Editorial: Mai / Juni 2009 Aktuelles Heft
 
Neue EU-Richtlinie fordert Änderung der Kleinstaaten-Ausgabepolitik

Wolfgang Erzinger, Herausgeber Deutsches Münzen Magazin.

Wolfgang Erzinger, Herausgeber
Deutsches Münzen Magazin.

 

Anfang April sind die neuen Kursmünzensätze des Vatikans erschienen. Und auch in diesem Jahr sind die Preise sofort nach der Erstausgabe in die Höhe geschnellt. Die Nachfrage übersteigt, wie für alle Vatikan-Ausgaben seit der Euro-Einführung, das Angebot bei weitem.

Ab 2010 könnte die Situation hier noch viel dramatischer werden. Nach einer neuen EU-Richtlinie, die ab nächstem Jahr gilt, soll nur noch „ein kleiner Teil“ der Kursmünzen zu einem höheren Preis als dem Nennwert ausgegeben werden. Im Klartext: Künftig darf nur noch weniger als die Hälfte der Auflage in „Polierter Platte“ oder als Kursmünzensatz erscheinen. Für Deutschland und die anderen großen Euro-Länder ändert sich dadurch nichts. Anders dagegen bei den drei Kleinstaaten Vatikan, San Marino und Monaco. Hier gelangen derzeit praktisch überhaupt keine Kursmünzen regulär in den Umlauf.

Sollte die Richtlinie so umgesetzt werden, bedeutet dies, dass von den etwas mehr als 106.000 kompletten Serien des Vatikans nur noch rund 50.000 als Kursmünzensätze ausgegeben werden dürfen. Die Auflage der Sätze würde also glatt halbiert! Bei gleichbleibend hoher Nachfrage dürften die Preise für Vatikan-Jahressätze deshalb ab 2010 explodieren.

Noch scheint in dieser Sache nicht das letzte Wort gesprochen zu sein. Wie die Österreichische Katholische Presseagentur meldete, werde sich der Vatikan in den nächsten Wochen mit der EU-Kommission in Brüssel beraten, um eine „beide Seiten zufriedenstellende Lösung zu erreichen.“

Auch die „Financial Times Deutschland“ (FTD) griff im März das Thema auf und vermutet, Auslöser des EU-Beschlusses sei der Sedisvakanz-Satz aus dem Jahr 2005 gewesen. Damals hatte der Vatikan für die zwei Wochen nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. bis zur Wahl von Papst Benedikt XVI. einen komplett neuen Satz Kursmünzen von 1 Cent bis 2 Euro mit Wappen-Motiven geprägt, der dann erst Monate später erschien. Selbst kirchennahe Kreise hätten laut FTD eingeräumt, dies sei „ein wenig dreist“ gewesen.

Künftig soll deshalb nur noch eine einzelne 2-Euro-Gedenkmünze genehmigt werden, wenn „die Funktion des Staatsoberhauptes vorübergehend nicht oder nur vorläufig besetzt“ ist. Zumindest dieser Passus zielt ganz klar auf den Vatikan, denn in Erbmonarchien gibt es keine Sedisvakanz („Leerer Stuhl“) und in Republiken sind keine Staatsoberhäupter auf Euro-Kursmünzen abgebildet.

Es wird sich also in jedem Fall an der Ausgabepolitik der Kleinstaaten etwas ändern. Wie gravierend die Einschnitte sein werden, bleibt abzuwarten. Vielleicht aber sind die Kursmünzensätze 2009 von San Marino und dem Vatikan die letzten, die noch zu günstigen Einstiegspreisen zu haben sind.


Ihr


 


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