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Hessen, 20 Mark, 1892:
Preissteigerung von 1.278 EUR auf 2.700 EUR in fünf Jahren.

Anhalt, 20 Mark, 1875:
Steigerung von 1.738 EUR auf 3.100 EUR.

Horst-Rüdiger Künker
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Der explodierende Goldpreis und steigendes Interesse
an Goldmünzen des Deutschen Kaiserreichs sorgen für
hohe Wertsteigerungen. Viele Stücke kosten heute doppelt
so viel wie noch vor fünf Jahren.
Der Numismatiker und Goldexperte Horst-Rüdiger Künker
aus Osnabrück ist begeistert: Der deutsche Münzenmarkt
ist in einem absoluten Top-Zustand, sagt er im Interview
mit dem DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN (siehe unten). Nicht
nur Sammler, auch viele Geldanleger setzten wieder verstärkt
auf Goldmünzen. Dies kann natürlich nicht folgenlos
bleiben: Die erhöhte Nachfrage sorgt teilweise für
spektakuläre Wertsteigerungen.
Auktionsergebnisse seltener Reichsgoldmünzen, die in
den vergangenen Jahren mehrfach bei Künker versteigert
wurden, sind ein Beleg dafür. So erzielte beispielsweise
ein 20-Mark-Stück mit Großherzog Ludwig IV. von
Hessen aus dem Jahr 1892 (Jaeger-Katalog-Nr. 221) in der Erhaltung
vorzüglich (vz) im März 2001 einen Preis
von umgerechnet 1.278 Euro, zwei Jahre später kam die
gleiche Münze bereits für 1.700 Euro unter den Hammer.
Und im Herbst 2006 kostete sie stolze 2.700 Euro. Das ist
mehr als eine Verdoppelung in nur fünf Jahren!
Der langfristige Trend zeigt klar noch oben
Das 20-Mark-Goldstück mit Herzog Friedrich I. von Anhalt
aus dem Jahr 1875 (J 179) in vorzüglich wechselte im
Juni 2006 für 3.100 Euro den Besitzer, zwei Jahre zuvor
war es noch für 2.760 Euro zu haben und im September
1999 sogar für nur 1.738 Euro. Oder die 10-Mark-Münze
aus dem Jahr 1878 von Mecklenburg-Schwerin, die das Porträt
von Großherzog Friedrich Franz zeigt (J 231): Im September
2000 wurde das fast Stempelglanz erhaltene Stück für
1.840 Euro versteigert, zweieinhalb Jahre später kostete
es 2.900 Euro und im September 2006 erhielt ein Bieter für
ein vergleichbares Stück erst bei 3.700 Euro den Zuschlag.
Der in Besterhaltung äußerst seltene Gold-Zwanziger
von Mecklenburg-Strelitz mit der Jaeger-Nummer 236 (Jahrgang
1873) hat seinen Wert in 24 Monaten praktisch verdoppelt:
Im September 2003 wurde er noch für 5.900 Euro versteigert,
genau zwei Jahre später brachte er glatte 11.000 Euro.
Die Beispiele ließen sich beinahe beliebig fortsetzen.
Und die Richtung ist eindeutig: Es geht stetig nach oben.
Horst-Rüdiger Künker, den dieser langfristige Trend
auch sehr optimistisch für die Zukunft stimmt,
bringt es auf den Punkt: Die Leute mögen wieder
Gold.
Interview mit Horst-Rüdiger
Künker,
Numismatiker und Goldexperte aus Osnabrück
Die Leute mögen
wieder Gold
Deutsches Münzen Magazin: Herr Künker, der
Goldpreis befindet sich seit mehreren Jahren in einem stabilen
Aufwärtstrend. Kostete die Feinunze im Jahr 2001 noch
250 Dollar, so sind es heute weit über 600 Dollar. Hat
diese stürmische Entwicklung auch spürbare Auswirkungen
auf Goldmünzen?
Horst-Rüdiger Künker: Ganz zweifellos. Was
sich derzeit abspielt, habe ich in 35 Berufsjahren nicht erlebt.
Gerade die besonders renditebewussten Anleger setzen wieder
auf Gold, auch auf physisches Gold. Ich kenne Anleger mit
liquiden Privatvermögen von 20 oder 30 Millionen, die
früher fast ausschließlich auf Aktien setzten und
die heute ganz speziell auch Goldmünzen kaufen. Und sie
fahren gut damit. Wenn ich mir anschaue, zu welchen Preisen
wir noch vor einem oder zwei Jahren verkauft haben, weiß
ich: Das hat sich für unsere Kunden wirklich gelohnt.
40 Prozent Wertzuwachs in so kurzer Zeit ist schwer zu überbieten.
DMM: Betrifft das nur moderne Anlagemünzen, wie
etwa den Krügerrand, oder auch historische Münzen?
Künker: Wenn die Leute auch nur ein bisschen historisch
interessiert sind, kaufen sie lieber schön erhaltene
Dukaten, 5- und 10-Taler-Stücke oder Kaiserreich-Gold.
Da kommt zur reinen Geldanlage auch noch die Freude an den
schönen Münzen hinzu und die Möglichkeit, von
einem steigenden Sammlerwert zu profitieren.
DMM: Ist es ausschließlich der gestiegene Edelmetallpreis,
der diesen Boom ausgelöst hat?
Künker: Die Leute mögen wieder Gold. Das
ist ganz wichtig. Und das zieht alles andere mit. Die hohe
Nachfrage nach 5-Mark-Münzen des Kaiserreichs, die ja
nur ganz wenig reines Gold enthalten, hat natürlich nichts
mit dem aktuellen Goldpreis zu tun. Das sind reine Sammlerstücke,
deren Liebhaberwert weit über dem Materialwert liegt.
Aber auch hier verzeichnen wir Steigerungen von 30 Prozent
und mehr in nur einem Jahr.
DMM: Solche Münzen sind ziemlich rar. Haben Sie
mittlerweile Beschaffungsprobleme?
Künker: Allerdings. Man muss sich schon seit längerem
sehr beweglich zeigen und beste Verbindungen zu Sammlern und
Händlern im In- und Ausland pflegen, um an qualitativ
hochwertige Ware zu kommen. Vor einigen Jahren gab es noch
Auktionen, da konnten Sie ein Lot mit 200 20-Mark-Goldmünzen
des Bayernkönigs Ludwig II. ersteigern. Heute müssen
Sie froh sein, wenn irgendwo mal fünf oder zehn Stück
angeboten werden.
DMM: Was würden Sie sagen: Befindet sich der
Münzenmarkt derzeit in einem robusten Zustand?
Künker: Das ist sehr zurückhaltend formuliert.
Ich würde sagen: Der deutsche Münzenmarkt ist in
einem absoluten Top-Zustand. Wir haben in unserer letzten
Herbstauktion in nur vier Tagen für sechs Millionen Euro
Münzen verkauft. Das zeigt, welche gewaltige Kaufkraft
bei den Münzensammlern vorhanden ist. Mehr und mehr beobachten
wir aber auch Kunden aus dem osteuropäischen Raum, aus
Polen und Russland, die bei uns einkaufen. Offenbar sind die
Preise bei uns im internationalen Maßstab immer noch
günstig, sonst würden diese historisch sehr interessierten
Sammler hier nicht so hohe Summen investieren.
DMM: Ist ein Ende des Aufwärtstrends bei Münzen
und Gold in Sicht?
Künker: Seriöse Marktbeobachter gehen davon
aus, dass das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht
ist. Und auch ich persönlich sehe keine Anzeichen für
ein Ende dieser Entwicklung. Wir hatten im Spätsommer
eine kleine Delle im Goldpreis, die aber mittlerweile schon
wieder überwunden ist. Es kann nicht immer nur nach oben
gehen. Aber der langfristige Trend stimmt mich sehr optimistisch
für die Zukunft.
Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN
MAGAZIN, Ausgabe Januar/Februar 2007.
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