Aktuell Mai / Juni 2007 Aktuelles Heft
 
Münzpräsentation beim EU-Gipfeltreffen in Berlin



Die deutsche Ausgabe der 2-Euro-Gedenkmünze "50 Jahre Römische Verträge".


Die 10-Euro-Silbermünze zeigt die Umrisse der sechs Gründerstaaten. Dieser Kern des Europäischen Einigungswerks strahlt auf das übrige Europa aus.

 

Außergewöhnliche Münzen verlangen eine außergewöhnliche Präsentation. Noch nie seit der Einführung des Euro wurde eine Münze auf so hochkarätiger Politikebene offiziell vorgestellt, wie die Ausgaben zum 50. Europa-Jubiläum.

Es waren die höchsten Repräsentanten der Europäischen Union, die vor versammelter Weltpresse in Berlin auf die Bühne traten: Bundeskanzlerin Angela Merkel als amtierende Präsidentin des Europäischen Rates, José Manuel Barroso, Präsident der Europäischen Kommission, und Hans-Gert Pöttering, Präsident des Europaparlaments. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück überreichte ihnen die ersten Exemplare der deutschen 2-Euro-Gedenk­münze „50 Jahre Römische Verträge“ und die themengleiche Silber-Gedenkmünze sowie eine passende Sonderbriefmarke. Dies sei eine der wenigen Gelegenheiten, wo der Bundesfinanzminister Geld verteile, scherzte Steinbrück angesichts der derzeitigen Diskussionen über den Bundeshaushalt und fügte hinzu: „Wenn sich eines Tages meine Funktion nur noch auf das Prägen von Münzen und Herausgeben von Briefmarken bezieht, dann hat diese Koalition einen großen Erfolg erzielt.“



Bundesfinanzminister Steinbrück überreichte die beiden deutschen Münzen zum Europa-Jubiläum an die Spitzen der EU: Kommissionspräsident Barroso, Ratspräsidentin Merkel und Parlamentspräsident Pöttering.


Genau ein halbes Jahrhundert zuvor waren in Rom von Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und den Niederlanden die Gründungsverträge der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) feierlich unterzeichnet worden. Dieses Ereignis gilt als die Geburtsstunde des modernen Europa und seiner Institutionen: Kommission, Ministerrat, Abgeordneten-Versammlung und Europäischer Gerichtshof. Hier nahm eine beispiellose Erfolgsstory ihren Anfang. Konrad Adenauer selbst war 1957 zur Unterzeichnung der Verträge über die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und die Europäische Atomgemeinschaft nach Rom gereist. „Es ist schwer, geschichtliche Urteile abzugeben, wenn alles noch in Bewegung ist, aber vielleicht ist dieser Zusammenschluss das wichtigste Ereignis der Nachkriegszeit“, sagte er später.

Zur Feier des historischen Tages trafen sich am 25. März 2007 die europäischen Staats- und Regierungschefs in Berlin, weil Deutschland derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat. Sie unterstrichen damit die große politische Bedeutung des Europa-Jubiläums – und läuteten eine Sternstunde der Numismatik ein: Erstmalig erscheint eine Gedenkmünze mit gemeinsamem Motiv gleichzeitig in 13 europäischen Ländern.

Allein schon die Entstehungsgeschichte des Motivs der Bildseite der neuen 2-Euro-Gedenkmünzen zeugt von guter europäischer Zusammenarbeit. Bei einem Workshop in Wien, an dem außer den Künstlern der Münze Österreich auch Vertreter der spanischen, der italienischen und der französischen Prägestätten teilgenommen hatten, entstand der siegreiche Entwurf.

Gemeinsames Motiv voller Symbolkraft


Das Motiv zeigt das aufgeschlagene Vertragswerk mit den Unterschriften der sechs Gründungsmitglieder. Im Hintergrund ist das sternenförmige Straßenpflaster der Piazza del Campidoglio in Rom abgebildet. Die 2-Euro-Gedenk­münzen unterscheiden sich freilich durch ihre Inschriften, die in der jeweiligen Landessprache ausgeführt sind. 

Das ohnehin schon beliebte Sammelgebiet der seit 2004 ausgegebenen 2-Euro-Gedenk­münzen erfährt durch die Gemeinschaftsserie nochmals einen Aufschwung. Denn bei der neuen Ausgabe „50 Jahre Römische Verträge“ wollte keiner fehlen und so sind erstmals alle Mitglieder der Eurozone vertreten. Dabei mussten verschiedene Länder allerdings zunächst einige bürokratische Hürden nehmen. So war in den Niederlanden bisher gesetzlich festgelegt, dass auf jeder offiziellen Münze das Staatsoberhaupt zu erscheinen habe. Da aber bei der neuen Gemeinschaftsserie sowohl die Wertseite als auch die Bildseite festgelegt sind, gab es keinen Platz für das übliche Porträt von Königin Beatrix. Also beschloss das Parlament eigens eine Gesetzesänderung, die es fortan erlaubt, bei großen europäischen Anlässen auch mal Münzen ohne Herrscherporträt zu prägen.

Ganz ähnlich war die Situation in Luxemburg mit dem Porträt des Großherzogs Henry. Doch statt einer Gesetzesänderung griff man hier zu innovativer Prägetechnik. Ein so genanntes Latentbild war die Lösung: Je nach Blickwinkel erscheint nun entweder das normale Motiv oder das Profil des Großherzogs von Luxemburg. So machen die Motivgleichheit, aber eben auch die kleinen aber feinen Unterschiede das Besondere der ersten gesamteuropäischen 2-Euro-Gedenkmünzen aus.

Zusätzliche Silber-Gedenkmünze

Wie einige andere Länder auch, so würdigt Deutschland das historische Europa-Jubiläum zusätzlich auch noch in Edelmetall: Die 10-Euro-Silbermünze zeigt in ihrem Zentrum die Umrisse der sechs Gründerstaaten. Dieser Kern des Europäischen Einigungswerks strahlt auf das übrige Europa aus und symbolisiert damit die Offenheit des Integrationsprozesses sowie die Bedeutung des geeinten Euro­pa in der Welt. Im Jury-Protokoll heißt es zu dem Entwurf von Carsten Mahn aus Berlin: „Diese Idee wird in hervorragender Weise bildhaft umgesetzt durch eine Vielzahl strahlenförmig angeordneter Sterne.“ Und weiter: „Die Arbeit zeichnet sich durch eine hohe künstlerische Qualität sowohl in kompositorischer wie in handwerklicher Sicht aus.“

Die Randschrift der Silbermünze könnte auch als Motto für die gesamte Jubiläumsserie stehen: „IN VIELFALT GEEINT – EUROPÄISCHE UNION“.

Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe Mai / Juni 2007.


 


Das DEUTSCHE MÜNZEN MAGAZIN im Abonnement können Sie hier bestellen.

 

 
 
 

Copyright © 1987-2007 EMS-Verlag GmbH| Alle Rechte vorbehalten|