Hintergrund: Januar/Februar 2010 Aktuelles Heft
 
90 Jahre deutsche Porzellanmünzen

Deutsche Notmünzen aus Porzellan von 1920/21.

 

 

 

In den beiden Jahren 1920 und 1921 wurden vom Freistaat Sachsen die einzigen staatlichen Porzellan-Notmünzen in Deutschland herausgegeben. Geprägt und gebrannt wurden sie von der Porzellanmanufaktur in Meißen, die aktuell ihren 300. Gründungstag feiert.

In diesem Jahr erscheint eine deutsche 10-Euro-Gedenkmünze mit einem abgebildeten zerbrochenen Teller zum 300-jährigen Jubiläum der Porzellanherstellung in Deutschland. Doch gab es in der deutschen Geschichte auch bereits Münzen, die nicht das Porzellan als Motiv hatten, sondern daraus gefertigt wurden. Damit gemeint sind Sachsens staatliche Notmünzen, die erstmals vor 90 Jahren in der Porzellanmanufaktur Meissen vor allem aus braunem Böttger-Steinzeug (nach dessen Erfinder benannt – siehe großer Kasten unten) gefertigt wurden, das weniger schmutzempfindlich ist als weißes Porzellan.

Nachdem 1919 der registrierte Begriff „Böttgersteinzeug“ in die Warenzeichenrolle des Patentamtes Berlin eingetragen wurde, erschienen in den beiden folgenden Jahren daraus gefertigte Münzen mit 20 und 50 Pfennig, sowie 1, 2, 5, 10 und 20 Mark Nennwert, sowie 20, 22, 26, 29, 24, 29 und 32 Millimeter Durchmesser. Sie sind als einzige staatliche Porzellan-Notmünzen in deutschen Münzkatalogen aufgeführt.

Deren Entwürfe stammen allesamt vom Bildhauer und Maler Emil Paul Börner aus Meißen, während die Gravur der Stahlstempel (zur Prägung der noch ungebrannten Steinzeug-Rohlinge) Friedrich Wilhelm Hörnlein aus Dresden übernahm, der bei Sachsens staatlicher Münzstätte Muldenhütten angestellt war. Mit den einfachen und naturbezogenen Münzmotiven aus der damaligen bäuerlichen Arbeits- und Lebenswelt schufen Börner und Hörnlein eindrucksvolle historische Zeitzeugen.

Ihre Bildseiten zeigen eine Sichel vor zwei Ähren (20 Pf.), dann eine Traube und einen Spaten (50 Pf.), ein Segelschiff von vorn (1 Mk.), einen Adler im Horst (2 Mk.), eine Putte zwischen Ähren (5 M.), einen Bauer mit Sichel und Getreidegarbe (10 M.), sowie auf der höchsten Wertstufe zu 20 Mark eine säugende Mutter mit Kind. Darunter sind jeweils als Münzzeichen die gekreuzten Schwerter abgebildet, das Emblem der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen, während am oberen Münzrand das Ausgabejahr steht. Ein zusätzliches, zierendes Gestaltungselement weisen die drei höchsten Nominale auf, deren Motive achteckig eingekerbt und goldfarben umrandet sind.

Verbreitet in den Zahlungsverkehr sollen die Porzellan-Notmünzen aus der Meißener Manufaktur allerdings kaum gelangt sein, da zum einen zahlreiche Sammler die künstlerisch interessanten Stücke aus dem Umlauf zogen und zum anderen sie die große Inflation bald überrannte. Schließlich wurde, nachdem die allgemeine Versorgung des Zahlungsverkehrs mit metallenem Kleingeld durch die staatlichen Münzstätten wieder gewährleistet war, am 17. Juli 1922 ein Gesetz erlassen zur Einlösung von Notgeld innerhalb von drei Monaten. Unter Paragraph 7 heißt es dazu: „Beschädigtes... aus Porzellan oder ähnlichem Material hergestelltes Notgeld ist einzulösen, wenn der Inhaber einen Teil des Stückes vorlegt, der größer ist als die Hälfte.“

Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe Januar/Februar 2010.


 


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