Themen: November / Dezember 2006 Aktuelles Heft
 
Zwei Gedenkmünzen – ein Thema: "50 Jahre Römische Verträge"




Die 10-Euro-Silbermünze symbolisiert die "Keimzelle" des Einigungswerks von 1957, die auf das übrige Europa ausstrahlt.




Deutsche 2-Euro-Gedenkmünze der Gemeinschaftsserie "50 Jahre Römische Verträge" nach einer Retusche von Frizio (Italien).

 

Gleich zwei Gedenkmünzen gibt Deutschland 2007 zum Thema „50 Jahre Römische Verträge“ heraus: Die lange geplante 10-Euro-Silbermünze und eine 2-Euro-Gedenkmünze im Rahmen der europäischen Gemeinschaftsserie.


Gibt es denn so wenige Ausgabeanlässe, dass Deutschland zu ein und demselben Thema gleich zwei Gedenkmünzen macht? Die Erklärung ist einfach: Die deutsche 10-Euro-Gedenkmünze „50 Jahre Römische Verträge“ war schon lange geplant und beschlossen, als sich die Finanzminister auf EU-Ebene im Sommer 2006 auf die spektakuläre 2-Euro-Serie mit gemeinsamem Motiv einigten. Da durfte Deutschland als Gründungsmitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (eben diese wurde mit den Verträgen von Rom 1957 besiegelt) natürlich nicht fehlen. Und wir befinden uns in guter Gesellschaft: Auch die anderen Gründungsstaaten Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande geben neben der 2-Euro-Gedenkmünze zusätzlich eine Edelmetallmünze heraus.

Der Anlass ist dieser breiten numismatischen Ehrung durchaus würdig, handelt es sich doch um einen der wichtigsten Marksteine auf dem Weg zur Europäischen Union. Es wurde am 25. März 1957 eine Zollunion und ein gemeinsamer Binnenmarkt beschlossen, der ökonomische Schranken beseitigte. Gleichzeitig gaben die Staaten einen Teil ihrer Souveränität auf und unterwarfen sich einem europäischen Rechtssystem, das Vorrang vor dem nationalen Recht hat. Durch den engen Zusammenschluss wurde nachweisbar Wohlstand geschaffen, wovon insbesondere auch die Bundesrepublik als Exportland profitierte. Außerdem wurde damit der Frieden gesichert, denn es war unwahrscheinlicher geworden, dass die Mitgliedsstaaten sich gegenseitig schaden oder gar angreifen wollten.

Silbermünzen-Motiv von Carsten Mahn

Für den Designer der Münze galt es also, diese „Keimzelle“ der heutigen Europäischen Union zu symbolisieren. Nach einstimmiger Ansicht des Preisgerichts unter der Leitung des Stuttgarter Künstlers Prof. Ulrich Böhme gelang dies am besten dem Nachwuchstalent Carsten Mahn aus Berlin, Schüler des Erfolgs-Münzdesigners Heinz Hoyer an der Kunsthochschule Weißensee.

Die Bildseite zeigt in ihrem Zentrum die Umrisse der sechs Gründerstaaten. Dieser Kern des Europäischen Einigungswerks strahlt auf das übrige Europa aus und symbolisiert damit die Offenheit des Integrationsprozesses sowie die Bedeutung des geeinten Europa in der Welt. Im Jury-Protokoll heißt es dazu: „Diese Idee wird in hervorragender Weise bildhaft umgesetzt durch eine Vielzahl strahlenförmig angeordneter Sterne.“ Die Randschrift lautet: „IN VIELFALT GEEINT – EUROPÄISCHE UNION“.

2-Euro-Gedenkmünze „Römische Verträge“

Weit weniger abstrakt kommt das Motiv der neuen 2-Euro-Gedenkmünze daher, das in einer gemeinschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der spanischen, italienischen und österreichischen Münzstätte entstanden ist. Die Münze, die mit entsprechenden Umschriften in nationaler Sprache in allen 13 Euroländern am 25. März erscheinen wird, zeigt das als Buch gebundene Vertragswerk mit den Unterschriften der sechs Gründungsmitglieder vor dem Hintergrund des von Michelangelo gestalteten sternförmigen Straßenpflasters auf der Piazza del Campidoglio in Rom.

Unser Bericht über die spektakuläre Gemeinschaftsserie im letzten DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN wurde mittlerweile vom Bundesministerium der Finanzen bestätigt. Unklar war zunächst noch, ob wirklich alle 13 Staaten (Monaco, San Marino und der Vatikan sind keine Vollmitglieder) tatsächlich an der Serie teilnehmen würden.

In Deutschland bestand eine Hürde unter anderem darin, dass bereits eine 2-Euro-Gedenkmünze für 2007 (Bundesländer-Serie: Schwerin) beschlossen war. Da es aber eigentlich nur eine 2-Euro-Gedenkmünze pro Jahr und Land geben sollte, mussten zunächst einige Verordnungen und Gesetze geändert werden, die eine Ausnahme zulassen, denn auf die Bundesländer-Münze wollte Deutschland keinesfalls verzichten. Diese Hürde wurde aus dem Weg geräumt, der Weg für eine Beteiligung Deutschlands war frei.

Die normale 2-Euro-Kursmünze mit dem Bundesadler wird mit der Jahreszahl 2007 nicht geprägt – weder für den Umlauf noch für die Kursmünzensätze. Auch das wurde mittlerweile bestätigt. Die „50 Jahre Römische Verträge“-Münze nimmt ihren Platz in den 2007er Jahressätzen ein.

Ab Jahrgang 2007 mit neuer Wertseite

Beschlossen ist inzwischen auch, dass auf alle deutschen Kursmünzen (ab 10 Cent) und den 2-Euro-Gedenkmünzen ab 2007 die neue Wertseite mit der erweiterten Europakarte geprägt wird. Während bei den derzeit umlaufenden Kursmünzen nur die alten EU-Mitgliedsländer erhaben dargestellt sind, zeigt die neue Rückseite eine komplette geografische Europakarte ohne Ländergrenzen. Die Münzen mit der aktuellen Wertseite bleiben aber weiterhin gültig, wobei die Stückelungen von 1 bis 5 Cent von der Änderung ohnehin nicht betroffen sind.

Eine Änderung der nationalen Seiten, auf denen künftig das Ausgabeland oder eine entsprechende Abkürzung stehen muss, wird es in Deutschland nicht vor 2008 geben.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe November / Dezember 2006.


 


Das DEUTSCHE MÜNZEN MAGAZIN im Abonnement können Sie hier bestellen.

 

 
 
 

Copyright © 1987-2006 EMS-Verlag GmbH| Alle Rechte vorbehalten|