Aktuell: September / Oktober 2007 Aktuelles Heft
 
Bedeutende historische Silbermünzen

Tetradrachme 430 v.Chr.


Penny, 13. Jhd.



Taler, 1703



Shilling, 1711



8 Reales, 1787



Trade Dollar, 1878

 

Im Laufe der weit über zwei Jahrtausende alten Münzgeschichte gab es immer wieder
bedeutende Silbermünzen, die Ländergrenzen überschreitenden Einfluss hatten. Oftmals als Handelsmünzen genutzt, verankerten sie sich mit ihrem Motiv fest im Bewusstsein der Menschen.


Ob nun die antike Tetradrachme, der mittelalterliche Penny oder der später epochemachende Taler – jede dieser Silbermünzen beeinflusste über die nationalen Grenzen ihrer ursprünglichen Herkunft hinweg und für lange Zeiten die Münzprägung in Europa und der ganzen Welt. Wie auch andere bedeutende Münztypen dienten sie häufig als Handelsmünzen sowie vielerorts als Vorbild für die eigene Münzprägung, weshalb sie sich fest im Bewusstsein der Menschen verankern konnten. Kein Wunder, dass sie sich angesichts ihres überall anerkannten und stabilen Wertes bei der Bevölkerung höchster Beliebtheit erfreuten. Auf solch langlebige Silbermünzen, die viele Generationen von Menschenleben überdauerten, war ganz einfach Verlass. Deshalb sollen einige ihrer wichtigsten Vertreter im Folgenden gewürdigt werden.

Berühmte Tetradrachmen

Gehen wir beispielsweise auf unserer Zeitreise zweieinhalb Jahrtausende zurück, so begegnet uns die wohl bedeutendste Großsilbermünze der griechischen Antike: die Tetradrachme, sprich das 4-Drachmen-Stück. Sie wurde bereits vom sechsten vorchristlichen Jahrhundert an bis weit in die römische Kaiserzeit geprägt und vor allem im Fernhandel sowie für Soldzahlungen verwendet. Die Tetradrachme wog, je nach regionalem Münzfuß, etwa 14 bis 18 Gramm. Die berühmteste Tetradrachme der klassischen Antike kam aus Athen, weshalb deren Vorderseite der behelmte Kopf von Athene ziert, die Schutzpatronin der Stadt. Markenzeichen und zugleich Namensgeber dieser Silbermünze war dagegen die auf der Rückseite abgebildete Eule, das Athener Wappentier und Motiv der heutigen griechischen 1-Euro-Münze.

Englischer Penny

Nach einem zeitlichen Sprung von rund tausend Jahren und geografisch gesehen einigen tausend Kilometern weit nach Nordwesten trifft man als Münzreisender auf den ersten englischen Penny. Die kleine Silbermünze wurde Ende des achten Jahrhunderts nach Vorbild des karolingischen Denars erstmals in England geprägt und sollte hier für lange Zeit das alleinige Münzgeld bleiben. Aufgrund seines für damalige Verhältnisse relativ hohen Wertes wurde der Silberling häufig für den Zahlungsverkehr in halbe oder viertel Stücke zerteilt. Typischer Weise trägt der angelsächsische Penny (abgeleitet vom deutschen Wort: Pfennig) ein stilisiertes Porträt des jeweiligen Königs und in der Umschrift seinen Namen, im hier gezeigten Fall Henry III. (1216-1272).

Anbruch der Taler-Ära

Mit der Zeit ließ der gestiegene Handels- und Warenfluss in Europa den Ruf nach einer größeren Silbermünze erstarken, was Ende des 15. Jahrhunderts zur Einführung des Talers führte. Der Name leitet sich von den ab etwa 1520 im böhmischen Joachimsthal geprägten und weit verbreiteten Großsilbermünzen ab. Der neue Münztyp wog anfangs runde 30 Gramm, was etwa dem Zehnfachen eines Groschen entsprach, der bis dahin größten in Deutschland geprägten Silbermünze. Deshalb wurden im alltäglichen Zahlungsverkehr in der Regel kleinere Stückelungen des Talers verwendet. Im Laufe seiner vier Jahrhunderte währenden Epoche als Hauptwährungsmünze erlebte der Taler mancherlei Wandlungen. In Deutschland beispielsweise versuchte man im 16. Jahrhundert durch sogenannte Reichsmünzordnungen zu einem einheitlichen Gewicht und Feingehalt der bis dahin nach verschiedenen Münzfüßen geprägten Taler zu kommen.

Englands Shilling zu 12 Pence

Was für das europäische Festland galt, machte auch vor der englischen Insel nicht Halt: Anfang des 16. Jahrhunderts war der Penny als Silbergeld einfach zu klein geworden, weshalb nun der Shilling zu 12 Pence als mittlere Rechnungsmünze eingeführt und letztlich bis zur Einführung der Dezimalwährung 1971 in Großbritannien geprägt wurde. Das hier gezeigte Exemplar stammt von 1711 und trägt auf der Vorderseite das Brustprofil der britischen Königin Anne, unter deren Herrschaft England und Schottland vier Jahre zuvor erst vereinigt worden waren.

Sprung in die Neue Welt: 8 Reales oder Peso

Insbesondere der große achtfache Real trat ab Kaiser Karl V. (1519-1556), der ja bekanntlich über ein Weltreich regierte, in dem „die Sonne nie untergeht“, seinen internationalen Siegeszug an. Durch die massenhaft in den spanischen Kolonien Lateinamerikas geprägten Ausgaben entwickelte sich das rund 27 Gramm schwere 8-Reales-Stück (auch „Peso“ genannt) zur Weltmünze schlechthin. Die Abbildung zeigt ein Exemplar, das unter König Carlos III. im Jahr 1787 in Mexikos Münzstätte (siehe Münzzeichen „M“ mit kleinem „o“ darüber) geprägt wurde. Die Umschrift „HISPAN ET IND REX“ bedeutet übrigens nicht, dass Carlos III. König von Spanien und Indien war. Vielmehr sind mit letzterem die (West) Indies gemeint, ein zumindest damals üblicher Ausdruck für den Karibikraum.

Trade Dollar für Ostasien

In den nördlich angrenzenden Vereinigten Staaten von Amerika, wo die Pesos unter dem Namen „Spanischer Dollar“ längst als Zahlungsmittel kursierten, wurde nach deren Vorbild schließlich Ende des 18. Jahrhunderts auch der eigene US-Dollar (namentliche Ableitung von „Taler“) eingeführt, wobei er gegenüber dem Peso einen etwas geringeren Silbergehalt hatte. Deshalb wurde speziell für den Ostasienhandel, wo bis dato das 8-Reales-Stück dominierte, von 1873 bis 1885 mit höherem Feingewicht und der sitzenden Liberty als Motiv ein konkurrenzfähiger Handelsdollar (Trade Dollar) geprägt – womit nun auch die kleine Zeitreise zu einigen der berühmtesten Silbermünzen der Geschichte endet.

Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe September / Oktober 2007.


 


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