen 1,3 Millionen Einwohnern gilt als „Musterknabe der EU“. Mit einem Staatsdefizit von nur 7,5 Prozent (EU-Durchschnitt: 75 Prozent!) und einer Neuverschuldung von 1,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (Schwellenwert: 3 Prozent) unterbietet Estland derzeit die Aufnahmebedingungen spielend.

Doch das war nicht immer so: Galt Estland 2004 bei der Aufnahme in die EU ebenso wie seine Nachbarn Lettland und Litauen noch als „baltischer Tiger“ mit zweistelligen Wachstumsraten, so verschlechterte sich die Lage des Landes zusehends und die geplanten Termine für die Euro-Einführung wurden mehrfach verschoben. Erst die einschneidenden Reformen und Sparmaßnahmen der letzten Jahre brachten den Erfolg. Auch wenn manch einen Esten heute das mulmige Gefühl beschleicht, bald für kränkelnde Eurostaaten zahlen zu müssen, so überwiegt doch die Freude, denn der Euro hat für die ehemalige Sowjetrepublik auch Symbolcharakter: Estland ist endgültig im Westen angekommen.

Das Design der neuen Kursmünzen wurde bereits 2004 unter Mitwirkung der Bevölkerung gewählt und festgelegt. Ebenso wie beispielsweise in Irland oder Finnland gibt es nur ein Motiv für alle acht Wertstufen: einen Kartenumriss des Landes mit dem Schriftzug Eesti, umringt von den obligatorischen zwölf Europasternen. Die Entwürfe stammen von dem Künstler Lembit Lõhmus. Interessant ist der Unterschied im Relief bei den beiden Euro-Werten: Im Gegensatz zu den Cent-Münzen wurden hier Landkarte, Schrift und Jahreszahl erhaben geprägt, während sie bei den kleineren Wertstufen vertieft sind.
Die 194 Millionen Münzen der Erstausstattung (Jahreszahl 2011) werden seit Mitte Juli von der Mint of Finland geprägt. Neben Großbritannien, Ös-terreich und Frankreich bewarben sich übrigens auch die Staatlichen Münzen Baden-Württem-berg um den Prägeauftrag, der dann aber (bereits im November 2005) von der estnischen Nationalbank wegen des günstigsten Angebots an den Nachbarn Finnland vergeben wurde.

Zu Deutschland hat die kleinste der Baltenrepubliken eine besondere Beziehung, die aus der Geschichte herrührt: Mitte des 14. Jahrhunderts beherrschte der Deutsche Orden das Gebiet, ehe Schweden und später Russland die Macht übernahmen. Die bürgerliche Oberschicht und die Gutsbesitzer waren aber noch lange Zeit deutschsprachig. Bis 1885 war Deutsch in Estland offizielle Behörden- und Unterrichtssprache. 1918 wurde die Estnische Republik ausgerufen, die aber im Zweiten Weltkrieg abermals von russischen Truppen besetzt wurde. Bis zu seiner Unabhängigkeitserklärung 1991 war Estland Teil der Sowjetunion.

Die jüngere Geschichte spiegelt sich auch auf den Münzen des Landes wider. Ab 1922 wurden zunächst Geldstücke in estnischer Mark-Währung ausgegeben, die nach einer Währungsreform 1928 durch die Krone ersetzt wurde. Danach galt ab 1940 in Estland über 50 Jahre lang der russische Rubel, der bei einer erneuten Währungsreform nach der Unabhängigkeit wieder von der Krone (1 Kroon = 100 Senti) abgelöst wurde. Sie war zunächst direkt an den Wert der Deutschen Mark gekoppelt und orientiert sich seit 1999 am Kurs des Euro.

Die Zahl der Gedenkmünzen Estlands ist recht überschaubar. Seit der Wiedereinführung der Krone wurden in 18 Jahren gerade einmal etwas mehr als zwei Dutzend Sondermünzen ausgegeben. Das landesbezogene Themenspektrum reicht von der Wiedereinführung der Krone in Estland (1992, 2002) über Republik-Jubiläen bis zum weltbekannten estnischen Sing- und Tanzfestival in der Hauptstadt Tallinn. Mehrfach wurden auch Gedenkmünzen mit Olympia-Motiven verausgabt. Zuletzt zu den Winterspielen von Vancouver 2010, bei denen Kristina Šmigun-Vähi aus Estland Silber im Skilanglauf holte. Zusätzlich gab es in den Jahren 1992, 1999 und 2004 offizielle Kursmünzensätze, die Münzen unterschiedlicher Jahrgänge enthalten.

Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN September / Oktober 2010.


 


Das DEUTSCHE MÜNZEN MAGAZIN im Abonnement können Sie hier bestellen.

 

 
 
 

Copyright © 1987-2010 EMS-Verlag GmbH| Alle Rechte vorbehalten|