Editorial November / Dezember 2006 Aktuelles Heft
 
Sloweniens Kursmünzen mit hoher Symbolkraft

Wolfgang Erzinger, Herausgeber Deutsches Münzen Magazin.

Wolfgang Erzinger, Herausgeber
Deutsches Münzen Magazin.

 

„Willkommen in Euroland, Slowenien“ lautet unsere Schlagzeile auf dem Titel dieser Ausgabe. Das Musterland zwischen Alpen und Adria hat es als erstes der zehn neuen EU-Mitglieder geschafft, mit Bravour alle Hürden auf dem Weg zur Gemeinschaftswährung zu nehmen. Mit der Inflationsrate zum Beispiel blieben die Slowenen locker unter der geforderten 3-Prozent-Grenze des Maastrichter Stabilitätspakts und auch die weiteren ökonomischen Kennzahlen deuten auf eine durchaus gesunde Volkswirtschaft hin. Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion kann Slowenien also ganz ehrlich „willkommen“ heißen. Eine echte Bereicherung der Gemeinschaft.

Eine Bereicherung auch für die Münzensammler. Denn die acht neuen Motive gehören zu den gelungensten Euro- und Cent-Münzen überhaupt. Das 2-Millionen-Volk präsentiert sich in Europa selbstbewusst mit acht unterschiedlichen Darstellungen, die durchaus als „Visitenkarten der Nation“ herhalten können. Die Motive sind nicht nur formal gelungen, sondern erzählen – jedes für sich – eine Geschichte. Man muss nur genau hinschauen.

Das 1-Euro-Stück etwa ist Primoz Trubar gewidmet, dem Autor des ersten in slowenischer Sprache gedruckten Textes. Das Zitat daraus „STATI INU OBSTATI“ wurde liebevoll in einer alten Typografie gestaltet, um an die Anfangszeiten des Buchdrucks in Slowenien zu erinnern. Oder das Sternbild über dem Berg Triglav auf der 50-Cent-Münze: Kein Zufall, dass es sich um das Tierkreiszeichen des Krebses handelt, denn darunter erlangte Slowenien vor 15 Jahren seine Unabhängigkeit. Versteckte Symbole finden sich auch im Motiv der 5-Cent-Münze. Nicht von ungefähr bestehen die „Samen“, die der Sähmann ausstreut, aus 13 Sternen, die, zusammen mit den 12 Europasternen in der Umschrift, insgesamt 25 ergeben – genau die Zahl von EU-Mitgliedern im Jahr der Euro-Einführung in Slowenien.

Man sieht, hier hat sich jemand wirklich Gedanken gemacht. Die Gestaltung der slowenischen Münzmotive wurde sehr ernst genommen. So ernst, dass man sogar bereit war, sich mit den österreichischen Nachbarn anzulegen, die den „Fürstenstein“ auf der 2-Cent-Münze als Kärntner Wahrzeichen für sich reklamieren. Wochenlang beschäftigte der Zank Politik und Medien.

Ein kleines Geldstück als Gegenstand öffentlicher Diskussionen. Es zeigt einmal mehr, dass echte Münzen auch für Normalbürger mehr sind als nur „Chips“ für die Parkuhr. Es sind geprägte Zeitzeugen der Geschichte, die es sich genau zu betrachten und zu sammeln lohnt.

Ihr


 


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