Titel September / Oktober 2010 Aktuelles Heft
 
Geprägte Geschichte: 20 Jahre Deutsche Einheit



Die Deutschlandkarte mit der Parole „Wir sind ein Volk“ auf der aktuellen 10-Euro-Münze erinnert an das berühmte Protestplakat von 1989.


10-DM-Silbermünze mit dem Reichstag und Baukränen im Berlin der Jahrtausendwende zum
10. Jahrestag der Deutschen Einheit im Jahr 2000.

Das Brandenburger Tor
als Münzmotiv: 1990 auf der letzten DDR-Münze und darunter 1991 auf der bundesdeutschen Variante zum 1. Jahrestag der Einheit.

 

Vor genau 20 Jahren wurde die deutsche Einheit besiegelt. Unvergessen bleiben, gerade auch für Numismatiker, die spektakulären Ereignisse im Zuge der Wiedervereinigung. Eine neue 10-Euro-Gedenkmünze und verschiedene Sonderprägungen erinnern an den bedeutendsten Markstein der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Rotkäppchen-Sekt in Strömen, gesamtdeutsche Freudentränen, Ossis und Wessis Arm in Arm im Vereinigungstaumel. Die Stunde Null für Einheitsdeutschland schlug am 3. Oktober – seit 20 Jahren Nationalfeiertag. Wer erinnert sich nicht an die bewegenden Szenen bei den großen Feierlichkeiten vor dem Berliner Reichtag, als zum ersten Mal die schwarz-rot-goldene „Fahne der Einheit“ gehisst wurde. Die Regierung Kohl/Genscher hatte erreicht, was von den Vätern des Grundgesetzes bereits 1949 als oberstes Verfassungsziel formuliert worden war: „Das gesamte deutsche Volk bleibt aufgefordert, in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden.“

So war es denn auch das Volk, vor allem die Menschen in der DDR, die mit ihrer „Friedlichen Revolution“ die Voraussetzungen für die Wiedervereinigung schufen. Unter dem Eindruck der desolaten wirtschaftlichen Lage der DDR mit katastrophalen Folgen für Produktivität, Umwelt und Gesundheit der Menschen versuchten Tausende Ostdeutsche über die österreichisch-ungarische Grenze in den Westen zu gelangen. Der „sozialistische Bruderstaat“ Ungarn war aber nicht mehr bereit, die rasch anschwellende Menschenflut aufzuhalten; Grenzanlagen wurden abgebaut. Allein in die Prager Botschaft der Bundesrepublik Deutschland hatten sich rund 7000 Menschen geflüchtet. Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher erreichte in einer dramatischen Aktion ihre Ausreise in den Westen.

10 Euro „Wir sind ein Volk“

Gleichzeitig wuchsen Opposition und Widerstand in der gesamten DDR. Am 9. Oktober demonstrierten in Leipzig mehr als 70.000 Menschen friedlich. Sie riefen: „Wir sind das Volk!“ Die SED war machtlos. Die Sicherheitskräfte griffen nicht ein. Jetzt wollten die Menschen mehr: Freiheit und Einheit. Der vieltausendfach skandierte Ruf der Demonstranten lautete nun: „Wir sind ein Volk!“

Eben diese Parole vor dem Hintergrund eines gesamtdeutschen Landkartenumrisses, wie sie auch auf einem berühmt gewordenen Leipziger Demonstrationsplakat von 1989 zu sehen ist, ist nun Motiv einer neuen 10-Euro-Silbergedenkmünze der Bundesrepublik Deutschland zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit. Der Entwurf stammt von dem Münchner Bildhauer Erich Ott, dessen Arbeit die Wettbewerbs-Jury eine bestechende „grafische und inhaltliche Klarheit“ bescheinigte und einstimmig den ersten Preis zuerkannte. Die zentrale Aussage „Wir sind ein Volk“ stehe als Wille des deutschen Volkes zur Einheit im Mittelpunkt. Ebenso klar ist die Umschrift „20 Jahre Deutsche Einheit“, die von der ersten Zeile der Nationalhymne „Einigkeit und Recht und Freiheit“ in der Randschrift ergänzt wird. Das Preisgericht war diesmal übrigens mit hochrangigen Zeitzeugen besetzt: Neben dem damaligen Finanzminister Theodor Waigel stimmte auch der frühere deutsche Außenminister und Vizekanzler, Hans-Dietrich Genscher, über das Motiv ab!

2000: Baukräne zum 10-jährigen

Es ist bereits die zweite deutsche Silbermünze, die direkt dem Einheitsjubiläum gilt. Im Jahr 2000 wurde nach einem Entwurf der Hamburgerin Doris Waschk-Balz eine 10-DM-Silbermünze zu „10 Jahre Deutsche Einheit“ ausgegeben, die als Hauptmotiv das Berliner Reichstagsgebäude in zeitgenössischer Darstellung zeigt. Neben dem Parlament ragen Baukräne in die Höhe und am unteren Bildrand ist noch ein Stück halb abgebrochener Berliner Mauer zu sehen – ein Bild, wie es die alte und neue Hauptstadt Deutschlands um die Jahrtausendwende bot.

Doch wurde die deutsche Wiedervereinigung schon viel früher – nämlich im Jahr Eins nach Vollendung der Einheit – numismatisch gewürdigt. 1991 erschien eine 10-DM-Gedenk­münze, die zwar offiziell dem 200jährigen Bestehen des Brandenburger Tors (1791-1991) gewidmet war, aber durch die Umschrift „Symbol der Deutschen Einheit – Das Brandenburger Tor“ ganz klar auf den ersten Jahrestag der Unterzeichnung des Einheitsvertrags gemünzt ist. Auch die Randschrift weist deutlich auf diesen Ausgabeanlass hin: DEUTSCHLAND EINIG VATERLAND. Für das Münzmotiv war übrigens, wie 2010, Gestalter Erich Ott zuständig, der sich beim Design an die letzte Münze der DDR anlehnte, die 1990 erschienen war.

Diese 20-Mark-Münze, die in der Umschrift die Öffnung des Brandenburger Tors am 22. Dezember 1989 würdigt, wiederum ist motivgleich mit einer DDR-Kursmünze zu 5 Mark von Wilfried Fitzenreiter, die seit 1971 mit der Inschrift „BERLIN HAUPTSTADT DER DDR“ in Umlauf war. Beide Ausgaben aus Ost und West markieren auf prägnante Weise den historischen Akt der Wiedervereinigung und sind nicht nur in der Wahl des Motivs miteinander verbunden: Sowohl die letzte DDR-Gedenkmünze als auch die 10-DM-Silbermünze mit dem Brandenburger Tor tragen das markante „A“ als Prägezeichen. Die 10-DM-Münze ist die erste bundesrepublikanische Gedenkausgabe aus der ehemals Ost-Berliner Münzstätte.

Zu diesem Thema auch das Editorial.

Vollständiger Artikel mit vielen weiteren Abbildungen und Informationen im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN September / Oktober 2010.


 


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