Aktuell: Januar / Februar 2006 Aktuelles Heft
 
Das ist die neue Euro-Wertseite

1 Die Gestaltung mit Wertziffer, Währungsangabe und Europasternen bleibt unverändert.

2 Die geografische Landkarte Europas endet nun nicht mehr an den EU-Grenzen.

3 Da die Türkei geografisch nicht zu Europa gehört,
fehlt sie auf dem Münzbild.




 

 

 

Die Erweiterung der Europäischen Union spiegelt sich künftig auch auf den Euro- und Cent-Kursmünzen wieder. Eine geografische Landkarte des Kontinents auf der Wertseite der Geldstücke soll der gewachsenen EU Rechnung tragen .

Auf den ersten Blick sieht die neue gemeinsame Wertseite der Euro- und Cent-Kursmünzen vertraut aus. Auf den beiden Bimetallstücken zu 1- und 2-Euro finden sich unverändert die gewohnte Wertziffer, das Wort Euro und die zwölf Europasterne, die auf senkrechten Linien im rechten Teil des Münzbilds stehen. Geändert dagegen hat sich die Landkarte Europas.

Während bei den derzeit umlaufenden Kursmünzen nur die EU-Mitgliedsländer erhaben dargestellt sind, so zeigt die neue Wertseite eine komplette Europakarte ohne Ländergrenzen. Die Schweiz ist jetzt ebenso dabei wie Norwegen, die Staaten des früheren Jugoslawiens oder Teile Russlands. Was auffällt ist, dass die Türkei säuberlich ausgespart ist. Angesichts der Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen mit diesem Land erst vor wenigen Monaten ist das zunächst verwunderlich.

Allerdings war die Vorgabe an den belgischen Designer Luc Luycx, der auch die „alte“ Wertseite der Euros gestaltet hatte, eine geografische Landkarte Europas auf die Münzen zu zirkeln. Und rein geografisch liegt die Türkei nun einmal nur zu drei Prozent ihres Staatsgebiets in Europa. Der übergroße Rest gehört schon zu Asien. Die Grenze zwischen Abend- und Morgenland verläuft bekanntlich entlang der Meerenge des Bosporus bei Istanbul.
Die Europakarte auf der neuen gemeinsamen Euro-Rückseite hat also nichts mehr mit den politischen Grenzen der Europäischen Union zu tun, sondern zeigt schlicht eine geografische Landkarte unseres Kontinents.

Auch die zweistelligen Cent-Werte bekommen eine neue Rückseite. Hier sind, wie bisher, die Europasterne und die Karte in der linken Münzhälfte angeordnet. Die gemeinsame Rückseite der einstelligen Cent-Werte mit der Weltkugel bleiben unverändert.

Reihenfolge der Euro-Einführung

Die neuen Designs wurden erstmals in einem Bericht der Kommission der Europäischen Gemeinschaften über „die praktischen Vorbereitungen für die künftige Erweiterung des Eurogebiets“ im November 2005 veröffentlicht worden. Aus diesem Bericht gehen auch weitere interessante Details über den künftigen Fahrplan der Euro-Einführung in den neuen Ländern hervor.

So wird festgestellt, dass 12 der 25 EU-Mitgliedsstaaten derzeit die Euro-Zone bilden. Für Dänemark und Großbritannien gelte eine spezielle Klausel, die es diesen beiden Ländern freistellt, den Euro einzuführen. Für die übrigen elf Mitgliedsstaaten wurde eine Regelung geschaffen, nach der sie „den Euro einführen sollten, sobald die notwendigen Bedingungen erfüllt sind“. Neben den zehn neuen Ländern gilt dies auch für Schweden.

Estland, Litauen und Slowenien wollen den Euro bereits am 1. Januar 2007 und damit weniger als drei Jahre nach ihrem EU-Beitritt einführen (wir berichteten in Ausgabe 5/2005 darüber). Zypern, Lettland und Malta streben den Beitritt zur Eurozone ein Jahr später, also zum 1. Januar 2008, an. Die Slowakei will den Euro am 1. Januar 2009 einführen. In allen diesen Ländern sind die praktischen Vorbereitungen für den Geldumtausch bereits angelaufen. Die Tschechische Republik und Ungarn wollen dem Eurogebiet 2010 beitreten. Polen und Schweden haben gegenwärtig kein geplantes Beitrittsdatum.

Die meisten der neuen Länder wollen – wie einst Deutschland – die Umstellung in einem Schritt, dem sogenannten „Big Bang“, in Kombination mit einer kurzen Parallel-Umlaufphase des alten Geldes einführen.

Auf Empfehlung der Kommission hat der Rat „Wirtschaft und Finanzen“ (ECOFIN) beschlossen, die Entscheidungshoheit für die Gestaltung der nationalen Seiten weiterhin bei den einzelnen Ländern zu belassen, allerdings wurden gemeinsame Leitlinien vorgegeben. So sollen „künftige nationale Seiten einen klaren Hinweis auf das Ausgabeland (oder eine entsprechende Abkürzung) enthalten“, damit die Herkunft der Münze problemlos zu erkennen ist. Außerdem sollen Nennwert und Währung auf der nationalen Seite nicht mehr auftauchen, wie dies derzeit bei Österreich der Fall ist. Lediglich wenn ein anderes Alphabet verwendet wird, wie im Fall von Griechenland, darf auf der nationalen Seite die Wertziffer und Währung noch einmal erscheinen.

Neue Varianten auch in Deutschland

Auch für die deutschen Motive bedeutet dies eine Änderung: Ähnlich wie bei der neuen 2-Euro-Gedenkmünze wird dann auch auf die normalen Kursmünzen die Landesbezeichnung „Bundesrepublik Deutschland“ geprägt. Wann die nationalen deutschen Münzen freilich geändert werden, steht noch in den Sternen. Das Bundesfinanzministerium interpretiert die EU-Vorgabe nämlich so, dass unverändert weitergeprägt werden darf, solange sich das Motiv nicht ändert. Die Leitlinie gelte schließlich nur für „künftige nationale Seiten“, nicht für bestehende.

Auch wann die Umstellung auf die neuen gemeinsamen Wertseiten stattfinden soll, wird in dem EU-Papier nicht erwähnt. Sicher ist nur: Länder die den Euro neu einführen (als erste 2007 Estland, Litauen und Slowenien), werden natürlich gleich mit der erweiterten Landkarte auf den Münzen starten. Da die bisher kursierenden Münzen allesamt gültig bleiben, wird es für den Münzensammler künftig noch spannender: Durch die neuen Gestaltungsvorgaben der EU und der unterschiedlichen Umsetzung durch die einzelnen Länder entsteht ein noch interessanteres und variantenreicheres Sammelgebiet der Euro-Kursmünzen.

Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe Januar / Februar 2006.

     

 


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