Aktuell: Mai / Juni 2010 Aktuelles Heft
 
Christophe Beaux: "Konsequente Ausrichtung auf die Sammler-Interessen"

Christophe Beaux im Interview: "Wir sind auf einem guten Weg."


Der kleinste Gold-Euro mit nur 11 Millimetern Durchmesser kommt 2010 aus Frankreich.



Edelmetallmünzen zum Nennwert: neue Serie "Euros der Regionen".




Die Münzen der neuen Eisenbahnserie haben einen Münzrand in Form eines Zug-Rades.

 

Frankreichs Münzenmacher auf der Erfolgsspur: Durch eine stärkere Ausrichtung auf die
Interessen der Sammler, vor allem eine Straffung des Ausgabeprogramms, schreibt die Monnaie de
Paris unter ihrem Vorstandsvorsitzenden Christophe Beaux wieder schwarze Zahlen.

Eigentlich kann es dem Sammler doch ziemlich egal sein, ob eine Münzstätte Gewinn macht oder nicht – sollte man meinen. Doch auch eine (staatliche) Prägestätte ist ein Wirtschaftsunternehmen, das nicht auf Dauer als Zuschussbetrieb am Leben erhalten wird. Vor allem aber fehlt das Geld für Investitionen in moderne Maschinen und zukunftweisende Technologien, wenn es an Ertragskraft fehlt. So ist es zu begrüßen, dass die Monnaie de Paris den Turnaround geschafft hat und wieder schwarze Zahlen schreibt.

Und wie die Franzosen das geschafft haben, ließt sich wie ein Beispiel aus dem Lehrbuch für Betriebswirtschaftler: Kundenorientierung, heißt das Zauberwort. Viele Sammler wandten sich in den letzten Jahren vom Sammelgebiet Frankreich ab, weil es durch eine unüberschaubare Anzahl von Münzausgaben für sie unattraktiv geworden war. Über 80 Münzen zu 30 Themen gab es noch im Jahr 2007 – jetzt sind es noch 12 Themen in sieben Kategorien. Sie lauten: Numismatik & Geld, Europa, Geschichte, Geographie, Kunst & Kultur, Jugend und Sport.

Interview mit Christophe Beaux, Vorstandsvorsitzender
der Monnaie de Paris

Deutsches Münzen Magazin: 2007 wurden Sie für zunächst fünf Jahre in das Amt des Président-directeur général der Monnaie de Paris berufen. Wie fällt Ihre erste Halbzeitbilanz aus?

Christophe Beaux: Wir sind auf einem guten Weg. Das kann man allein schon an den wirtschaftlichen Zahlen ablesen: Unter meinem Vorgänger machte die Monnaie de Paris mehrere Jahre Verluste. Nun ist es gelungen, wieder in die Gewinnzone zurückzukehren. Bereits 2008 konnten wir einen Ertrag von 13 Millionen Euro ausweisen. 2009 lagen wir bei einem Umsatz von 126 Millionen – trotz Finanzkrise – sogar noch etwas darüber.

DMM: Worauf führen Sie diesen Erfolg zurück?

Beaux: In erster Linie auf die Straffung des Ausgabeprogramms und die konsequente Ausrichtung auf die Sammlerinteressen. Gab es noch 2007 Münzen zu 30 verschiedenen Themen, so war es 2009 nur noch die Hälfte. Und für 2010 haben wir die Anzahl auf 12 Themen weiter reduziert.

DMM: Dennoch gibt es auch heute noch sehr viele französische Münzneuheiten, vor allem durch die unterschiedlichen Spezifikationen.

Beaux: Unsere Marktanalysen haben ergeben, dass die Sammler heute nicht den Anspruch haben, „Frankreich komplett“ zu sammeln, sondern sich frühzeitig spezialisieren. So gibt es Sammler von Silbermünzen, Goldmünzen und Besonderheiten wie „Kleinste Goldmünzen“ oder schwere „Premium-Münzen“, die bis zu einem Kilogramm Edelmetall enthalten und in Kleinstauflagen geprägt werden. Zumeist unterscheiden sich die Münzen nur durch Material, Gewicht und Nennwert. Die Zahl der unterschiedlichen Motive konnte also ebenfalls reduziert werden.

DMM: Eine der großen Innovationen unter Ihrer Leitung war die (Wieder-) Einführung von Edelmetallmünzen, deren Erstausgabepreis dem Nennwert entspricht: Die Säerin-Serie. Sie ist auf drei Jahre angelegt und endet 2010. Gibt es ein Nachfolgeprogramm?

Beaux: Ja, die „Euros der Regionen“. Sie würdigen die 26 französischen Regionen auf 10-Euro-Silbergedenkmünzen und zeigen als Bildelemente den geografischen Umriss der Region und die jeweilige regionale Flagge. Wir glauben, dass wir damit das Münzensammeln in Frankreich noch populärer machen können.

DMM: Ein Markenzeichen moderner französischer Münzen sind technische Innovationen und künstlerisches Design. Was erwartet uns 2010?

Beaux: Darauf legen wir in der Tat großen Wert und verpflichten zu besonderen Anlässen weltbekannte Künstler wie Karl Lagerfeld, Philippe Starck oder jetzt die Architekten des Centre Pompidou, Renzo Piano und Richard Rogers, als Münzdesigner. Auch in der Münzprägetechnik suchen wir immer neue Herausforderungen. So gibt es dieses Jahr eine Kilo-Goldmünze aus der UNESCO-Serie, auf der die Kuppel des Taj Mahal mit Diamanten besetzt ist. Die Münzen der neuen Eisenbahn-Serie erhalten einen Rand in Form eines Zug-Rades. Oder die Gedenkmünze zu Ehren des Flugpioniers Marcel Dassault: Sie besteht aus einer Legierung, wie sie in der Flugzeugindustrie verwendet wird.

DMM: Bei der Themenfindung haben Sie 2009 aus deutscher Sicht ein glückliches Händchen bewiesen: Die Gedenkmünze zum 20. Jahrestag des Berliner Mauerfalls ist bei den Sammlern hierzulande sehr gut angekommen und war im Nu ausverkauft. Wer kam denn auf die Idee für dieses hochpolitische Thema, stand Frankreich doch vor zwei Jahrzehnten einer deutschen Wiedervereinigung eher ablehnend gegenüber?

Beaux: Wir schlugen das Thema vor und haben damit bei unserer sehr deutschlandfreundlichen Finanzministerin offene Türen eingerannt. Sie hat sofort zugestimmt. Auch unser Staatsoberhaupt persönlich scheint von der Münze sehr angetan zu sein, denn er beauftragte uns mit der Prägung eines 50-Unzen-Silberabschlags mit diesem Motiv, das Staatspräsident Sarkozy in Paris ganz offiziell an Bundeskanzlerin Angela Merkel überreichte. So wurde eine Münze zum Symbol für die deutsch-französische Freundschaft.

DMM: Herr Beaux, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.


Vollständiger Artikel mit ausführlicher Darstellung des Frankreich-Jahresprogramms 2010 im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN Mai / Juni 2010.


 


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