Aktuell März / April 2009 Aktuelles Heft
 
Die neuen deutschen 2-Euro-Gedenkmünzen bis 2012



Bodo Broschat hat auf
seinem erstplatzierten
2-Euro-Modell für das Bundesland Bremen
die Rolandstatue vor dem Rathaus zum Betrachter hin gedreht und hervorgehoben.



Heinz Hoyers sieg-reicher Entwurf für die Bundesländerausgabe Nordrhein-Westfalens zeigt den Kölner Dom von Süden in seiner ganzen architek-tonischen Pracht.



Erich Ott setzte in seiner gravierten Neuschwanstein-Darstellung für die 2-Euro-Gedenkmünze Bayerns die Traumschloss-Fantasie des berühmten Erbauers, König Ludwig II., um.


Gemeinsame Wertseite aller drei Münzen.

 

Das Bundeskabinett hat über die Designs dreier weiterer 2-Euro-Gedenkmünzen aus der deutschen Bundesländer-Serie entschieden. Geprägt werden Entwürfe von Bodo Broschat (Bremen), Heinz Hoyer (Nordrhein-Westfalen) und Erich Ott (Bayern).

Im Jahr 2006 gab die Bundesrepublik Deutschland ihre ersten 2-Euro-Gedenkmünzen heraus und startete auf diese Weise zugleich die überaus beliebte Bundesländer-Serie. Damit entsprach sie einer Umfrage des Deutschen Münzen Magazins, in der sich die Mehrheit der Leser für das Thema Wahrzeichen und Sehenswürdigkeiten der deutschen Bundesländer aussprachen. Seitdem wird zur Freude der Sammler jährlich ein neues Bundesland mit einem repräsentativen Wahrzeichen auf 2-Euro-Gedenkmünzen in Bimetall gewürdigt. In der Reihenfolge des Vorsitzes im Bundesrat begann die Serie mit Schleswig-Holstein, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg, sowie in diesem Jahr dem Saarland.

Nun wurde in einem Münzwettbewerb bereits über die 2-Euro-Designs für Bremen 2010, Nordrhein-Westfalen 2011 und Bayern 2012 entschieden. Dabei weisen die siegreichen Entwürfe der Berliner Künstler Bodo Broschat und Heinz Hoyer, sowie von Erich Ott aus München eine besondere Gemeinsamkeit auf: Die bisherige Landesbezeichnung „Bundesrepublik Deutschland“ auf dem Außenring entlang des Münzrandes ist durch das Kürzel „D“ oben rechts ersetzt worden, zugleich sind die Europasterne und das Ausgabejahr neu platziert.

„Kennzeichen D“: Neue Ringgestaltung nach EU-Vorgaben

Laut neuer EU-Vorgaben müssen auf allen künftigen, neu gestalteten Euro-Kursmünzen, somit also auch auf den in der ganzen Währungsunion als Zahlungsmittel gültigen 2-Euro-Gedenkmünzen, die Europa­sterne der nationalen Bildseiten gleichmäßig und ausgerichtet angeordnet sein.
Deshalb bleibt nur noch Platz für das dazwischen gesetzte Länderkürzel anstelle des kompletten Landesnamens, was auf deutschen Münzen leicht irritieren kann. Schließlich tragen diese stets außerdem den jeweiligen Prägebuchstaben der Münzstätte, was bei München dann zu einer zwangsläufigen Doppelung des „D“ führt.
Nicht jedermanns Sache ist auch die derzeit geplante, neue Anordnung des Prägejahres am unteren Münzrand der neuen 2-Euro-Designs, das durch einen Stern getrennt ist und dadurch nicht mehr auf Anhieb eindeutig als zusammenhängende Jahreszahl erkennbar ist.

Bremen 2010: Rathaus mit Roland

Nichtsdestotrotz können sich die Sammler aber wieder auf schöne und gelungene Bundesländer-Motive freuen. Angefangen bei der für nächstes Jahr vorgesehenen 2-Euro-Ausgabe zu Ehren des Stadtstaates Bremen, die nach einem Modell von Bodo Broschat geprägt wird. Die in den Wettbewerbsunterlagen gestellte Aufgabe, Rathaus und Roland – beide seit 2004 auf der Welterbeliste der UNESCO – zugleich darzustellen, löst der Entwurf nach Ansicht des Preisgerichts in idealer Weise.

Insbesondere weil der Künstler zu Recht von seiner Freiheit Gebrauch mache, die Rolandstatue in der Zuordnung zum alten Rathaus nicht einfach real abzubilden. Stattdessen vergrößert er das Standbild im Verhältnis zum Rathaus und dreht es um 90 Grad auf den Betrachter zu, sodass es ihn auf der Münze mit dem Rathaus im Hintergrund anblickt. Dessen realitätsnah dargestellte Weserrenaissance-Fassade fand bei der Fachjury ebenfalls Gefallen, sodass auch in der Verkleinerung die Wiedererkennbarkeit Bremens gewahrt bleibe.

Nordrhein-Westfalen 2011: Kölner Dom

Als Wahrzeichen von Nordrhein-Westfalen war für die am Münzwettbewerb beteiligten Künstler der Kölner Dom vorgegeben, der auf das 12. Jahrhundert zurückgeht und seit 1996 UNESCO-Weltkulturerbe ist. Dieser wird nach Ansicht des Preisgerichts auf Heinz Hoyers siegreichem Entwurf als Meisterwerk der gotischen Baukunst charakterisiert.

Prägende architektonische Elemente wie Strebepfeiler und spitzbogige Fenster seien ebenso erfassbar wie die detailreiche Bauzier. Trotz dieser Detailtreue aber habe der Künstler den zur Verfügung stehenden Raum genutzt und zeige die Kathedrale in ihrer Gesamtheit, was die Schönheit des Südportals unterstreiche.

Bayern 2012: Schloss Neuschwanstein

Die Wahl der Perspektive fand auch bei Erich Otts erstplatzierten Entwurf für Schloss Neuschwanstein, dem Bundesländer-Motiv von Bayern, den Beifall des Preisgerichts. Der Künstler habe die wohl weltweit bekannteste Ansicht zugrunde gelegt, die sich dem Besucher bei seinem Aufstieg von Osten präsentiert. Dabei ist vorne der Torbau zu sehen mit den mittelalterlichen Türmen darüber. Das Bergpanorama im Hintergrund hat ebenso Berücksichtigung gefunden, wie die Platzierung des Schlosses auf dem Felsen über der Pöllatschlucht.
Außerdem sei es dem Künstler in herausragender Weise geglückt, die Ideenwelt des „Märchenkönigs“ Ludwigs II., der seine Traumschlösser in die jeweilige Landschaft bestmöglich einbetten ließ, zu erfassen und in seinem Münzentwurf gelungen umzusetzen.

Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe März / April 2009.


 


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