Aktuell: Januar / Februar 2008 Aktuelles Heft
 
Ab 1. Januar 2008 gilt auch auf
Malta und Zypern die Gemeinschaftswährung

Die neuen
nationalen Seiten Maltas auf Euro- und Centstücken: Das achtstrahlige Malteserkreuz auf den Höchstwerten erinnert an die Herrschaft des Ritterordens über die Inselgruppe. Die zweistelligen Centmünzen aus Nordischem Gold zeigen das Wappen
Maltas und die kupferplattierten Kleinmünzen würdigen mit dem Altar
des Mnajdra-Tempels die Jahrtausende alte Kultur und Geschichte des Landes.


 



Die Zweisprachigkeit der Volksgruppen spiegelt sich auch auf den neuen Umlaufmünzen Zyperns
wider: Der Landesname ist in griechischer und
türkischer Schrift aufgeprägt. Das „Idol von Pomos“ auf den Höchstwerten steht symbolisch für die Geschichte des Landes. Das „Schiff von Kyrenia“ erinnert an die langen Seefahrertraditionen und das Wildschaf an die Natur des Inselstaats.

 

 

 

Pünktlich zum Jahreswechsel wird die Europäische Währungsunion weiter wachsen – zwar kaum an Größe und Einwohnern, dafür aber um zwei weitere Mitgliedsländer, die für Münzensammler besonders interessant sind: Malta und Zypern.

15 Vollmitglieder zählt die Eurozone ab dem 1. Januar 2008. Zusammen mit den über Frankreich und Italien assoziierten Kleinstaaten Monaco, San Marino und Vatikan sind es jetzt 18 Länder, in denen der Euro alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel ist und die eigene Münzen in Euro und Cent besitzen.

Nach Slowenien, das als erstes der neuen EU-Länder 2007 in die Währungsunion aufgenommen wurde, gehören jetzt also auch die Inselstaaten Malta und Zypern dazu. Die Bevölkerung der Eurozone wächst damit leicht von 316,6 auf 317,8 Millionen Einwohner. Auch flächenmäßig oder von der Höhe des Bruttosozialprodukts bringt der Beitritt der beiden Länder keine allzu großen Veränderungen. Dennoch ist die Erweiterung der Euro-Zone um Malta und Zypern besonders für die Münzensammler von großer Bedeutung. Denn oft sind es ja gerade die kleinen Länder und die damit verbundenen geringeren Auflagen der Münzen, die ein Gebiet numismatisch besonders interessant machen.



Europäische Finanzminister feierten im Juli 2007 in Brüssel zusammen mit ihren Amtskollegen aus Malta und Zypern die Aufnahme der beiden neuen Staaten in die Währungsunion.


Beginnen wir mit Malta. Mit rund 405.000 Einwohnern und einer Fläche von 316 Quadratkilometern ist die Inselgruppe der kleinste eigenständige Staat der Europäischen Union und löst damit Luxemburg als bislang kleinstes Vollmitglied der Euro-Zone ab. Der Name des 100 Kilometer südlich von Sizilien gelegenen Inselstaats leitet sich vom punischen Wort „malet“ für „Zufluchtsort“ ab.

Auf den drei Hauptinseln der Republik Malta finden sich Spuren einer Jahrtausende alten Geschichte. Sie reichen von den steinzeitlichen Tempelanlagen über römische Gräber und Katakomben bis zu den Wehranlagen des Malteserordens. Die wechselvolle Geschichte Maltas spiegelt sich auch auf den nationalen Seiten der neuen Euro- und Cent-Münzen wider. Insgesamt gibt es, wie in Deutschland, drei verschiedene Motive, die allesamt in der französischen Münzstätte Pessac bei Bordeaux geprägt werden. Ein winziges „F“ im untersten Stern der Münzen weist darauf hin.
Die beiden Höchstwerte zu 1 und 2 Euro zeigen das achtstrahlige Malteserkreuz, das an die Herrschaft des Ritterordens erinnert. Die acht Spitzen des Kreuzes symbolisieren die acht Seligpreisungen der Bergpredigt Jesu. Die vier innenliegenden Ecken wurden den vier Kardinaltugenden zugeordnet: Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung.

Maltas Landeswappen

Auf den zweistelligen Cent-Münzen ist das Landeswappen Maltas dargestellt. Es zeigt einen geteilten Schild mit einer Mauerkrone als Zeichen der Souveränität. Oben links befindet sich das Georgskreuz, eine militärische Auszeichnung, die der gesamten Bevölkerung Maltas für ihren Mut und ihre Tapferkeit während der italienischen und deutschen Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg vom britischen König Georg VI. verliehen wurde. Über einem Schriftband mit dem Landesnamen „Repubblika Ta’ Malta“ ranken sich Oliven- und Palmzweige als Friedenssymbole um den Schild.
Die drei kupferplattierten Münzen zu 1 bis 5 Cent bilden den berühmten Altar des Mnajdra-Tempels ab. Er ist einer von mehreren prähistorischen Megalithanlagen Maltas, die heute unter dem besonderen „Welterbe“-Schutz der UNESCO stehen. Der Mnajdra-Tempel dürfte etwa um 3.500 v. Chr. entstanden sein, ist damit viel älter als alle ägyptischen Pyramiden und gilt als Vorläufer der englischen Kultstätte Stonehenge. Die Bauten sind so ausgerichtet, dass bei Tag- und Nachtgleiche im Frühjahr und im Herbst der erste Strahl der aufgehenden Sonne auf eine Steinplatte an der Rückseite des Kultraumes mit dem Altar fällt.

Nachdem Malta im Jahr 2004 zusammen mit zehn weiteren Staaten der Europäischen Union beigetreten war, erfüllte es rasch die Aufnahmekriterien der Euro-Zone. Und im Juli 2007 war es dann soweit: EU-„Finanzminister“ Joaquin Almunia verkündete offiziell die Aufnahme des Inselstaats in den Währungsverbund. Mit insgesamt 330.000 Starterkits im Nennwert von 11,65 Euro und weiteren 33.000 Rollen-Kits zu 131 Euro wurden die ersten Euro- und Cent-Münzen mit nationaler maltesischer Rückseite Mitte Dezember in Verkehr gebracht. Im Januar folgt für Sammler dann die Ausgabe eines ersten Kursmünzensatzes in luxuriöser Holzkassette, der neben den acht neuen Münzen in Stempelglanz eine goldplattierte Medaille enthalten wird. Die Maximalauflage soll 40.000 Exemplare betragen und ist damit knapp bemessen. Über den ersten Euro-Jahrgang maltesischer Gedenkmünzen hüllte sich die Zentralbank von Malta bei Redaktionsschluss noch in Schweigen.

Zypern

Mit 9.300 Quadtartkilometern ist Zypern fast 30-mal so groß wie Malta. Von der Einwohnerzahl her allerdings bringt es Zypern nur knapp auf das Doppelte: 788.000 Menschen leben auf der Insel, die seit dem 1. Mai 2004 zur Europäischen Union gehört. Faktisch trat nach einem Volksentscheid jedoch nur der griechischsprachige Südteil der Insel bei. Der kleinere Norden bildet die Türkische Republik Nordzypern, die als Staat nur von der Türkei anerkannt ist und in der rund 25 Prozent der Gesamtbevölkerung lebt. Zypern ist nach Sizilien und Sardinien die drittgrößte Insel im Mittelmeer. Sie liegt rund 70 Kilometer südlich des Türkischen Festlandes.

Die höchst interessante Münzgeschichte Zyperns belegt die wechselvolle Historie der Insel: Ägypter und Perser herrschten hier ebenso wie Alexander der Große und später die Römer, Kreuzritter und Venezianer. 1571 fiel die Insel an das Osmanische Reich, das sie 1887 an Großbritannien verpachtete. 1925 wurde Zypern britische Kronkolonie und erlangte 1960 schließlich die Unabhängigkeit.

Aufgrund von Unruhen und Spannungen zwischen den Volksgruppen wurden 1964 UNO-Friedenstruppen im Land stationiert, die seit dem Einmarsch der Türkei in Nordzypern 1974 die Einhaltung des Waffenstillstands kontrollieren. Nach der erstmaligen Öffnung der Grenzen 2003 scheiterte im Jahr darauf der Friedensplan des damaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan, der die Schaffung eines Staats mit dem Namen Vereinigte Republik Zypern vorsah. So wurde Zypern im Mai 2004 als geteiltes Land Mitglied der EU. Auch heute noch tritt der Prozess der Wiedervereinigung auf der Stelle.

Die Zweisprachigkeit findet auch auf den Motiven der neuen Euro- und Cent-Prägungen Zyperns ihren Niederschlag, denn gemeinsam ist allen Münzen der Landesname in griechischer und türkischer Schrift. Die Höchstwerte zeigen das „Idol von Pomos“, eine prähistorische Figur aus dem 3. Jahrtausend v. Chr., die die lange Geschichte und Kultur des Landes versinnbildlicht. Die Skulptur stellt eine Frau mit geöffneten Armen dar und galt möglicherweise vor 5.000 Jahren als Fruchtbarkeitssymbol.

Auf den Münzen von 10 bis 50 Cent ist das „Schiff von Kyrenia“ zu sehen, das die Bedeutung Zyperns als Handels- und Seefahrernation unterstreichen soll. Das Schiff sank etwa 300 v. Chr. vor der Nordküste Zyperns, sein Wrack wurde in den 1960er Jahren in 30 Metern Tiefe entdeckt. Es enthielt neben hunderten rhodischer Amphoren auch zahlreiche Münzen die zwischen 316 und 294 v. Chr. geprägt worden waren. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass trotz der Teilung des Landes mit dieser Darstellung eine Sehenswürdigkeit Nordzyperns ausgewählt wurde. Der archäologische Fund ist heute im Museum der Burg von Kyrenia (Girne) zu besichtigen, das im türkischen Teil der Insel liegt.

Die kleinsten Centwerte schließlich widmen sich der Natur des Landes und zeigen ein Wildschaf, auch Mufflon genannt, das als besonders charakteristische Tierart Zyperns gilt, aber stark vom Aussterben bedroht ist. Die Widder tragen unverwechselbare, bis zu 80 Zentimeter lange schneckenförmig eingedrehte Hörner.

Finnland prägt für Zypern

Da auch Zypern über keine eigene Prägestätte verfügt, wurde der Auftrag für die Herstellung des Euro-Startjahrgangs 2008 europaweit ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt, wie bei Slowenien, die finnische Münzstätte Rahapaja Oy. Die ersten Münzen der Gemeinschaftswährung mit zyprischer Bildseite wurden bereits ab 3. Dezember 2007 in Form von 250.000 Starterkits zu 15,09 Euro und 40.000 Großpackungen mit 15 Münzrollen im Nennwert von 172 Euro in Umlauf gebracht. Der erste Euro-Kursmünzensatz Zyperns enthält alle Münzen von 1 Cent bis 2 Euro in Stempelglanz und hat eine Maximalauflage von 70.000 Exemplaren.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe Januar / Februar 2008.


 


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