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Sie sind die Krönung einer Bundesrepublik-Sammlung:
die
Gedenkmünzen in Spiegelglanz, der höchsten
Prägequalität.
Die Motive der deutschen Euro-Silbermünzen brillieren
mit ihrem mattglänzenden Relief vor poliertem Hintergrund.

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Es ist schon ein besonderes Privileg und zugleich ein sinnlicher
Augenschmaus, Münzen der höchsten Prägequalität
zu betrachten. Polierte Platte (auch Spiegelglanz)
heißt das magische Zauberwort. Und die Begriffe verraten
schon: Dahinter muss viel Arbeit und Können stecken,
bis der Grund eines Münzbildes so klar zu glänzen
vermag. Prägestempel und Rohlinge werden dafür in
einem Stunden dauernden Prozess vorpoliert. Danach werden
die präparierten Ronden einzeln, Stück für
Stück, geprägt. Nur so erhält der polierte
Hintergrund der Münze seinen funkelnden Glanz, aus dem
sich das mattierte Relief plastisch hervorhebt.
An einem Arbeitstag werden gerade mal so viele Spiegelglanz-Stücke
fertig, wie Kursmünzen-Prägemaschinen in weniger
als zehn Minuten ausspucken. In unserem Interview (siehe Kasten)
erklärt Deutschlands dienstältester Münzdirektor
Günther Waadt vom Bayerischen Hauptmünzamt in München
die einzelnen Fertigungsschritte. Und man spürt die Leidenschaft,
die den Münzchef bei diesem Thema erfasst: Es macht
richtig Spaß, diese Münzen zu prägen.
Exklusivität zahlt sich aus
Wer einmal das makellose Münzbild in Polierter Platte
schätzen gelernt hat, zahlt gerne einen Aufpreis für
die aufwändigere Prägung und die schützende
Kunststoffkapsel. Generell gilt, dass jede Münze der
Bundesrepublik Deutschland außer den Goldausgaben
auch in Spiegelglanz geprägt wird. Die 10-Euro-Silbermünzen
gibt es am Jahresende auch noch als Komplettset in besonderer
Verpackung.
Weitere Exklusivität verspricht auch die geringere Auflage
gegenüber der Normalausführung. So werden von den
deutschen Spiegelglanz-Gedenkmünzen des Jahrgangs 2005
nur je 300.000 Stück geprägt, während die Stempelglanz-Exemplare
in 1,8-Millionen-Auflagen erscheinen. Entsprechend höher
sind die Chancen auf Wertsteigerungen bei diesen Münzen
in Premium-Qualität.
Interview mit Günther Waadt, Leiter des
Bayerischen Hauptmünzamts in München
Deutsches Münzen Magazin: Neben der sogenannten
Normalprägung werden in Deutschland alle Silber-Gedenkmünzen
auch in einer besonders hohen Qualität hergestellt: Spiegelglanz.
Was ist das besondere an diesem Verfahren?
Waadt: Die Münzprägung in Spiegelglanz ist
eine unvergleichlich aufwändigere Herstellungsart. Das
fängt bei den speziell behandelten Prägestempeln
und Ronden an und hört bei der Einzelverpackung in Münzkapseln
und der peniblen Qualitätskontrolle auf.
DMM: Beginnen wir mit den Prägestempeln. Worin
besteht der Unterschied zu Stempeln für normalgeprägte
Gedenkmünzen?
Waadt: Bei den Prägestempeln für die Spiegelglanzmünzen
wird der Münzgrund mit speziellen Verfahren so lange
bearbeitet, bis er tatsächlich wie ein Spiegel glänzt.
Daher auch der Name. Das Relief wird ebenfalls besonders nachbehandelt
und bekommt eine sehr feine, gleichmäßige Mattierung.
Damit hebt sich später auf der Münze das Relief
besonders plastisch gegenüber dem Münzgrund ab.
Um diesen Kontrast zu erhalten, müssen vor dem Mattieren
in Detailarbeit mit Lupe und Schneidwerkzeug
geeignete Schablonen hergestellt werden. Die Schablonen schützen
dann beim Mattierprozess den spiegelnden Münzgrund.
DMM: Aber auch die Münzrohlinge, die Ronden,
werden extra behandelt, sagten Sie?
Waadt: Zunächst einmal verwenden wir Silberronden
in besonders hochwertiger Qualität. Diese erhalten ihre
Randbeschriftung und werden anschließend noch einmal
in einer Kugeldruck-Polieranlage poliert und einem intensiven
Reinigungsprozess unterzogen. Anschließend werden sie
getrocknet, damit keine Wasserflecken auf der Oberfläche
entstehen. Schließlich werden die Ronden sorgfältig
mit Hand in Magazine eingelegt, von wo aus sie automatisch
einzeln der Prägemaschine zugeführt werden.
DMM: Gibt es auch bei der Prägung Unterschiede
zur Stempelglanz-Ausführung?
Waadt: Sicher. Zunächst einmal werden ganz andere
Maschinen eingesetzt, die bei weitem nicht so schnell laufen,
wie die Prägeautomaten für die Normalprägung.
Um ein absolut makelloses Münzbild zu gewährleisten,
arbeiten wir, je nach Charakter des Motivs, mit drei bis vier
Hüben von je 120 oder mehr Tonnen.
DMM: Das heißt: Jede Münze wird nicht nur
einmal geprägt, sondern drei- oder viermal hintereinander
jeweils mit einer Kraft, die dem Gewicht von 100 VW-Golfs
entspricht?
Waadt: Richtig. Nur so ist sichergestellt, dass auch
jedes noch so kleine Detail vom Stempel auf das Silber des
Münzplättchens übertragen wird. Anschließend
fallen die Münzen nicht in einen Auffangbehälter,
sondern laufen einzeln auf ein kunststoffbeschichtetes Tablett,
wo sie nebeneinander liegen ohne dass sich die Oberflächen
berühren und so mögliche Kratzer verursachen könnten.
Hier werden die fertigen Münzen dann auch das erste Mal
einer Qualitätsprüfung unterzogen.
DMM: Das hört sich alles sehr aufwändig
und kompliziert an. Wie viele Münzen fertigen Sie denn
auf diese Weise pro Tag?
Waadt: Die Tagesleistung liegt, wiederum motivabhängig,
bei 6.000 bis 8.000 Stück. Rund 7.000 Spiegelglanz-Münzen
können wir pro Tag verpacken. Im Vergleich zur Normalprägung:
Da sind es bis zu 40.000 Münzen pro Tag.
DMM: Wie lange hält denn eigentlich ein Stempelpaar
unter diesen höchsten Qualitätsanforderungen?
Waadt: Nach jeweils etwa 2.000 Münzen werden die
Stempel aufbereitet, gereinigt und gegebenenfalls neu verchromt.
Nach spätestens 5.000 Münzen werden sie komplett
getauscht.
DMM: Bei einer Auflage von 300.000 Münzen bedeutet
dies, dass Sie 120 Münzstempel, also 60 Stempelpaare
für Vorder- und Rückseite, benötigen. Ist dieser
Aufwand denn gerechtfertigt?
Waadt: In dieser höchsten Prägequalität
lassen wir keine Kompromisse zu.
DMM: Wie kommen die Münzen vom Tablett in die
Kapsel?
Waadt: Wir sind gerade dabei, diesen Prozess zu automatisieren.
Im Augenblick aber wird jede Münze einzeln von Hand in
die Kapseln eingelegt, wobei noch einmal bei jedem Stück
Vorder- und Rückseite visuell geprüft wird. Natürlich
werden die Münzen dabei nur am Rand angefasst und selbstverständlich
tragen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei saubere
Baumwollhandschuhe, damit kein Schweiß an den Münzrand
kommen kann, der später zu unschönen Verfärbungen
führen könnte.
DMM: Seit zwei Jahren besitzen die deutschen Silbergedenkmünzen
ein höheres Relief. Hat sich das bewährt?
Waadt: Ja, auf jeden Fall. Mit der Erhöhung des
Silber-Feingewichts von früher 15,5 auf jetzt 18 Gramm
bei gleichem Durchmesser wurden die Silbermünzen der
Bundesrepublik Deutschland seit der Euro-Einführung entsprechend
dicker. Dadurch wurde es auch möglich, höhere Reliefs
zu realisieren. Die Reliefhöhe wurde auf 0,26 Millimeter
je Seite angehoben. Das bedeutet gegenüber der alten
Reliefhöhe von 0,09 bis 0,13 Millimeter mehr als eine
Verdoppelung. Die Motive kommen dadurch viel plastischer zur
Geltung. Es macht richtig Spaß, diese Münzen zu
prägen. Vor allem in Spiegelglanz.
DMM: Herr Waadt, vielen Dank für das Gespräch.
Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN
MAGAZIN, Ausgabe September / Oktober 2005.
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