Editorial November / Dezember 2005 Aktuelles Heft
 
Zwei-Päpste-Jahr 2005: Gesuchte Vatikan-Münzen

Wolfgang Erzinger, Herausgeber Deutsches Münzen Magazin.

Wolfgang Erzinger, Herausgeber
Deutsches Münzen Magazin.

 

Am 19. April wurde nach fast einem halben Jahrtausend erstmals wieder ein Deutscher zum katholischen Kirchenoberhaupt gewählt: Kardinal Joseph Ratzinger schreibt fortan als Papst Benedikt XVI. Geschichte. Nach anfänglicher Skepsis, ob denn überhaupt jemand in der Lage sei, dem überaus beliebten Johannes Paul II. würdig nachzufolgen, hat Papst Benedikt XVI. mittlerweile auch seine lautesten Kritiker verstummen lassen. Durch sein diplomatisches Geschick und die offene Art, auf Menschen zuzugehen, hat sich der neue Pontifex in kürzester Zeit großes Ansehen erworben. Die Herzen der Gläubigen auf dem Weltjugendtag in Köln eroberte er im Sturm. Auch die vieler Münzensammler.

Und als ob das Sammelgebiet Vatikan hierzulande überhaupt noch einer Unterstützung bedurft hätte: Jetzt ist auch noch ein Deutscher Papst! Mit Spannung werden die ersten Münzen erwartet, die sein Porträt zeigen. Das dürfte noch in diesem Jahr der Fall sein. Denn am 6. Dezember stehen neben der 2-Euro-Gedenkmünze noch zwei neue Silber- und zwei Goldmünzen auf dem Ausgabeprogramm des Kirchenstaats. Und auf diesen letzten Münzen des Jahres ist traditionell ein Bildnis des amtierenden Papstes zu finden.

Die Gold-Euros werden der glänzende Abschluss des Zwei-Päpste-Jahrs 2005 sein, das zweifellos Numismatik-Geschichte schreiben wird. Denn wir finden in diesem Vatikan-Jahrgang nicht nur Kursmünzen mit dem Porträt des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. (der Satz wurde erst nach seinem Tod ausgegeben!), sondern auch wichtige Belegstücke für die Zeit der Sedisvakanz bis zur Wahl Benedikts XVI. Neben einer 5-Euro-Silbermünze gibt es erstmals einen ganzen Kursmünzensatz mit dem Wappen des Kardinalkämmerers, der die Amtsgeschäfte in der papstlosen Zeit führt. Dass diese Tradition auch im 21. Jahrtausend fortgeführt wurde, unterstreicht einmal mehr den hohen Stellenwert, der Münzen auch in der heutigen Zeit zukommt: Sedisvakanz-Münzen sollen dokumentieren, dass auch in Perioden, in denen der Thron Petri verwaist ist, die wichtigsten hoheitlichen Aufgaben wahrgenommen werden. Die Ausübung des Münzrechts ist eine solche hoheitliche Aufgabe.

Zum schon sprichwörtlich hohen Wertsteigerunsgpotential und den besonders liebevoll gestalteten Motiven der Vatikan-Euros kommt also auch noch ein hochinteressanter geldgeschichtlicher Aspekt. Was will man mehr?

Ihr


 


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