Aktuell: März/April 2008 Aktuelles Heft
 
Goldpreis auf historischem Höchststand
 

Jetzt ist also eingetreten, was vor noch nicht allzu langer Zeit nur die größten
Optimisten voraussagten: Der Goldpreis hat den bisherigen historischen Höchsttand vom Januar 1980 übertroffen und notierte zum Jahresbeginn erstmals über der Marke von 850 Dollar pro Feinunze. Die 1000-Dollar-Grenze scheint in greifbarer Nähe.



Goldmünzen: Wer rechtzeitig gekauft hat, kann sich heute über
stattliche Wertsteigerungen freuen. Und der Trend zeigt weiter nach oben.

Am 2. Januar 2008 um 16.59 Uhr mitteleuropäischer Zeit war es soweit: Der Goldpreis übertraf mit 852,80 Dollar in New York erstmals das bisherige Allzeithoch vom Januar 1980. Gold ist so kostbar wie nie zuvor. Und der Aufwärtstrend setzte sich in den folgenden Tagen stürmisch fort: Am 11. Januar knackte der Goldpreis dann bereits die Marke von 900 Dollar. Das Medienecho war gewaltig. Von der kleinsten Heimatzeitung in Bayern bis zum „Spiegel“, von der „Tagesschau“ bis zum letzten privaten Radiosender wurde das gelbe Edelmetall in den höchsten Tönen gepriesen. „Gold als Hort der Sicherheit“ (Kölnische Rundschau), „Goldrausch erreicht neuen Höhepunkt“ (Wiener Zeitung), „Experten sagen Goldpreis von 1000 Dollar voraus“ (Spiegel online), „Goldpreis erklimmt neuen Höchststand“ (Die Zeit), „Der Goldpreis bricht alle Rekorde“ (Handelsblatt) lauteten beispielhaft die Überschriften.

Seit dem Tiefpunkt im Jahr 2001, als Gold noch für gut 250 Dollar zu haben war, hat sich der Preis für den begehrten Rohstoff damit beinahe vervierfacht. Inflationsbereinigt, wenn man also die Kaufkraft des Dollars vor 28 Jahren und heute vergleicht, entspricht der alte Rekord allerdings einem Wert von über 2.300 Dollar. Viele Experten trauen der „Weltwährung Gold“ daher ein beträchtliches weiteres Potenzial zu.

Sicherheit und Prestige: Wer Geld hat, kauft Gold

„Um ihre Risiken zu streuen, sollten auch Privatanleger das Edelmetall in ihrer Anlagestrategie berücksichtigen“, zitiert die Tageszeitung „Die Welt“ den Ratschlag von Fachleuten. Aber selbst in den Depots der professionellen Vermögensverwalter und Investoren ist Gold deutlich unterrepräsentiert. In den meisten Portfolios liegt der Anteil unter einem Prozent, Experten empfehlen dagegen einen Goldanteil von bis zu zehn Prozent. Wenn die Anleger diesen Ratschlägen folgen, verstärkt sich die Goldhausse abermals. Eine weitere Wertsteigerung des Edelmetalls scheint nur eine Frage der Zeit. Der Sprung über die 1000-Dollar-Marke ist in greifbare Nähe gerückt.

Auch die fundamentalen Daten sprechen für Gold. So nimmt mit wachsendem Wohlstand in den aufstrebenden Wirtschaftsnationen Asiens die Nachfrage weiter zu. Hier wird das gelbe Edelmetall nicht nur als finanzielle Absicherung geschätzt, sondern gilt auch als Statussymbol. Wer Geld hat, kauft Gold. Mehr als 1000 Tonnen Gold verarbeitet inzwischen allein die indische Schmuckindustrie. Eine wichtige Rolle auf der Nachfrageseite spielen auch börsengehandelte Investmentfonds, die als Sicherheit auf physisches Gold setzen. Nach einer Erhebung der Citigroup horten diese Rohstofffonds heute schon über 800 Tonnen Gold in ihren Tresoren – mehr als die Europäische Zentralbank.

Viele Goldminen sind weitgehend ausgebeutet

Dagegen sieht es auf der Angebotsseite eher düster aus: Viele Goldminen sind weitgehend ausgebeutet. Für die Goldförderung werden immer höhere Investitionen notwendig, was neues Gold zunehmend verteuert. Bis zu fünf Kilometer unter Tage sind manche Goldschürfer heute bereits auf der Suche nach dem kostbaren Edelmetall. Das wichtigste Gold-Förderland Südafrika produzierte noch 1970 rund 1.000 Tonnen Gold, 2006 waren es nur noch 275 Tonnen – der niedrigste Stand seit 1922.

Auch die Nationalbanken haben sich darauf verständigt, keine größeren Mengen zu veräußern. Und wenn einmal ein paar Tonnen Gold aus staatlichen Beständen auf den Markt kommen, so wirkt das in den heutigen Boom-Zeiten wie ein Tropfen auf den heißen Stein und löst keinen Kurssturz mehr aus. Der größte Goldschatz der Welt ist übrigens 8.134 Tonnen schwer und gehört den USA. Er ist eingelagert in Fort Knox und unter den Straßen New Yorks. Die USA jedoch lehnen Goldverkäufe strikt ab.

Was die Münzensammler schon längst erkannt haben, wird langsam Allgemeingut: Gold in Form von Münzen zu besitzen ist nicht nur eine der schönsten, sondern auch eine der sichersten Formen des Gold-Investments. Denn es ist echtes Gold, das man anfassen und persönlich besitzen kann. Auch angesehene Wirtschaftspublikationen warnen mittlerweile vor dem sogenannten „Papier-Gold“ in Form von Zertifikaten. So schrieb die „Financial Times Deutschland“ im November: „Einen Haken haben alle Zertifikate: Die Rückzahlung der Papiere hängt zwar vom Goldpreis ab, allerdings handelt es sich bei diesen Papieren um Inhaberschuldverschreibungen... Für Investoren, die Gold als Absicherung für extreme Krisenfälle sehen, eignen sich daher Zertifikate generell nicht. Sie sollten Gold in physischer Form kaufen, beispielsweise als Barren oder Münzen.“

„Der Markt für Goldmünzen ist praktisch leergekauft“

Die Prägestätten sind offenbar von der boomenden Nachfrage nach Goldmünzen 2007 schlicht überrollt worden. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ zitierte den Edelmetallhändler Martin Siegel mit den Worten: „Der Markt für Goldmünzen ist praktisch leergekauft.“ Die Umsätze seien gegenüber dem Vorjahreszeitraum um das Fünffache gestiegen. Ein ähnliches Bild beobachtete die „FAZ“ bei einem Goldhändler in München: Interessenten mussten feststellen, „dass viele der sonst stets im Laden vorhandenen Münzen und Barren Mangelware oder gänzlich ausverkauft waren.“ Einen „deutlichen Anstieg beim Verkauf“ bestätigt auch Dietmar Spranz, Generaldirekter der Münze Österreich AG, die mit dem „Philharmoniker“ eine der erfolgreichsten Anlagemünzen der Welt herausgibt. Ohne Dezember habe es 2007 einen Anstieg in Feinunzen um 35 Prozent gegeben, schreibt die Wiener Tageszeitung „Der Standard“.

Begehrte Gold-Euros

Neben den Anlagemünzen, deren älteste, der südafrikanische Krügerrand, letztes Jahr seinen 40. Geburtstag feierte, setzen Goldanleger hierzulande vor allem auf die jährlich geprägte 100-Euro-Goldmünze der Bundesrepublik Deutschland. Aus Sicht der reinen Investoren hat der deutsche Gold-Euro zwar den Nachteil, dass er nicht beliebig verfügbar ist, denn er wird in einer begrenzen „limitierten“ Auflage geprägt, den Sammler freut das allerdings umso mehr. Der Marktpreis dieser Gedenkmünzen wird also nicht in erster Linie vom gestiegenen Goldkurs bestimmt (unter den sie natürlich nie sinken können), sondern vielmehr von ihrem Seltenheitswert. Und der liegt zumeist weit über dem reinen Edelmetallpreis.

Begonnen hat die Prägung von Goldmünzen der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2001, als zum Andenken an die gute alte D-Mark die legendäre „Gold-Mark“ der Deutschen Bundesbank in der gewaltigen Auflage von einer Million Exemplare erschien. Es war die erste deutsche Goldmünze seit dem Kaiserreich, die bereits kurz nach ihrem Erstausgabetag bei den Landeszentralbanken vollständig vergriffen war und in der Folge im Wert stark zulegte. Wer dieses Stück damals zum Ausgabepreis von umgerechnet rund 125 Euro ergattern konnte, kann sich allein schon durch den gestiegenen Edelmetallkurs über eine Verdoppelung seines Einsatzes freuen. Der Sammlerwert freilich liegt auch hier weitaus höher.

Siehe auch "Editorial".

Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe März/April 2008.


 


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