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Die erste US-Münze
mit aufgeprägter
lesbarer Blindenschrift würdigt ihren Erfinder Louis
Braille zu seinem 200. Geburtstag.


Die Lincoln-
Gedächtnisstätte in Washington D.C. diente als Vorlage
für den neuen Gedenkdollar
zu Ehren des berühmten US-Präsidenten Abraham Lincoln.
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Die traditionsreichste Münzenserie der USA sind
ihre Silber-Gedenkdollars, die seit über hundert Jahren
zu bedeutenden Anlässen erscheinen. Im Jahr 2009 wird
die Kollektion durch zwei neue Ausgaben zu Ehren von Abraham
Lincoln und Louis Braille erweitert.
Eine Münzenserie, die weltweit ihresgleichen sucht:
Seit über einem Jahrhundert geben die Vereinigten Staaten
von Amerika Silber-Gedenkdollars heraus, die auf eindrucksvolle
Weise die Geschichte und Kultur des Landes widerspiegeln.
Die neuesten 2009er Ausgaben würdigen nun zwei bedeutende
Persönlichkeiten, zum einen den 16. Präsidenten
der USA, Abraham Lincoln, sowie zum anderen den französischen
Erfinder der nach ihm benannten internationalen Blindenschrift,
Louis Braille, zu seinem 200. Geburtstag. Letztere Ausgabe
stellt hierbei gleich in doppelter Hinsicht eine numismatische
Premiere dar: Es ist nicht nur die erste Münze der USA
mit groß aufgeprägter und damit lesbarer Brailleschrift,
sondern zugleich die erste Gedenkausgabe der Vereinigten Staaten
von Amerika, auf der ein Ausländer bzw. Nicht-US-Bürger
zu seinem runden Geburtstagsjubiläum geehrt wird.
Doppelte numismatische Premiere: Louis Braille mit Blindenschrift
Louis Braille wurde am 4. Januar 1809 als Sohn eines Sattlers
in Coupvray bei Paris geboren. Aufgrund eines Unfalls im Alter
von drei Jahren entzündeten sich seine Augen und er erblindete.
Zehnjährig kam Braille an das Königliche Blindeninstitut
in Paris, wo er erste für Blinde geschriebene Bücher
mit großen, erhabenen Buchstaben zu lesen bekam. Hier
lernte Braille auch die vom Artilleriehauptmann Charles Barbier
erfundene Nachtschrift kennen, mit der man sich
nachts auf dem Schlachtfeld, ohne reden oder Licht machen
zu müssen, verständigen konnte. Braille vereinfachte
das komplizierte System, indem er die Silben durch Buchstaben
ersetzte und die Anzahl der Punkte von zwölf auf sechs
pro Zeichen reduzierte. Bereits 1825 präsentierte er
erst 16-jährig seine neue Blindenschrift, die beim Überstreichen
der erhöhten Punkte per Finger gelesen werden kann. Während
sie heute überall verbreitet ist, wurde die Brailleschrift
zu Lebzeiten des Erfinders jedoch erst 1850 an Frankreichs
Blindenschulen eingeführt. Grund war die Befürchtung,
ein eigenes Schriftsystem könnte die Distanz zwischen
Blinden und Sehenden weiter vergrößern. Somit konnte
der geistige Urheber den internationalen Siegeszug seiner
Erfindung nicht mehr erleben, denn er starb am 6. Januar 1852
in Paris.
Die neue 1-Dollar-Gedenkmünze zeigt ein vom Designer
Joel Iskowitz entworfenes und von der Bildhauerin Phebe Hemphill
(siehe Seite 39) graviertes Frontalporträt des geehrten
Erfinders, flankiert vom Geburts- und aktuellen Prägejahr:
1809 bzw. 2009. Auf der von Susan Gamble und Joseph Menna
in ähnlicher Abfolge und Zusammenarbeit gestalteten Wertseite
ist das Wort Braille als Abkürzung Brl
in Blindenschrift aufgeprägt. Darunter ist ein blindes
Kind sitzend an einem Schreibtisch abgebildet, das ein in
Braille verfasstes Buch liest, während im Hintergrund
ein Buchregal mit der Aufschrift Independence
(Unabhängigkeit) zu sehen ist. Ein Teil der Erlöse
aus dem Verkauf der Gedenkmünze soll in die nationale
Blindenförderung der USA fließen, wo die Brailleschrift
erstmals im Jahr 1854 an der Missouri-Blindenschule benutzt
und 1917 schließlich offiziell zum Standard erklärt
wurde.
Abraham Lincolns Gettysburg-Rede zu seinem 200. Geburtstag
Ebenfalls vor genau 200 Jahren, wenngleich einen Monat später
als Braille am 12. Februar 1809, kam Abraham Lincoln im heutigen
LaRue County (Kentucky) zur Welt. Er sollte im Laufe seines
Lebens zu einem der bedeutendsten Präsidenten und historischen
Leitfiguren der USA aufsteigen, weshalb er auch auf einem
im Februar 2009 erschienenen Silberdollar gewürdigt wird.
Sein Leben wurde bereits besungen und in Kunst geformt, seine
Worte von Dichtern und Politikern gleichermaßen zitiert.
Unvergessen ist seine berühmte Ansprache am 19. November
1863 zur Einweihung des Soldatenfriedhofes von Gettysburg,
Schauplatz der zuvor entscheidenden Schlacht zugunsten der
Nordstaaten im Amerikanischen Bürgerkrieg. Deren abschließenden
Worte zieren die Wertseite der neuen, von Phebe Hemphill gestalteten
Jubiläumsmünze und bedeuten sinngemäß:
Wir wollen hier den entschiedenen Beschluss fassen,
dass ihr Tod nicht vergebens gewesen sein soll dass
diese Nation, mit Gottes Hilfe, eine Neugeburt der Freiheit
erleben soll und dass die Regierung des Volkes, durch
das Volk, für das Volk, nicht von der Erde verschwinden
soll. Darunter ist am Münzrand die handschriftliche
Signatur Lincolns aufgeprägt.
Design und Gravur der Bildseite, die nach Vorlage der
Präsidentenstatue in der Lincoln-Gedächtnisstätte
in Washington D.C. ein Halbporträt des 16. Präsidenten
(1861-65) der USA mit charakteristischem Backenbart ziert,
stammen von Justin Kunz bzw. Don Everhart. Bis zu seinem Tode
hatte sich Lincoln vehement für eine Abschaffung der
Sklaverei ausgesprochen, was ihm auch nach seiner gefeierten
Wiederwahl im November 1864 harte Kritik seiner radikalen
Gegner einbrachte. Am 14. April fiel er schließlich
im Fords Theatre in Washington D.C. einem Attentat durch
einen fanatischen Sklaverei-Anhänger zum Opfer. Doch
als Symbol für die Einheit der Nation, für deren
demokratische Traditionen und politische Tugenden, sowie für
die Sklavenbefreiung wurde er in den USA zur Legende.
Serienstart der Gedenkdollars 1892
Die beiden neuen Gedenkdollars führen somit die Tradition
der USA, Silber-Gedenkmünzen zur Erinnerung an herausragende
historische Ereignisse und Persönlichkeiten zu prägen,
auf reizvolle Weise weiter. Sie beginnt vor über hundert
Jahren, als ein Halbdollar 1892/93 mit dem Münzporträt
Christoph Kolumbus den 400. Jahrestag seiner Entdeckung
Amerikas würdigte.
Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN
MAGAZIN, Ausgabe März / April 2009 und hier
als PDF-Datei.
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