Aktuell Januar / Februar 2009 Aktuelles Heft
 
Neuland für Euro-Sammler: Willkommen Slowakei!


Drei unterschiedliche Motive gibt es auf den
acht neuen Umlaufmünzen der Slowakei. Die beiden Euro-Wertstufen bilden das Landeswappen
ab. 10, 20 und 50 Cent zeigen die Bratislavaer
Burg und die kupferfarbenen Kleinmünzen
haben den Berg Kriván in der Hohen Tatra als Motiv.

 

Der erste Euro-
Kursmünzensatz der
Slowakei. In der
Mitte des Präsentationsfolders befindet sich eine Silberprägung mit dem Datum 1.1.2009 und einem Wechselbild, das
je nach Lichteinfall
das Euro-Zeichen oder ein „Sk“ für die Slowakische Krone zeigt.

 

Rozlúcka heißt auf slowakisch „Abschied“: Der letzte Kursmünzensatz
in alter Währung enthält auch eine Bimetall-Prägung mit einer Collage bisheriger Heller- und Kronen-Motive.

 

Die Euro-Zone wächst: Als erster Staat der ehemaligen Ostblock-Region führte die Slowakei zum 1. Januar 2009 die Gemeinschaftswährung ein. Gleich mit mehreren interessanten Münzen und Sets kann der Sammler diesen historischen Schritt numismatisch dokumentieren.

Pünktlich zum zehnten Geburtstag der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) am 1. Januar 2009 trat die Slowakei der Euro-Zone bei. Sie ist das 16. Vollmitglied im Euro-Club, der nun gut 325 Millionen Einwohner zählt. Seit Jahren weist die Slowakei eine der höchsten Wachstumsraten der EU auf, die 2007 bei stolzen 10,4 Prozent lag. Das Land hat sich in den vergangenen zehn Jahren von einer ineffizienten Planwirtschaft sowjetischer Prägung zum gefragten Standort für ausländische Investoren gewandelt. Mitte Juni 2008 gaben die EU-Staats- und Regierungschefs bei ihrem Brüsseler Gipfeltreffen grünes Licht für den Beitritt des Landes zur Wirtschafts- und Währungsunion und bestätigten damit die Empfehlung von EU-Kommission und Europäischer Zentralbank. Der offizielle Umtauschkurs der slowakischen Krone gegenüber dem Euro beträgt 30,126 Kronen für einen Euro.

Die Slowakei (Slovensko) ging 1993 aus der Teilung der Tschechoslowakei hervor und liegt zwischen Ungarn im Süden und Polen im Norden. Westlich grenzt das Land an Tschechien und Österreich, die rund 100 Kilometer lange Grenzlinie zur Ukraine markiert zugleich einen Teil der Ostgrenze der Europäischen Union. Im zu den Karpaten gehörenden Tatra-Gebirge bietet das Land ein alpines Bild, während der Süden in die ungarische Tiefebene übergeht. Hauptstadt des 5,5-Millionen-Einwohner-Staates ist Bratislava (Preßburg), wo sich als wichtigster Export-Motor auch ein Volkswagen-Werk befindet.

Die wechselvolle Geschichte des Landes, auf dessen Gebiet in vorchristlicher Zeit Kelten lebten und später die Germanen, wurde ab dem 11. Jahrhundert von ungarischen Königen beherrscht, die ihrerseits 1526 dem Machtbereich der österreichischen Habsburger unterworfen wurden. 1804 wurde die Slowakei Teil des österreichischen Kaiserreichs und rund 60 Jahre später von Österreich-Ungarn. Nach dem Ersten Weltkrieg bildeten dann die Slowaken zusammen mit den Tschechen die Tschechoslowakei.
Das Staatswappen zeigt ein sogenanntes Patriarchenkreuz, ein Doppelkreuz, das schon seit dem Mittelalter ein Symbol der Slowaken darstellt. Es erhebt sich über einem Dreiberg, der die gebirgige Landschaft der Region versinnbildlicht. Dieses Hoheitssymbol ist auch Motiv der neuen Münzen zu 1 und 2 Euro. Auf den Münzen wird das Doppelkreuz vor dem Hintergrund eines Reliefs aus stilisierten Felsen gezeigt, die für Ausdauer und Stabilität des Staates stehen. Das Design wurde von dem einheimischen Bildhauer Ivan Rehak geschaffen.

Wahrzeichen des Landes

Die zweistelligen Cent-Wertstufen stellen ein Wahrzeichen der Hauptstadt in den Mittelpunkt, die Bratislavaer Burg. Das historische Bauwerk befindet sich auf einem Felsen hoch über der Stadt am linken Ufer der Donau und dient heute Repräsentationszwecken und als Museum. Gestaltet wurde das Motiv von Jan Cernaj und Pavel Karoly von der Münzstätte in Kremnica.

Die drei kupferplattierten Kleinmünzen zu 1 bis 5 Cent zeigen den 2494 Meter hohen Gipfel des Bergs Kriván (Krummhorn) im Nationalpark Hohe Tatra, der in der Geschichte des Landes eine große Rolle spielt und auch als Symbol für den Naturreichtum des Landes steht. Drahomir Zobek, der auch Gestalter der bis 2008 umlaufenden Kronen-Münzen ist, hat das schlichte, aber eindrucksvolle Relief entworfen.

Die drei nationalen Motive der slowakischen Euro- und Centmünzen wurden bereits 2004 in einem anonymen Wettbewerb von der Bevölkerung des Landes ausgewählt und sollen die Slowakische Republik, ihre europäischen Geschichts- und Kulturtraditionen sowie das reiche Naturerbe künftig weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt machen.

Erster Euro-Kursmünzensatz der Slowakei


Die neuen Kursmünzen sind auch im ersten Euro-Kursmünzensatz des Landes enthalten, der außerdem eine Gedenkprägung aus Sterlingsilber enthält. Diese hat auf der einen Seite ein Wechselbild, das je nach Lichteinfall das Euro-Symbol oder die Buchstaben „Sk“, die Abkürzung für die Slowakische Krone, zeigt. Die Umschrift lautet: „1.1.2009 EURO NAŠA MENA“ (Euro unser Geld). Auf der anderen Seite finden sich neben dem Staatswappen Abbildungen des Zentralbank-Hochhauses in Bratislava sowie der historischen Münzstätte Kremnica. Alle neun Prägungen sind in einem aufwändig illustrierten, sechsseitigen Folder untergebracht, der weitere Informationen in Landessprache samt englischer Übersetzung bietet. Das aufgedruckte EUROPA-Münzzeichen kann als Hinweis darauf gewertet werden, dass die Slowakei an dieser beliebten länderübergreifenden Sammlung mit Gedenkmünzen teilnimmt.

„Abschiedsmünze“ gehört zur EUROPA-Serie

Die erste slowakische EUROPA-Ausgabe „mit Stern“ erschien bereits im Dezember noch in alter Währung und ist gleichzeitig mit ihren zwei Unzen Gewicht die spektakuläre „Abschiedsmünze“ von der Krone (wir berichteten). Die Wertseite wurde als Collage aus Motiven des bisherigen Umlaufgeldes der Republik gestaltet, die in ein großes „€“ eingebettet sind. Die Umschrift lautet „SLOVENSKÁ KORUNA 1993 – 2008“ und weist damit auf die nur 15 Jahre währende Existenz einer eigenständigen slowakischen Krone nach der Trennung von Tschechien im Jahr 1993 hin. Auf der Vorderseite sind der moderne Glasturm der Nationalbank und das Landeswappen dargestellt. Hier findet sich auch das EUROPA-Münzzeichen (ein Stern mit eingearbeitetem Euro-Zeichen).

Ein weiteres numismatisches Dokument für den Währungswechsel ist der letzte Kursmünzensatz in alter Währung, der Ende November erschien. Er steht unter dem aufgedruckten Motto „Rozlúcka so slovenskou korunou“ (Abschied von der Slowakischen Krone) und enthält Umlaufmünzen zu 50 Heller sowie zu 1, 2, 5 und 10 Kronen. Auch hier gibt es als Extra eine Medaille, die, in Bimetall ausgeführt, einerseits die aufgefächerten Motive der alten Kursmünzen zeigt und auf der anderen Seite eine antike, keltische Tetradrachme (die einst auf dem Gebiet der heutigen Slowakei geprägt wurde) sowie das Signet der Münzstätte Kremnica. Die Jahreszahlen 1993 und 2008 weisen auf das 15-jährige Bestehen der Kronenwährung hin.

Ausblick auf 2009

Als erster Euro-Neuling gab die Slowakei gleich am ersten Tag nach der Währungsumstellung eine Gedenkmünze heraus. Das liegt weniger daran, dass es die Slowakei damit besonders eilig gehabt hätte, sondern daran, dass diese Münze zu der neuen 2-Euro-Gemeinschaftsserie „10 Jahre Wirtschafts- und Währungsunion“ gehört, die am 1. Januar 2009 ihren Ersttag hatte. In der slowakischen Version liegt die Auflage bei 2,5 Millionen Exemplaren.
Als zweite Gedenkmünze in neuer Währung folgt im April eine 10-Euro-Silber­münze, die dem 150. Geburtstag des slowakischen Maschinenbauingenieurs und Erfinders Aurel Stodola gewidmet ist. Zum Thema „Natur- und Landschaftsschutz – Nationalpark Velka Fatra“ ist für Juni 2009 eine Silbermünze zu 20 Euro geplant. Mit einer 2- Euro-Gedenkmünze, der letzten Sondermünze des Jahres, wird schließlich dem 20. Jahrestag der „Samtenen Revolution“ vom 17. November 1989 gedacht, die in der damaligen Tschechoslowakei den Übergang zu Freiheit und Demokratie markierte.

Neben dem bereits erwähnten ersten Euro-Kursmünzensatz vom Janaur wird es 2009 noch zwei weitere Umlauf-Sets geben, die den Themen „Geburt des Kindes“ und „Historische Regionen der Slowakei – Orava, Kysuce, Povazie“ gelten.

Vollständiger Artikel mit einem Porträt der Traditions-Münzstätte in Kremnica im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe Januar / Februar 2009.


 


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