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Wolfgang Erzinger, Herausgeber
Deutsches Münzen Magazin.
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Anfang April sind die neuen Kursmünzensätze des
Vatikans erschienen. Und auch in diesem Jahr sind die Preise
sofort nach der Erstausgabe in die Höhe geschnellt. Die
Nachfrage übersteigt, wie für alle Vatikan-Ausgaben
seit der Euro-Einführung, das Angebot bei weitem.
Ab 2010 könnte die Situation hier noch viel dramatischer
werden. Nach einer neuen EU-Richtlinie, die ab nächstem
Jahr gilt, soll nur noch ein kleiner Teil der
Kursmünzen zu einem höheren Preis als dem Nennwert
ausgegeben werden. Im Klartext: Künftig darf nur noch
weniger als die Hälfte der Auflage in Polierter
Platte oder als Kursmünzensatz erscheinen. Für
Deutschland und die anderen großen Euro-Länder
ändert sich dadurch nichts. Anders dagegen bei den drei
Kleinstaaten Vatikan, San Marino und Monaco. Hier gelangen
derzeit praktisch überhaupt keine Kursmünzen regulär
in den Umlauf.
Sollte die Richtlinie so umgesetzt werden, bedeutet dies,
dass von den etwas mehr als 106.000 kompletten Serien des
Vatikans nur noch rund 50.000 als Kursmünzensätze
ausgegeben werden dürfen. Die Auflage der Sätze
würde also glatt halbiert! Bei gleichbleibend hoher Nachfrage
dürften die Preise für Vatikan-Jahressätze
deshalb ab 2010 explodieren.
Noch scheint in dieser Sache nicht das letzte Wort gesprochen
zu sein. Wie die Österreichische Katholische Presseagentur
meldete, werde sich der Vatikan in den nächsten Wochen
mit der EU-Kommission in Brüssel beraten, um eine beide
Seiten zufriedenstellende Lösung zu erreichen.
Auch die Financial Times Deutschland (FTD) griff
im März das Thema auf und vermutet, Auslöser des
EU-Beschlusses sei der Sedisvakanz-Satz aus dem Jahr 2005
gewesen. Damals hatte der Vatikan für die zwei Wochen
nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. bis zur Wahl von
Papst Benedikt XVI. einen komplett neuen Satz Kursmünzen
von 1 Cent bis 2 Euro mit Wappen-Motiven geprägt, der
dann erst Monate später erschien. Selbst kirchennahe
Kreise hätten laut FTD eingeräumt, dies sei ein
wenig dreist gewesen.
Künftig soll deshalb nur noch eine einzelne 2-Euro-Gedenkmünze
genehmigt werden, wenn die Funktion des Staatsoberhauptes
vorübergehend nicht oder nur vorläufig besetzt
ist. Zumindest dieser Passus zielt ganz klar auf den Vatikan,
denn in Erbmonarchien gibt es keine Sedisvakanz (Leerer
Stuhl) und in Republiken sind keine Staatsoberhäupter
auf Euro-Kursmünzen abgebildet.
Es wird sich also in jedem Fall an der Ausgabepolitik der
Kleinstaaten etwas ändern. Wie gravierend die Einschnitte
sein werden, bleibt abzuwarten. Vielleicht aber sind die Kursmünzensätze
2009 von San Marino und dem Vatikan die letzten, die noch
zu günstigen Einstiegspreisen zu haben sind.
Ihr

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