Titel Mai / Juni 2009 Aktuelles Heft
 
Der Run auf Goldmünzen ist ungebrochen

Der Goldpreis zeigt sich langfristig weiter in einem robusten Aufwärtstrend.
Nach der Ankündigung der USA wegen der Finanzkrise die „Banknotenpresse anzuwerfen“, steigen unterdessen Inflationsängste und beflügeln das gelbe Edelmetall zusätzlich. Der Run auf Goldmünzen ist ungebrochen.

Die Ankündigung des US-Notenbankchefs Ben Bernanke, den Finanzmarkt mit mehr als einer Billion Dollar zu fluten, schlug wie eine Bombe ein: Aktienkurse, der Euro und nicht zuletzt Gold schossen nach oben. Innerhalb von einer Stunde legten am 18. März die Notierungen für das Edelmetall um mehr als 50 Dollar pro Feinunze zu. Die Erklärung ist einfach: Die kurzfristige Erhöhung der Geldmenge um die schier unvorstellbare Summe von mehr als 1.000 Milliarden Dollar (!) ist nicht etwa durch reale Werte oder Rücklagen gedeckt. Amerika „druckt“ einfach neues Geld. Direkte Geldschöpfung nennt man das vornehm. Obwohl die aktuellen Maßnahmen der USA (und Großbritanniens oder Japans) derzeit unerlässlich erscheinen, schürt das Anwerfen der Banknotenpressen die Inflationsgefahr. Und so schlug einmal mehr die Stunde des Goldes, das seit altersher als „sicherer Hafen“ in Inflations- und Krisenzeiten gilt. Denn Gold ist, anders als Geld, nicht beliebig vermehrbar.



Der Goldpreis unterliegt derzeit großen Schwankungen, der langfristige Aufwärtstrend jedoch ist nach Ansicht fast aller Experten intakt. Innerhalb weniger Monate hat sich der Preis des Edelmetalls um fast 300 Dollar verteuert: Noch Mitte November letzten Jahres kostete eine Feinunze Gold etwas über 700 Dollar, Mitte Februar waren es dann 1.000 Dollar. Danach ging es wieder um fast 100 Dollar nach unten. Mitte März stieg der Wert erneut auf über 950 Dollar. Diese Achterbahnfahrt birgt für den Investor natürlich auch Chancen: Immer wieder gibt es günstige Einstiegszeitpunkte.

Echtes Gold ist gefragt

Wie bei allen Anlageformen ist allerdings auch bei Gold schwer zu bestimmen, wann der richtige Moment zum Kauf gekommen ist. Eine alte Anlegerregel besagt: Du musst von dem Produkt, in das du investierst, überzeugt sein. Dann ist der Einstiegszeitpunkt zweitrangig. Egal ob es Aktien, Immobilien, Kunst oder eben Edelmetall-Münzen sind, auf die man setzt.
Doch mit Spekulation haben die meisten privaten Goldanleger gar nichts im Sinn. Sie wollen Sicherheit in unsicheren Zeiten. Und dafür steht Gold. Echtes Gold wohlgemerkt, keine Gold-Aktien oder -Zertifikate. Nach einer Anfang März veröffentlichten Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) messen inzwischen fast 90 Prozent der Anleger bei ihrer Anlageentscheidung dem Sicherheitsaspekt eine entscheidende Bedeutung bei. Der Renditeaspekt rückt dagegen mit 51 Prozent deutlich in den Hintergrund. Gold wurde zum willkommenen Anlageobjekt für Optimisten wie Pessimisten.

„Es gibt eine irre Nachfrage nach physischem Gold – nach dem Motto: Ich möchte Gold nach Hause nehmen können, nur da ist es sicher“, wird Wolfgang Wrzesniok-Rossbach vom Hanauer Edelmetallhändler Heraeus in einem Beitrag der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zitiert. Der Gold-Experte spricht mit Blick auf diese Käufer von einem relativ neuen Typ Investor: Frauen und Männer, die das Edelmetall dauerhaft behalten wollen und sich nicht von Kursschwankungen beeindrucken lassen. Die nicht verkaufen, nachdem sie stattliche Kursgewinne zu Buche stehen haben, und die nicht nervös werden, wenn Gold auf Talfahrt geht.

Deutsche Gold-Euros: Geldanlage für Sammler

Mittlerweile hat sich herumgesprochen was Münzensammler schon lange wissen: Wer echtes Gold besitzen möchte, setzt am besten auf Münzen. Die gibt es in verschiedensten Stückelungen und sind so auch für Kleinanleger erschwinglich. Sie sind in der Regel nicht teurer als Barrengold, aber viel schöner und leicht wieder verkäuflich, wenn Not am Mann ist. Auf Goldmünzen, die Anlagezwecken dienen, wird in allen EU-Staaten seit Anfang 2000 keine Mehrwertsteuer mehr erhoben. Das hat den großen Vorteil, dass man bei einem späteren Wiederverkauf von der Bank oder dem Händler nicht nur den Nettopreis (also abzüglich der Mehrwertsteuer) bekommt, sondern den vollen Wert. Diese Sonderregelung soll die „Verwendung von Gold als Finanzinstrument fördern“.

Zu den Goldmünzen, die mehrwertsteuerfrei ausgegeben werden, gehören neben den bekannten Anlagemünzen wie dem Krügerrand oder Österreichs Philharmoniker auch die deutschen 100-Euro-Goldmünzen. Aus Sicht der reinen Investoren hat der deutsche Gold-Euro zwar den Nachteil, dass er nicht beliebig verfügbar ist, denn er wird in einer begrenzten Auflage geprägt. Den Sammler freut das allerdings umso mehr. Der Marktpreis dieser Gedenkmünzen wird also nicht nur vom gestiegenen Goldkurs bestimmt (unter den sie natürlich nie sinken können), sondern vielmehr von ihrem Seltenheitswert. Und der liegt zumeist weit über dem reinen Edelmetallpreis.

Die Goldmünzen der Bundesrepublik Deutschland sind übrigens seit vielen Jahren der einzige Grund, warum sich die Goldvorräte der Bundesbank leicht verringern. Für die Prägung dieser inländischen Münzen werden pro Jahr etwa fünf Tonnen der deutschen Goldreserven verkauft. Ansonsten wurde seit dem Amtsantritt von Bundesbankpräsident Axel Weber im Jahr 2004 kein Gold abgegeben. Auch wenn Politiker dies immer wieder fordern, um Haushaltslöcher zu stopfen oder Konjunkturprogramme zu finanzieren. Regelmäßig geht dann ein Aufschrei durch die Bevölkerung. Vom Gold wollen sich die Deutschen auch in Krisenzeiten wie diesen nicht trennen – weder privat noch als Staat.

Offiziell weist die Bundesbank derzeit 3.413 Tonnen Goldreserven aus, den zweitgrößten Goldschatz der Welt nach den USA. Die Wertsteigerungen des Edelmetalls lassen die Bilanzen der Zentralbank glänzen: Allein 2008 wurde so ein Zugewinn von fast sechs Milliarden Euro erzielt, zuzüglich der Verkaufserlöse aus 4,8 Tonnen für die Gold-Euro-Prägung. Die Zahlen sähen sehr viel schlechter aus, hätte Webers Amtsvorgänger Ernst Welteke tatsächlich seine Idee verwirklicht, Gold zu verkaufen und dafür unter anderem europäische Aktien zu erwerben!

Gold ist eben ein ganz besonderer Stoff, dessen Gewicht noch heute nicht nach Gramm und Kilo bemessen wird, sondern nach Unzen. Den Leitartikler der Tageszeitung „Die Welt“, Michael Stürmer, hat diese mittelalterliche Maßeinheit, die bis heute jeder Dezimalisierung trotzt, zu einer fast schon philosophischen Betrachtung bewegt: „Es ist Zeichen, dass Gold nicht von hier und nicht von heute ist, sondern zu allen Zeiten der Wertbewahrung, dem menschlichen Schmuckbedürfnis und der Spekulation diente, die auf Knappheit und Begehren setzt.“

Hochkonjunktur für Prägestätten

Kein Wunder also, dass die Nachfrage nach Goldmünzen ungebrochen hoch ist. Bei Goldhändlern und Banken sind viele Anlagemünzen nach wie vor ausverkauft. Dabei arbeiten die Prägestätten mit Hochdruck. Von der US-Mint über die Royal Canadian Mint bis zur Südafrikanischen Münzstätte verzeichnen die Prägestätten in aller Welt einen regelrechten Auftragsboom. „Die Nachfrage nach Gold und Silber ist beispiellos. Wir arbeiten hart, um mit unserer Produktion hinterher zu kommen“, sagte eine Sprecherin der United States Mint der Nachrichtenagentur Reuters. Die Zahl der verkauften Gold-Eagles habe sich von 140.000 (2007) auf 710.000 im letzten Jahr mehr als verfünffacht.

Bei der Münze Österreich wurde inzwischen sogar auf Drei-Schicht-Betrieb umgestellt. Rund um die Uhr laufen dort die Prägeautomaten, um der immensen Nachfrage einigermaßen Herr zu werden. Der Absatz der Gold-Unze „Wiener Philharmoniker“ stieg im vergangenen Jahr um das Sechsfache. Über eine Million Gold-Philharmoniker aller Nominale wurden im Jahr 2008 abgesetzt – gegenüber 245.000 im Jahr zuvor. Auch die erst 2008 eingeführte Silbervariante findet reißenden Absatz. In der ursprünglichen Planung sei man von vier Millionen Münzen ausgegangen, bis Ende Dezember seien dagegen 7,6 Millionen verkauft worden. Und 2009 hält der Trend offenbar an: In den ersten beiden Monaten wurden 386.000 Goldmünzen abgesetzt, im gleichen Vorjahreszeitraum waren es dagegen nur 66.000. Der Gold-Philharmoniker“ konnte damit seine Position als Marktführer in Europa (53 Prozent) noch ausbauen. In Japan soll der Marktanteil der Österreicher sogar bei 85 Prozent liegen.

Gold ist ein Stück Sicherheit

Ob Sammler oder Anleger: In den letzten Jahren haben alle von Gold profitiert. Und selbst wenn kein Gewinn damit verbunden wäre, so gibt der Besitz von Gold doch den Menschen das Gefühl von Sicherheit. Oder, wie die „Financial Times Deutschland“ in ihrer Ausgabe vom 17. März prägnant formulierte: „Wenn das Finanzsystem über Nacht zusammenbricht ... darf sich glücklich schätzen, wer Goldmünzen in kleiner Stückelung unter dem Kopfkissen hat.“

Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe Mai / Juni 2009.


 


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