Editorial: März / April 2007 Aktuelles Heft
 
50 Jahre Römische Verträge: Einzigartige
Gemeinschaftsserie der europäischen Münzgeschichte

Wolfgang Erzinger, Herausgeber Deutsches Münzen Magazin.

Wolfgang Erzinger, Herausgeber
Deutsches Münzen Magazin.

 

„Gemeinsam seit 1957“ lautet das Motto des großen Europa-Jubiläums im März. Vor genau einem halben Jahrhundert unterzeichneten sechs europäische Staaten in der italienischen Hauptstadt ein Abkommen, das den Grundstein für die Europäische Union legte: die „Römischen Verträge“. Das wird gefeiert. Auch numismatisch. Noch nie zuvor in der europäischen Münzgeschichte gab es eine Gemeinschaftsserie, die motivgleich in 13 Staaten erschien. Mit den neuen 2-Euro-Gedenkmünzen wird dieser Sammlertraum Wirklichkeit.

Aber ist das nicht ein bisschen langweilig: 13 Münzen, die die selbe Wertseite haben und auch noch das gleiche Bildmotiv? Nein. Sie unterscheiden sich durch die Inschriften in der jeweiligen Landessprache. Und die sind interessanter, als man auf Anhieb glauben möchte. Beispiel Belgien: Dort
werden Münzen üblicherweise zweisprachig in flämisch und wallonisch geprägt. In diesem Fall war aber der Text vorgegeben – und der Platz reichte schlicht nicht aus. Deshalb entschied man sich, den Ausgabeanlass in lateinischer Sprache abzufassen. Oder Irland: Hier hatten viele auf das allgemein verständliche englische „Treaty of Rome“ getippt. Aber die Regierung beschloss konsequenter Weise, die Inschrift in der „Hauptlandessprache“ Gälisch zu prägen und setzte damit einen selbstbewussten Akzent.

Dass die Niederlande wegen dieser Gemeinschaftsausgabe eigens ihr Münzgesetz geändert haben, zeigt einmal mehr, dass auch heute noch das Ausprägen von amtlichen Zahlungsmitteln ein hoheitlicher Akt von großer politischer Bedeutung ist. So ist die 2- Euro-Gedenkmünze „50 Jaar Verdrag van Rome“ die erste kursgültige Nachkriegsmünze in Holland, die nicht das Porträt der Königin zeigt. Die Luxemburger dagegen griffen in die Trick­kiste moderner Münzprägekunst und verpassten dem 2-Euro-Stück ein Latentbild, das je nach Betrachtungswinkel das Gemeinschaftsmotiv oder das stilisierte Porträt von Großherzog Henri zeigt. So umging man dort eine Gesetzesänderung.

Übrigens: Dass wir vor dem offiziellen Erstausgabetag am 25. März schon alle Münzen als Computerretuschen zeigen können, verdanken wir weniger der Auskunftsfreude der beteiligten Nationalbanken und Münz­ämter als dem italienischen Grafikdesigner Fabrizio Annovi, Künstlername
Frizio. Er diskutierte über Monate die Inschriften mit hunderten junger Münzensammler in ganz Europa im Internet und kam so mit seinen Entwürfen der Wahrheit immer ein Stückchen näher. Auch das ist eine Gemeinschaftsleistung, die das Europa-Jubiläumsmotto mit Leben erfüllt.

Ihr


 


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