Aktuell März /April 2009 Aktuelles Heft
 
Spiegelbilder US-amerikanischer Geschichte


Die erste US-Münze
mit aufgeprägter
lesbarer Blindenschrift würdigt ihren Erfinder Louis Braille zu seinem 200. Geburtstag.

Die Lincoln-
Gedächtnisstätte in Washington D.C. diente als Vorlage für den neuen Gedenkdollar
zu Ehren des berühmten US-Präsidenten Abraham Lincoln.

 

Die traditionsreichste Münzenserie der USA sind ihre Silber-Gedenkdollars, die seit über hundert Jahren zu bedeutenden Anlässen erscheinen. Im Jahr 2009 wird die Kollektion durch zwei neue Ausgaben zu Ehren von Abraham Lincoln und Louis Braille erweitert.

Eine Münzenserie, die weltweit ihresgleichen sucht: Seit über einem Jahrhundert geben die Vereinigten Staaten von Amerika Silber-Gedenkdollars heraus, die auf eindrucksvolle Weise die Geschichte und Kultur des Landes widerspiegeln. Die neuesten 2009er Ausgaben würdigen nun zwei bedeutende Persönlichkeiten, zum einen den 16. Präsidenten der USA, Abraham Lincoln, sowie zum anderen den französischen Erfinder der nach ihm benannten internationalen Blindenschrift, Louis Braille, zu seinem 200. Geburtstag. Letztere Ausgabe stellt hierbei gleich in doppelter Hinsicht eine numismatische Premiere dar: Es ist nicht nur die erste Münze der USA mit groß aufgeprägter und damit lesbarer Brailleschrift, sondern zugleich die erste Gedenkausgabe der Vereinigten Staaten von Amerika, auf der ein Ausländer bzw. Nicht-US-Bürger zu seinem runden Geburtstagsjubiläum geehrt wird.

Doppelte numismatische Premiere: Louis Braille mit Blindenschrift

Louis Braille wurde am 4. Januar 1809 als Sohn eines Sattlers in Coupvray bei Paris geboren. Aufgrund eines Unfalls im Alter von drei Jahren entzündeten sich seine Augen und er erblindete. Zehnjährig kam Braille an das Königliche Blindeninstitut in Paris, wo er erste für Blinde geschriebene Bücher mit großen, erhabenen Buchstaben zu lesen bekam. Hier lernte Braille auch die vom Artilleriehauptmann Charles Barbier erfundene „Nachtschrift“ kennen, mit der man sich nachts auf dem Schlachtfeld, ohne reden oder Licht machen zu müssen, verständigen konnte. Braille vereinfachte das komplizierte System, indem er die Silben durch Buchstaben ersetzte und die Anzahl der Punkte von zwölf auf sechs pro Zeichen reduzierte. Bereits 1825 präsentierte er erst 16-jährig seine neue Blindenschrift, die beim Überstreichen der erhöhten Punkte per Finger gelesen werden kann. Während sie heute überall verbreitet ist, wurde die Brailleschrift zu Lebzeiten des Erfinders jedoch erst 1850 an Frankreichs Blindenschulen eingeführt. Grund war die Befürchtung, ein eigenes Schriftsystem könnte die Distanz zwischen Blinden und Sehenden weiter vergrößern. Somit konnte der geistige Urheber den internationalen Siegeszug seiner Erfindung nicht mehr erleben, denn er starb am 6. Januar 1852 in Paris.

Die neue 1-Dollar-Gedenkmünze zeigt ein vom Designer Joel Iskowitz entworfenes und von der Bildhauerin Phebe Hemphill (siehe Seite 39) graviertes Frontalporträt des geehrten Erfinders, flankiert vom Geburts- und aktuellen Prägejahr: 1809 bzw. 2009. Auf der von Susan Gamble und Joseph Menna in ähnlicher Abfolge und Zusammenarbeit gestalteten Wertseite ist das Wort „Braille“ als Abkürzung „Brl“ in Blindenschrift aufgeprägt. Darunter ist ein blindes Kind sitzend an einem Schreibtisch abgebildet, das ein in Braille verfasstes Buch liest, während im Hintergrund ein Buchregal mit der Aufschrift „Independence“ (Unabhängigkeit) zu sehen ist. Ein Teil der Erlöse aus dem Verkauf der Gedenkmünze soll in die nationale Blindenförderung der USA fließen, wo die Brailleschrift erstmals im Jahr 1854 an der Missouri-Blindenschule benutzt und 1917 schließlich offiziell zum Standard erklärt wurde.

Abraham Lincolns Gettysburg-Rede zu seinem 200. Geburtstag


Ebenfalls vor genau 200 Jahren, wenngleich einen Monat später als Braille am 12. Februar 1809, kam Abraham Lincoln im heutigen LaRue County (Kentucky) zur Welt. Er sollte im Laufe seines Lebens zu einem der bedeutendsten Präsidenten und historischen Leitfiguren der USA aufsteigen, weshalb er auch auf einem im Februar 2009 erschienenen Silberdollar gewürdigt wird. Sein Leben wurde bereits besungen und in Kunst geformt, seine Worte von Dichtern und Politikern gleichermaßen zitiert. Unvergessen ist seine berühmte Ansprache am 19. November 1863 zur Einweihung des Soldatenfriedhofes von Gettysburg, Schauplatz der zuvor entscheidenden Schlacht zugunsten der Nordstaaten im Amerikanischen Bürgerkrieg. Deren abschließenden Worte zieren die Wertseite der neuen, von Phebe Hemphill gestalteten Jubiläumsmünze und bedeuten sinngemäß: „Wir wollen hier den entschiedenen Beschluss fassen, dass ihr Tod nicht vergebens gewesen sein soll – dass diese Nation, mit Gottes Hilfe, eine Neugeburt der Freiheit erleben soll – und dass die Regierung des Volkes, durch das Volk, für das Volk, nicht von der Erde verschwinden soll.“ Darunter ist am Münzrand die handschriftliche Signatur Lincolns aufgeprägt.

Design und Gravur der Bildseite, die – nach Vorlage der Präsidentenstatue in der Lincoln-Gedächtnisstätte in Washington D.C. – ein Halbporträt des 16. Präsidenten (1861-65) der USA mit charakteristischem Backenbart ziert, stammen von Justin Kunz bzw. Don Everhart. Bis zu seinem Tode hatte sich Lincoln vehement für eine Abschaffung der Sklaverei ausgesprochen, was ihm auch nach seiner gefeierten Wiederwahl im November 1864 harte Kritik seiner radikalen Gegner einbrachte. Am 14. April fiel er schließlich im Ford’s Theatre in Washington D.C. einem Attentat durch einen fanatischen Sklaverei-Anhänger zum Opfer. Doch als Symbol für die Einheit der Nation, für deren demokratische Traditionen und politische Tugenden, sowie für die Sklavenbefreiung wurde er in den USA zur Legende.

Serienstart der Gedenkdollars 1892

Die beiden neuen Gedenkdollars führen somit die Tradition der USA, Silber-Gedenkmünzen zur Erinnerung an herausragende historische Ereignisse und Persönlichkeiten zu prägen, auf reizvolle Weise weiter. Sie beginnt vor über hundert Jahren, als ein Halbdollar 1892/93 mit dem Münzporträt Christoph Kolumbus’ den 400. Jahrestag seiner Entdeckung Amerikas würdigte.

Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe März / April 2009 und hier als PDF-Datei.


 


Das DEUTSCHE MÜNZEN MAGAZIN im Abonnement können Sie hier bestellen.

 

 
 
 

Copyright 1987-2009 EMS-Verlag GmbH| Alle Rechte vorbehalten|