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Alle acht Wertstufen der neuen Euro- und Cent-Umlaufmünzen
aus Estland haben ein einheitliches Motiv: den charakteristischen
Landkartenumriss der Balten-
republik südlich von Finnland mit den dazugehörigen
Inseln.
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Als 17. Staat der Eurozone führt Estland im Januar
2011 die Gemeinschaftswährung ein. Das Design der neuen
Kursmünzen steht schon seit 2004
fest und zeigt den Landkartenumriss der kleinsten der drei
Baltenrepubliken.
Mitten in die durch den Beinahe-Bankrott Griechenlands ausgelöste
Eurokrise platzte die Nachricht: Die Eurozone wird 2011 um
ein weiteres Mitglied erweitert. Für manch einen mag
der Beitritt Estlands zur Gemeinschaftswährung überraschend
gekommen sein, dennoch war er folgerichtig. Das Land mit seinen
1,3 Millionen Einwohnern gilt als Musterknabe der EU.
Mit einem Staatsdefizit von nur 7,5 Prozent (EU-Durchschnitt:
75 Prozent!) und einer Neuverschuldung von 1,7 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts (Schwellenwert: 3 Prozent) unterbietet
Estland derzeit die Aufnahmebedingungen spielend.
Doch das war nicht immer so: Galt Estland 2004 bei der Aufnahme
in die EU ebenso wie seine Nachbarn Lettland und Litauen noch
als baltischer Tiger mit zweistelligen Wachstumsraten,
so verschlechterte sich die Lage des Landes zusehends und
die geplanten Termine für die Euro-Einführung wurden
mehrfach verschoben. Erst die einschneidenden Reformen und
Sparmaßnahmen der letzten Jahre brachten den Erfolg.
Auch wenn manch einen Esten heute das mulmige Gefühl
beschleicht, bald für kränkelnde Eurostaaten zahlen
zu müssen, so überwiegt doch die Freude, denn der
Euro hat für die ehemalige Sowjetrepublik auch Symbolcharakter:
Estland ist endgültig im Westen angekommen.
Das Design der neuen Kursmünzen wurde bereits 2004 unter
Mitwirkung der Bevölkerung gewählt und festgelegt.
Ebenso wie beispielsweise in Irland oder Finnland gibt es
nur ein Motiv für alle acht Wertstufen: einen Kartenumriss
des Landes mit dem Schriftzug Eesti, umringt von den obligatorischen
zwölf Europasternen. Die Entwürfe stammen von dem
Künstler Lembit Lõhmus. Interessant ist der Unterschied
im Relief bei den beiden Euro-Werten: Im Gegensatz zu den
Cent-Münzen wurden hier Landkarte, Schrift und Jahreszahl
erhaben geprägt, während sie bei den kleineren Wertstufen
vertieft sind.
Die 194 Millionen Münzen der Erstausstattung (Jahreszahl
2011) werden seit Mitte Juli von der Mint of Finland geprägt.
Neben Großbritannien, Ös-terreich und Frankreich
bewarben sich übrigens auch die Staatlichen Münzen
Baden-Württem-berg um den Prägeauftrag, der dann
aber (bereits im November 2005) von der estnischen Nationalbank
wegen des günstigsten Angebots an den Nachbarn Finnland
vergeben wurde.
Zu Deutschland hat die kleinste der Baltenrepubliken eine
besondere Beziehung, die aus der Geschichte herrührt:
Mitte des 14. Jahrhunderts beherrschte der Deutsche Orden
das Gebiet, ehe Schweden und später Russland die Macht
übernahmen. Die bürgerliche Oberschicht und die
Gutsbesitzer waren aber noch lange Zeit deutschsprachig. Bis
1885 war Deutsch in Estland offizielle Behörden- und
Unterrichtssprache. 1918 wurde die Estnische Republik ausgerufen,
die aber im Zweiten Weltkrieg abermals von russischen Truppen
besetzt wurde. Bis zu seiner Unabhängigkeitserklärung
1991 war Estland Teil der Sowjetunion.
Die jüngere Geschichte spiegelt sich auch auf den Münzen
des Landes wider. Ab 1922 wurden zunächst Geldstücke
in estnischer Mark-Währung ausgegeben, die nach einer
Währungsreform 1928 durch die Krone ersetzt wurde. Danach
galt ab 1940 in Estland über 50 Jahre lang der russische
Rubel, der bei einer erneuten Währungsreform nach der
Unabhängigkeit wieder von der Krone (1 Kroon = 100 Senti)
abgelöst wurde. Sie war zunächst direkt an den Wert
der Deutschen Mark gekoppelt und orientiert sich seit 1999
am Kurs des Euro.
Die Zahl der Gedenkmünzen Estlands ist recht überschaubar.
Seit der Wiedereinführung der Krone wurden in 18 Jahren
gerade einmal etwas mehr als zwei Dutzend Sondermünzen
ausgegeben. Das landesbezogene Themenspektrum reicht von der
Wiedereinführung der Krone in Estland (1992, 2002) über
Republik-Jubiläen bis zum weltbekannten estnischen Sing-
und Tanzfestival in der Hauptstadt Tallinn. Mehrfach wurden
auch Gedenkmünzen mit Olympia-Motiven verausgabt. Zuletzt
zu den Winterspielen von Vancouver 2010, bei denen Kristina
migun-Vähi aus Estland Silber im Skilanglauf holte.
Zusätzlich gab es in den Jahren 1992, 1999 und 2004 offizielle
Kursmünzensätze, die Münzen unterschiedlicher
Jahrgänge enthalten.
Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN
MAGAZIN September / Oktober 2010.
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