Aktuell: März / April 2010 Aktuelles Heft
 
Erster deutscher 2011er Silber-Euro: Franz Liszt

Michael Ottos Siegerentwurf zeigt ein handschriftlich
signiertes, naturalistisches Liszt-Porträt vor einem abstrahiert dargestellten Konzertflügel.


 

Noch vor der letzten diesjährigen Gedenkmünze von Deutschland, dem Silbereuro zur Alpinen Ski-WM 2011, ist bereits das erste 10-Euro-Motiv fürs nächste Jahr veröffentlicht. Den Wettbewerb zu „200. Geburtstag Franz Liszt“ gewann Michael Otto.

Das hat es selten gegeben: Bevor der Wettbewerb für die letzte Gedenkmünze des aktuellen Jahrgangs entschieden ist, in diesem Fall der nachträglich ins Programm aufgenommene Silbereuro anlässlich der 41. Alpinen Ski-Weltmeisterschaft 2011 in Garmisch-Partenkirchen, steht bereits das erste Design einer deutschen 10-Euro-Gedenk­münze des kommenden Jahres fest. Den Wettbewerb für das Motiv „200. Geburtstag Franz Liszt“ konnte Michael Otto aus Rodenbach für sich entscheiden. Damit wird der am 22. Oktober 1811 im damals ungarischen Raiding geborene Ausnahmemusiker gewürdigt, dessen französisch-deutscher Wahlspruch „Génie oblige – Genie verpflichtet“ (abgewandelt vom bekannten „Noblesse oblige“ = Adel verpflichtet) als Randschrift den ersten 2011er Silbereuro ziert.

Reizvoller Kontrast zwischen Kopfporträt und Konzertflügel

Bei der Gestaltung seines spannenden Entwurfs setzt Otto ein naturalistisches, filigran und zugleich plastisch herausgearbeitetes Porträt – überzeichnet von der handschriftlichen Signatur Liszts – dem stilisiert im Hintergrund angedeuteten Konzertflügel gegenüber. Für die Fachjury ein bestechender riskanter Kontrast, der nicht nur formal gelungen sei, sondern auch das überaus widerspruchsreiche Leben und Werk Franz Liszts spiegele: „etwa europäischer Starvirtuose contra zurückgezogen lebender Abbé“. Auch weise Liszts Gesichtsdarstellung auf den unbändigen Gestaltungswillen des Komponisten in der Nachfolge Beethovens hin. Es sei handwerklich fein und nuancenreich modelliert, halte sich dabei aber nicht durchweg an die überlieferten Bildvorlagen.
Die reizvoll asymmetrische Gesamtkomposition übergreift teilweise den inneren Ring, was sich als Gestaltungsidee auf der Wertseite in gelungener Weise wiederfindet. Übrigens: Die getarnten Künstlerinitialen „XY“ am rechten Münzrand werden bis zur Prägung noch durch Michael Ottos Signatur ersetzt.

Energischer Blick in die Weite

Im Vergleich dazu wirkt der zweitplatzierte Entwurf von Agatha Kill aus Ilbesheim mit dem zentral angeordneten, authentisch modellierten Kopfporträt Liszts etwas konventioneller. Es zeigt ihn im mittleren Alter – seiner maßgeblichen Schaffensperiode vor allem in Weimar. Dabei baut die leichte Verdichtung der Bildkomposition nach links dennoch Spannung auf. Die Fachjury: „Der Blick schaut energisch in die Weite, wofür ein Teil der Bildfläche freigeblieben ist.“ Allerdings wurde auf der Wertseite bemängelt, dass zwar Adler, Schrift und Bild für sich künstlerisch ansprechend gearbeitet seien, der Zusammenhang aber fehle.

Des jungen Franz Liszts Klavierhände

Ein eher jugendliches Liszt-Bildnis wählte Carsten Theumer aus Höhnstedt bei seinem Entwurf, für den er den dritten Preis erhielt. Er zeigt den Gewürdigten seitlich zum Betrachter stehend im Dreiviertelporträt mit vor der Brust verschränkten Armen und herausragenden Händen, die den Blick auf sich lenken. „Die fein ausgearbeiteten Finger symbolisieren den charakteristischen Lebensabschnitt seiner jungen Jahre, sie sind buchstäblich seine Handwerkszeuge als einzigartiger, erfolgreicher und gefeierter Klaviervirtuose in ganz Europa“, so die Jury. Doch mangele es dem Porträt an typischen Wesens- und Gesichtszügen.

Klassische Schlichtheit überzeugt

Den vierten Preis bekam Erich Ott aus München, dessen Arbeit die Jury wortwörtlich durch klassische Schlichtheit überzeugte. „Das Liszt-Profil zeigt den Komponisten in reiferen Jahren in handwerklich perfekter Ausarbeitung. Die sachliche, serifenlose Schrift und die harmonische, mittelaxiale Komposition verbinden Bild- und Wertseite.“ Allerdings: „Die Jury hätte es begrüßt, wenn der Entwurf etwas mehr innovative Kraft entwickelt hätte.“

Spezifikationen: 200. Geburtstag Franz Liszt, 2011,
10 Euro, Silber 925/1000, ø 32,5 mm, 18 g, Auflagen werden noch festgelegt, Prägestätte Karlsruhe (G).


Vollständiger Artikel mit Darstellung der Konkurrenzentwürfe im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe März / April 2010.


 


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