Aktuell: November / Dezember 2008 Aktuelles Heft
 
10 Jahre WWU: Besonderheit aus Luxemburg - Wechselbild in "Multi-View-Minting"-Technik
 



Auch bei der 2-Euro-Gedenkmünzenserie „10 Jahre Wirtschafts-und Währungsunion“ wird Luxemburg wieder die große Ausnahme machen: Als Wechselbild zeigt die Münze aus dem Großherzogtum 2009 auf der gesamten Fläche des goldfarbenen Kerns einmal das "Strichmännchen"-Motiv und im 45-Grad-Winkel das Staatsoberhaupt aus zwei Perspektiven.

Bereits bei der Vorgänger-Serie 2007 "50 Jahre Römische Verträge" fiel die Version aus dem Großherzogtum durch eine Besonderheit auf: Ein kleines, kreisrundes Hologramm zeigte je nach Lichteinfall den linken Teil des Gemeinschaftsmotivs oder das Porträt von Großherzog Henri. Mit diesem Trick entgingen die Luxemburger einer Änderung ihres Münzgesetzes, das vorschreibt, dass auf jeder Münze des Landes das Staatsoberhaupt gezeigt werden muss (was bei der Gemeinschaftsserie eigentlich nicht möglich ist, weil hier Vorder- und Rückseite vorgegeben sind).

2009 wird es allerdings nicht beim kleinen Latentbild bleiben, das insbesondere in Normalprägung nicht so gut zur Geltung kam, sondern es wird die weiterentwickelte Technik des „Multi-View-Minting“ zum Einsatz kommen: Bei direkter Draufsicht ist das Gemeinschaftsmotiv zu sehen und bei Betrachtung im seitlichen 45-Grad-Winkel ein Porträt von Großherzog Henri in zwei unterschiedlichen Perspektiven. Und zwar diesmal über die ganze Fläche des goldfarbenen Kerns! Die Münzmeisterzeichen befinden sich – auch dies ist einzigartig bei dieser Gemeinschaftsserie – auf dem silberfarbenen Ring. Während die luxemburgische 2-Euro-Gedenkmünze „50 Jahre Römische Verträge“ bei der französischen Monnaie de Paris in Pessac gefertigt wurde, kommt die Ausgabe zum 10. Jahrestag der WWU aus den Werkstätten der niederländischen Münze in Utrecht.

Wie bereits berichtet, werden zur Feier des 10. Jahrestags der Gründung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) alle 16 Vollmitglieder des Euro-Raums (also auch die Slowakei) am 1. Januar motivgleiche 2-Euro-Gedenkmünzen herausgeben, die an dieses historische Datum erinnern. Es ist ein gleichermaßen politisch wie numismatisch denkwürdiges Ereignis, denn zu diesem Zeitpunkt wurde offiziell der Euro eingeführt.



Motivgleich mit interessanten Unterschieden im Detail: 2-Euro-Gemeinschaftsserie "10 Jahre Wirtschafts- und Währungsunion".

Auf den ersten Blick sehen alle Münzen der neuen Gemeinschaftsserie gleich aus: Die Wertseite sowieso – sie zeigt einheitlich die 2007 eingeführte Europakarte und das Nominal – und auch die nationalen Seiten haben das selbe Bildmotiv: Ein bewußt primitiv gezeichnetes „Strichmännchen“ samt Euro-€, umrahmt von den ungleichmäßigen Umrissen einer antiken Münze. Es soll die historische Entwicklung vom Tauschhandel in Europa zur heutigen Gemeinschaftswährung symbolisieren. Ein durchaus umstrittenes Design übrigens, denn es geht schließlich um „10 Jahre WWU“ – nicht um ein 10.000-jähriges Jubiläum. Der Rückgriff auf eine Art prähistorischer Höhlenmalerei erscheint vielen deshalb etwas weit hergeholt.

Europäischer Wettbewerb


Dennoch haben sich die Mitgliedsländer auf dieses Motiv geeinigt, denn es entsprang erstmals einem Wettbewerb auf europäischer Ebene, bei dem die Bevölkerung per Internet abstimmen durfte: Aus einer Vorauswahl von fünf Entwürfen konnten alle EU-Bürger vom 31. Januar bis 22. Februar 2008 im Internet ihr Lieblingsmotiv wählen. Nach offiziellen Angaben wurden 141.675 Stimmen gezählt, von denen sich eine Mehrheit von 41,48 Prozent für den Entwurf des griechischen Künstlers Georgios Stamatopoulos entschied. Sein Monogramm (GS) findet sich unten im Bildmotiv.

Den interessanten Unterschied bei den Münzen dieser Gemeinschaftsserie machen in erster Linie die nationalen Inschriften und die verschiedenen Prägezeichen. Die Staatsbezeichenung findet sich im Halbrund oberhalb des Bildmotivs, darunter der Ausgabeanlass in Landessprache. In Deutschland und Österreich lautet er etwa „WWU 1999 – 2009“, wobei „WWU“ für „Wirtschafts- und Währungsunion“ steht. Auf englisch ist die Abkürzung „EMU“ (Economic and Monetary Union) und auf französisch steht „UEM“ für „Union économique et monétaire“. Alle Abkürzungen werden übrigens, anders als im ursprünglichen Entwurf, ohne zwischenstehende Pünktchen geprägt. Rechts bzw. rechts und links neben dem Bildmotiv ist Raum für Münzmeister- und Prägezeichen. So gibt es allein von Deutsch­land fünf unterschiedliche Versionen mit den Buchstaben A,D,F,G und J. Insbesondere bei Staaten ohne eigene Münzstätte kann der Experte hier den Herstellungsort erkennen.



Ein erstes Originalbild der deutschen Version aus Berlin (A).

Einen weiteren großen Unterschied für den Sammler machen natürlich die stark divergierenden Prägemengen aus, die bei Kleinauflagen später den Wert bestimmen. So wird es aus Ländern wie Malta, Zypern oder Luxemburg nur einige Hunderttausend Exemplare geben, während große Länder Millionenauflagen prägen. Außerdem gibt es Spezialitäten in Spiegelglanz und in Form von amtlichen Blistern.

Trotz weitgehender Motivgleichheit eine spannende Serie also, die ihr direktes Vorbild in dem ersten 2-Euro-Gemein­schaftsprogramm von 2007 hat, das aus Anlass des Jubiläums „50 Jahre Römische Verträge“ erschien. Unzählige Sammler in ganz Europa haben die Münzen aus damals 13 Ländern mit Begeisterung zusammengetragen. Vor zwei Jahren war die Slowenien-Münze mit ihrer Kleinauflage von nur 400.000 Stück der Renner. Sie wurde zu einem gesuchten Sammlerstück und kostet heute ein Vielfaches der anderen Ausgaben.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe November / Dezember 2008.


 


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