Hintergrund: Januar / Februar 2007 Aktuelles Heft
 
Hohe Wertsteigerungen bei Reichsgoldmünzen




Hessen, 20 Mark, 1892:
Preissteigerung von 1.278 EUR auf 2.700 EUR in fünf Jahren.



Anhalt, 20 Mark, 1875:
Steigerung von 1.738 EUR auf 3.100 EUR.

 



Horst-Rüdiger Künker

 

Der explodierende Goldpreis und steigendes Interesse an Goldmünzen des Deutschen Kaiserreichs sorgen für hohe Wertsteigerungen. Viele Stücke kosten heute doppelt so viel wie noch vor fünf Jahren.

Der Numismatiker und Goldexperte Horst-Rüdiger Künker aus Osnabrück ist begeistert: „Der deutsche Münzenmarkt ist in einem absoluten Top-Zustand“, sagt er im Interview mit dem DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN (siehe unten). Nicht nur Sammler, auch viele Geldanleger setzten wieder verstärkt auf Goldmünzen. Dies kann natürlich nicht folgenlos bleiben: Die erhöhte Nachfrage sorgt teilweise für spektakuläre Wertsteigerungen.

Auktionsergebnisse seltener Reichsgoldmünzen, die in den vergangenen Jahren mehrfach bei Künker versteigert wurden, sind ein Beleg dafür. So erzielte beispielsweise ein 20-Mark-Stück mit Großherzog Ludwig IV. von Hessen aus dem Jahr 1892 (Jaeger-Katalog-Nr. 221) in der Erhaltung „vorzüglich“ (vz) im März 2001 einen Preis von umgerechnet 1.278 Euro, zwei Jahre später kam die gleiche Münze bereits für 1.700 Euro unter den Hammer. Und im Herbst 2006 kostete sie stolze 2.700 Euro. Das ist mehr als eine Verdoppelung in nur fünf Jahren!

Der langfristige Trend zeigt klar noch oben

Das 20-Mark-Goldstück mit Herzog Friedrich I. von Anhalt aus dem Jahr 1875 (J 179) in vorzüglich wechselte im Juni 2006 für 3.100 Euro den Besitzer, zwei Jahre zuvor war es noch für 2.760 Euro zu haben und im September 1999 sogar für nur 1.738 Euro. Oder die 10-Mark-Münze aus dem Jahr 1878 von Mecklenburg-Schwerin, die das Porträt von Großherzog Friedrich Franz zeigt (J 231): Im September 2000 wurde das fast Stempelglanz erhaltene Stück für 1.840 Euro versteigert, zweieinhalb Jahre später kostete es 2.900 Euro und im September 2006 erhielt ein Bieter für ein vergleichbares Stück erst bei 3.700 Euro den Zuschlag.

Der in Besterhaltung äußerst seltene Gold-Zwanziger von Mecklenburg-Strelitz mit der Jaeger-Nummer 236 (Jahrgang 1873) hat seinen Wert in 24 Monaten praktisch verdoppelt: Im September 2003 wurde er noch für 5.900 Euro versteigert, genau zwei Jahre später brachte er glatte 11.000 Euro.

Die Beispiele ließen sich beinahe beliebig fortsetzen. Und die Richtung ist eindeutig: Es geht stetig nach oben. Horst-Rüdiger Künker, den dieser langfristige Trend auch „sehr optimistisch für die Zukunft“ stimmt, bringt es auf den Punkt: „Die Leute mögen wieder Gold.“

 

Interview mit Horst-Rüdiger Künker,
Numismatiker und Goldexperte aus Osnabrück

„Die Leute mögen wieder Gold“

Deutsches Münzen Magazin: Herr Künker, der Goldpreis befindet sich seit mehreren Jahren in einem stabilen Aufwärtstrend. Kostete die Feinunze im Jahr 2001 noch 250 Dollar, so sind es heute weit über 600 Dollar. Hat diese stürmische Entwicklung auch spürbare Auswirkungen auf Goldmünzen?

Horst-Rüdiger Künker: Ganz zweifellos. Was sich derzeit abspielt, habe ich in 35 Berufsjahren nicht erlebt. Gerade die besonders renditebewussten Anleger setzen wieder auf Gold, auch auf physisches Gold. Ich kenne Anleger mit liquiden Privatvermögen von 20 oder 30 Millionen, die früher fast ausschließlich auf Aktien setzten und die heute ganz speziell auch Goldmünzen kaufen. Und sie fahren gut damit. Wenn ich mir anschaue, zu welchen Preisen wir noch vor einem oder zwei Jahren verkauft haben, weiß ich: Das hat sich für unsere Kunden wirklich gelohnt. 40 Prozent Wertzuwachs in so kurzer Zeit ist schwer zu überbieten.

DMM: Betrifft das nur moderne Anlagemünzen, wie etwa den Krügerrand, oder auch historische Münzen?

Künker: Wenn die Leute auch nur ein bisschen historisch interessiert sind, kaufen sie lieber schön erhaltene Dukaten, 5- und 10-Taler-Stücke oder Kaiserreich-Gold. Da kommt zur reinen Geldanlage auch noch die Freude an den schönen Münzen hinzu und die Möglichkeit, von einem steigenden Sammlerwert zu profitieren.

DMM: Ist es ausschließlich der gestiegene Edelmetallpreis, der diesen Boom ausgelöst hat?

Künker: Die Leute mögen wieder Gold. Das ist ganz wichtig. Und das zieht alles andere mit. Die hohe Nachfrage nach 5-Mark-Münzen des Kaiserreichs, die ja nur ganz wenig reines Gold enthalten, hat natürlich nichts mit dem aktuellen Goldpreis zu tun. Das sind reine Sammlerstücke, deren Liebhaberwert weit über dem Materialwert liegt. Aber auch hier verzeichnen wir Steigerungen von 30 Prozent und mehr in nur einem Jahr.

DMM: Solche Münzen sind ziemlich rar. Haben Sie mittlerweile Beschaffungsprobleme?

Künker: Allerdings. Man muss sich schon seit längerem sehr beweglich zeigen und beste Verbindungen zu Sammlern und Händlern im In- und Ausland pflegen, um an qualitativ hochwertige Ware zu kommen. Vor einigen Jahren gab es noch Auktionen, da konnten Sie ein Lot mit 200 20-Mark-Goldmünzen des Bayernkönigs Ludwig II. ersteigern. Heute müssen Sie froh sein, wenn irgendwo mal fünf oder zehn Stück angeboten werden.

DMM: Was würden Sie sagen: Befindet sich der Münzenmarkt derzeit in einem robusten Zustand?

Künker: Das ist sehr zurückhaltend formuliert. Ich würde sagen: Der deutsche Münzenmarkt ist in einem absoluten Top-Zustand. Wir haben in unserer letzten Herbstauktion in nur vier Tagen für sechs Millionen Euro Münzen verkauft. Das zeigt, welche gewaltige Kaufkraft bei den Münzensammlern vorhanden ist. Mehr und mehr beobachten wir aber auch Kunden aus dem osteuropäischen Raum, aus Polen und Russland, die bei uns einkaufen. Offenbar sind die Preise bei uns im internationalen Maßstab immer noch günstig, sonst würden diese historisch sehr interessierten Sammler hier nicht so hohe Summen investieren.

DMM: Ist ein Ende des Aufwärtstrends bei Münzen und Gold in Sicht?

Künker: Seriöse Marktbeobachter gehen davon aus, dass das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist. Und auch ich persönlich sehe keine Anzeichen für ein Ende dieser Entwicklung. Wir hatten im Spätsommer eine kleine Delle im Goldpreis, die aber mittlerweile schon wieder überwunden ist. Es kann nicht immer nur nach oben gehen. Aber der langfristige Trend stimmt mich sehr optimistisch für die Zukunft.

Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe Januar/Februar 2007.


 


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