Aktuell: Januar / Februar 2006 Aktuelles Heft
 
Ungarn als erstes neues EU-Land in der Europa-Serie

Die erste Münze im Europa-Gemeinschafts-Programm, die nicht auf Euro lautet, kommt 2006 aus Ungarn.

 



 





 

Das Europa-Münzenprogramm
wartet 2006 mit großen Überraschungen
auf. Nicht nur dass – wie zuletzt
berichtet – mittlerweile zehn Euro-Länder
daran teilnehmen, nun sind auch die
ersten „EU-Neulinge“ mit von der Partie.

Erst in unserem letzten Heft vermeldeten wir die große Überraschung innerhalb der Europa-Münzenserie, dass im Jahr 2006 auch Irland und Luxemburg daran teilnehmen werden. Damit sind außer Deutschland (wenigstens bislang immer mit einer thematisch passenden Gedenkmünze „inoffiziell“ dabei) und Griechenland alle Euro-Teilnehmerstaaten auch in der Europa-Münzenfamilie vereint.

Mittlerweile haben sich die europäischen Münzdirektoren erneut zusammengesetzt und beraten, mit dem Resultat, dass nun eine weitere Sensation aus dem Hause Europa zu verkünden ist: Mit Ungarn nimmt 2006 das erste Nicht-Euro-Land an der Europa-Münzenserie mit dem charakteristischen „Europa-Stern“ teil. Und: Weitere EU-Neulinge, voraussichtlich zumindest Tschechien, könnten noch in diesem Jahr folgen.

Ungarn als erstes Nicht-Euro-Land mit dabei

Von der 2006er Europa-Gedenkmünze Ungarns, die voraussichtlich im März erscheinen wird, liegen bereits erste Abbildungen vor. Sie würdigt als „Großen Europäer“ (diesjähriges Europa-Thema) den weltberühmten ungarischen Komponisten Béla Bartók, dessen Geburtstag sich am 25. März zum 125. Mal jährt. Der Entwurf stammt vom Bildhauer Geörgy Kiss und zeigt ein Porträt Bartóks mit seinen Lebensdaten: 1881-1945. Am linken Münzrand ist der für das Europa-Programm obligatorische Europa-Stern zu sehen. Auf der Wertseite ist eine folkloristische Holzschnitzerei abgebildet – Symbol für Bartóks Sammlung sowie musikalische Verarbeitung der verschiedenen Volksmusiken Ungarns und des Balkans.

Siehe dazu auch unser Editorial.

 

Interview mit Katalin Barátossy, Geschäftsführende Direktorin der Ungarischen Nationalbank


Deutsches Münzen Magazin: Ungarn wird im März 2006 als erstes Nicht-Euro-Land am erfolgreichen Europa-Gedenkmünzen-Programm mit dem „Europa-Stern“ als gemeinsamem Münzzeichen teilnehmen. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Katalin Barátossy: Die Notenbank beteiligte sich auch schon früher mehrmals an verschiedenen internationalen Programmen zur Ausgabe von Gedenkmünzen, wie an den olympischen Emissionen, an den Serien „Gefährdete Tierwelt” und „Schütze die Natur!” vom WWF, oder an der UNICEF-Kollektion „Für die Kinder der Welt”. Mit dem Beitritt zum Gedenkmünzenprogramm „Europa-Stern” möchten wir einerseits die ungarische Musik und Kultur populär machen. Andererseits denken wir, dass die Beteiligung an einem erfolgreichen internationalen Programm eine gute Gelegenheit bietet, den weltweiten Bekanntheitsgrad der ungarischen Münzprägung zu erhöhen.

Passend zum Jahresthema 2006 „Große Europäer“ haben Sie den weltberühmten ungarischen Komponisten Béla Bartók gewählt, der vor genau 125 Jahren geboren wurde. Wird es diese Münze ausschließlich in Silber mit 5.000 Forint Nennwert geben oder sind auch motivgleiche Goldmünzen geplant?

Zum 80. Geburtstag Béla Bartóks hat Ungarn bereits 1961 goldene Gedenkmünzen in drei Nominalwerten geprägt. Die 2006 erscheinende, neue Münze wird dagegen ausschließlich aus Silber, in der seit beinahe anderthalb Jahrzehnten in Ungarn üblichen Standard-Spezifikation hergestellt: 925 Tausendstel Feinheit, 31,46 Gramm, 38,61 Millimeter Durchmesser. Eine Besonderheit der neuen Münze ist, dass Béla Bartóks Name als Randbeschriftung auf ihr erscheint. Der als Grundlage dienende, siegreiche Gipsentwurf wurde vom Bildhauer György Kiss gestaltet. Auf der Wertseite sieht man ein folkloristisches Holzschnitz-Motiv, das auf Béla Bartóks Forschung auf dem Gebiet der Volksmusik hinweist, während man auf der Bildseite das wohlbekannte Porträt und die Unterschrift des Komponisten findet.

Mit der Teilnahme am Europa-Programm geben Sie auch politisch das Signal: Ja, wir fühlen uns der Euro-Zone eng verbunden und möchten möglichst bald auch in Ungarn den Euro als gesetzliches Zahlungsmittel einführen. Können Sie bereits Aussagen über den Zeitpunkt machen?

Ungarn ging mit dem Beitritt zur Europäischen Union am 1. Mai 2004 die Verpflichtung ein, den Euro einzuführen und ein wirtschaftspolitisches Programm als Grundlage für die Einführung der gemeinsamen Währung zu erarbeiten bzw. umzusetzen. Die ungarische Regierung bestimmte den 1. Januar 2010 als Zieldatum der Euro-Einführung.

Ungarn kann auf eine über tausendjährige Münzgeschichte zurückblicken. Gibt es für die Euro-Einführung in Ungarn historische Parallelen?

In der ungarischen Geschichte kam es schon mehrmals vor, dass unser Land zu einer größeren Währungsunion gehörte. Um nur die drei bedeutendsten Fälle zu erwähnen: Unser König Stephan der Heilige (1000-1038) ließ zum Beispiel seine Silbermünzen nach dem Muster der den karolingischen Traditionen folgenden, bayerischen Münzen prägen, Karl Anjou (1308-1342) begann mit der Ausgabe ungarischer Goldmünzen nach dem Beispiel des Florentiner Guldens (fiorino d’oro), der als die führende internationale Währung der damaligen Epoche galt, und schließlich trat Mitte des 18. Jahrhunderts auch Ungarn dem Finanzabkommen zwischen Bayern und Österreich, der so genannten „Konvention”, bei.

Blieb dabei stets Ungarns Eigenheit gewahrt?

Ungarn ist ein kleines Land, das in seiner Geschichte bereits mehrmals das Mitglied von größeren politisch-wirtschaftlich-finanziellen Einheiten und Organisationen war, aber selbstverständlich unter Beibehaltung seiner nationalen Merkmale. Es ist uns immer gelungen, die schönsten Traditionen unserer tausendjährigen Münzprägung zu bewahren, wodurch wir auch das Währungssystem der jeweiligen monetären Einheit bereicherten.

Um noch einmal auf die Europa-Kollektion zurückzukommen: Dürfen die Sammler damit rechnen, dass Ungarn ab 2006 regelmäßig jedes Jahr mit einer neuen Gedenkmünze dabei sein wird?

Bei der Themenwahl der jährlich erscheinenden Gedenkmünzen hat die Ungarische Nationalbank den primären Gesichtspunkt, geistigen Werten, Personen und Ereignissen ein Denkmal zu setzen, auf die das Land gerechtfertigt stolz sein kann. Sollten wir im Jahr 2007 ein Thema finden, das zur Europa-Sammlung passt, wird die Notenbank die Teilnahme am gemeinsamen Münzenprogramm wahrscheinlich fortsetzen.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe Januar / Februar 2006.


 


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