Aktuell: November / Dezember 2006 Aktuelles Heft
 
Die EUROPA-Serie 2006 ist komplett





MALTA



SLOWAKEI




TSCHECHIEN

 



Dietmar Spranz,
Generaldirektor der Münze Österreich AG.

 

Nun ist es soweit: Die lange angekündigten EUROPA-Erstausgaben der Nicht-Euro-Staaten Malta, Slowakei und Tschechien sind erschienen. Sie komplettieren den 2006er Jahrgang der transnationalen Münzenserie mit dem Stern. Das Thema für 2007 steht auch schon fest: "Politische Errungenschaften in Europa".


Über die innerhalb der EUROPA-Serie 2006 zu würdigenden „Bedeutenden Europäer“ von Malta, Slowakei und Tschechien haben wir schon mehrfach im Deutschen Münzen Magazin berichtet. Nun liegen auch die offiziellen Abbildungen der EUROPA-Erstausgaben dieser Staaten vor. Zusammen mit Ungarn sind es die ersten Nicht-Euro-Länder, die an der länderübergreifenden Serie mit dem charakteristischen Stern-Münzzeichen teilnehmen.

MALTA: Sir Temi Zammit

Zunächst erschien die Silbermünze des neuen EU-Mitglieds Malta, die dem Archäologen, Historiker und Mediziner Sir Temistokle „Temi“ Zammit gewidmet ist. Sie wurde nach einem Entwurf des maltesischen Künstlers Noel Galea Bason in der Königlich Niederländischen Münzstätte geprägt. Als Motiv zeigt sie ein Bildnis von Zammit, der 1864 in Maltas Hauptstadt Valletta zur Welt kam. Nach seinem Studium führten ihn bakteriologische Forschungen nach London und Paris. Er trug maßgeblich zur Bekämpfung des Wellenfiebers bei und wurde Rektor der Universität von Malta. Später widmete er sich archäologischen Ausgrabungen und wurde schließlich 1930 vom britischen König George V. in den Ritterstand erhoben. Fünf Jahre später starb Sir Temi Zammit am 2. November 1935.

SLOWAKEI: Karol Kuzmány

Im September 2006 gaben dann auch die Slowakei und Tschechien ihre ersten EUROPA-Gedenkmünzen heraus. Die Silberausgabe mit 200 Slowakischen Kronen Nennwert zeigt ein angeschnittenes Porträt von Karol Kuzmány, das wie in eine Steinplatte gehauen zusammen mit seinem Namen und den Lebensdaten 1806-1866 aus dem Münzbild hervortritt. Darüber ist eine handschriftliche Signatur des vor genau 200 Jahren, am 16. November 1806, geborenen Schriftstellers und evangelischen Theologen abgebildet. Die Wertseite ziert ein geöffnetes Buch mit einem Lindenblatt und den Initialen der Münzdesignerin Maria Poldaufova.

TSCHECHIEN: Jaroslav Jezek

In einem völlig anderen, abstrahierend modernen Stil ist dagegen die Silbermünze zu 100 Tschechischen Kronen gestaltet, die den Komponisten und Jazzpionier Jaroslav Jezek (1906-1942) würdigt. Bei der Collagehaften Darstellung hat sich der Münzdesigner Josef Oplistil von Kunststilen der 1920er und 1930er Jahre leiten lassen. Auf der Vorderseite ist ein stilisiertes Profil des 100 Jahre zuvor geborenen Musikers vor unbeschriebenem Papier und Notenblatt nach Vorlage einer Neujahrs-Grußkarte von 1939 zu sehen. Darunter sind die Initialen „OJ“ des Münzdesigners aufgeprägt. Die Wertseite zeigt weitere Karikaturen des zeitgenössischen Malers und Illustrators Adolf Hoffmeister, sowie einen Notenausschnitt aus Jezeks Komposition „Bugatti Step“ und darunter das stilisierte Detail eines Bugatti-Wagens.

Ausblick 2007

Mittlerweile ist auch schon das EUROPA-Thema des nächsten Jahres bekannt. Gegenüber dem Deutschen Münzen Magazin bestätigte Österreichs Münzdirektor Dietmar Spranz, der sich sehr für das EUROPA-Programm engagiert, dass mit dem englischen Ausdruck „European Achievements“ europäische Errungenschaften politischer Art gemeint sind, beispielsweise „50 Jahre Römische Verträge“.

 


Fragen an Dietmar Spranz,
Generaldirektor der Münze Österreich AG

Deutsches Münzen Magazin: Die Gemeinschaftsserie mit dem EUROPA-Prägezeichen nimmt immer mehr Fahrt auf. Mittlerweile machen mehr als ein Dutzend Länder mit. Wie geht es 2007 weiter?

Spranz: Das gemeinsame Thema lautet 2007 „European Achievements“, womit europäische Errungenschaften politischer Art gemeint sind.

DMM: Warum lautet das Thema im großen Jubiläumsjahr nicht einfach „50 Jahre Römische Verträge“?

Spranz: Erstens gibt es zu diesem Thema ja schon die 2-Euro-Gedenkmünzen-Serie. Und zweitens wollten einige Länder, die nicht zu den Gründerstaaten gehören, dies nicht zum Thema einer nationalen Edelmetall-Gedenkmünze machen. Das Ereignis wäre mancherorts der einheimischen Sammlerschaft schwer zu vermitteln gewesen. Deshalb haben wir uns auf „European Achivements“ geeinigt. Das ist weiter gefasst. Da kann jedes Land, das möchte, die „Römischen Verträge“ würdigen, andere wiederum können nationale Errungenschaften von europäischer Bedeutung kommemorieren.

DMM: Steht heute schon fest, welche wichtigen politischen Errungenschaften 2007 in der EUROPA-Serie zu Münzehren kommen werden?

Spranz: Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande haben sich bereits auf das Jubiläum „50 Jahre Römische Verträge“ festgelegt. Österreich würdigt den 100. Jahrestag der Parlamentarischen Wahlrechtsreform von 1907. Diese Reform war nicht nur für den Parlamentarismus in der österreich-ungarischen Monarchie ein Meilenstein, sondern auch Vorbild für die spätere Ausgestaltung des Wahlrechts in vielen anderen europäischen Ländern. Weitere Themen werden noch festgelegt. Wir sind aber optimistisch, dass alle Länder, die 2006 an dem Gemeinschaftsprogramm teilgenommen haben, auch 2007 wieder dabei sein werden.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe November / Dezember 2006.


 


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