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Michael Ottos Siegerentwurf zeigt ein
handschriftlich
signiertes, naturalistisches Liszt-Porträt vor einem
abstrahiert dargestellten Konzertflügel.
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Noch vor der letzten diesjährigen Gedenkmünze
von Deutschland, dem Silbereuro zur Alpinen Ski-WM 2011, ist
bereits das erste 10-Euro-Motiv fürs nächste Jahr
veröffentlicht. Den Wettbewerb zu 200. Geburtstag
Franz Liszt gewann Michael Otto.
Das hat es selten gegeben: Bevor der Wettbewerb für
die letzte Gedenkmünze des aktuellen Jahrgangs entschieden
ist, in diesem Fall der nachträglich ins Programm aufgenommene
Silbereuro anlässlich der 41. Alpinen Ski-Weltmeisterschaft
2011 in Garmisch-Partenkirchen, steht bereits das erste Design
einer deutschen 10-Euro-Gedenkmünze des kommenden
Jahres fest. Den Wettbewerb für das Motiv 200.
Geburtstag Franz Liszt konnte Michael Otto aus Rodenbach
für sich entscheiden. Damit wird der am 22. Oktober 1811
im damals ungarischen Raiding geborene Ausnahmemusiker gewürdigt,
dessen französisch-deutscher Wahlspruch Génie
oblige Genie verpflichtet (abgewandelt vom bekannten
Noblesse oblige = Adel verpflichtet) als Randschrift
den ersten 2011er Silbereuro ziert.
Reizvoller Kontrast zwischen Kopfporträt und Konzertflügel
Bei der Gestaltung seines spannenden Entwurfs setzt Otto ein
naturalistisches, filigran und zugleich plastisch herausgearbeitetes
Porträt überzeichnet von der handschriftlichen
Signatur Liszts dem stilisiert im Hintergrund angedeuteten
Konzertflügel gegenüber. Für die Fachjury ein
bestechender riskanter Kontrast, der nicht nur formal gelungen
sei, sondern auch das überaus widerspruchsreiche Leben
und Werk Franz Liszts spiegele: etwa europäischer
Starvirtuose contra zurückgezogen lebender Abbé.
Auch weise Liszts Gesichtsdarstellung auf den unbändigen
Gestaltungswillen des Komponisten in der Nachfolge Beethovens
hin. Es sei handwerklich fein und nuancenreich modelliert,
halte sich dabei aber nicht durchweg an die überlieferten
Bildvorlagen.
Die reizvoll asymmetrische Gesamtkomposition übergreift
teilweise den inneren Ring, was sich als Gestaltungsidee auf
der Wertseite in gelungener Weise wiederfindet. Übrigens:
Die getarnten Künstlerinitialen XY am rechten
Münzrand werden bis zur Prägung noch durch Michael
Ottos Signatur ersetzt.
Energischer Blick in die Weite
Im Vergleich dazu wirkt der zweitplatzierte Entwurf von Agatha
Kill aus Ilbesheim mit dem zentral angeordneten, authentisch
modellierten Kopfporträt Liszts etwas konventioneller.
Es zeigt ihn im mittleren Alter seiner maßgeblichen
Schaffensperiode vor allem in Weimar. Dabei baut die leichte
Verdichtung der Bildkomposition nach links dennoch Spannung
auf. Die Fachjury: Der Blick schaut energisch in die
Weite, wofür ein Teil der Bildfläche freigeblieben
ist. Allerdings wurde auf der Wertseite bemängelt,
dass zwar Adler, Schrift und Bild für sich künstlerisch
ansprechend gearbeitet seien, der Zusammenhang aber fehle.
Des jungen Franz Liszts Klavierhände
Ein eher jugendliches Liszt-Bildnis wählte Carsten Theumer
aus Höhnstedt bei seinem Entwurf, für den er den
dritten Preis erhielt. Er zeigt den Gewürdigten seitlich
zum Betrachter stehend im Dreiviertelporträt mit vor
der Brust verschränkten Armen und herausragenden Händen,
die den Blick auf sich lenken. Die fein ausgearbeiteten
Finger symbolisieren den charakteristischen Lebensabschnitt
seiner jungen Jahre, sie sind buchstäblich seine Handwerkszeuge
als einzigartiger, erfolgreicher und gefeierter Klaviervirtuose
in ganz Europa, so die Jury. Doch mangele es dem Porträt
an typischen Wesens- und Gesichtszügen.
Klassische Schlichtheit überzeugt
Den vierten Preis bekam Erich Ott aus München, dessen
Arbeit die Jury wortwörtlich durch klassische Schlichtheit
überzeugte. Das Liszt-Profil zeigt den Komponisten
in reiferen Jahren in handwerklich perfekter Ausarbeitung.
Die sachliche, serifenlose Schrift und die harmonische, mittelaxiale
Komposition verbinden Bild- und Wertseite. Allerdings:
Die Jury hätte es begrüßt, wenn der
Entwurf etwas mehr innovative Kraft entwickelt hätte.
Spezifikationen: 200. Geburtstag Franz Liszt, 2011,
10 Euro, Silber 925/1000, ø 32,5 mm, 18 g, Auflagen
werden noch festgelegt, Prägestätte Karlsruhe (G).
Vollständiger Artikel mit Darstellung der Konkurrenzentwürfe
im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe März / April
2010.
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