Aktuell: September / Oktober 2005 Aktuelles Heft
 
Spiegelglanz: Premiumqualität für Kenner

Sie sind die Krönung einer Bundesrepublik-Sammlung: die
Gedenkmünzen in „Spiegelglanz“, der höchsten Prägequalität.
Die Motive der deutschen Euro-Silbermünzen brillieren mit ihrem mattglänzenden Relief vor poliertem Hintergrund.



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




 

 



Es ist schon ein besonderes Privileg und zugleich ein sinnlicher Augenschmaus, Münzen der höchsten Prägequalität zu betrachten. „Polierte Platte“ (auch „Spiegelglanz“) heißt das magische Zauberwort. Und die Begriffe verraten schon: Dahinter muss viel Arbeit und Können stecken, bis der Grund eines Münzbildes so klar zu glänzen vermag. Prägestempel und Rohlinge werden dafür in einem Stunden dauernden Prozess vorpoliert. Danach werden die präparierten Ronden einzeln, Stück für Stück, geprägt. Nur so erhält der polierte Hintergrund der Münze seinen funkelnden Glanz, aus dem sich das mattierte Relief plastisch hervorhebt.

An einem Arbeitstag werden gerade mal so viele Spiegelglanz-Stücke fertig, wie Kursmünzen-Prägemaschinen in weniger als zehn Minuten ausspucken. In unserem Interview (siehe Kasten) erklärt Deutschlands dienstältester Münzdirektor Günther Waadt vom Bayerischen Hauptmünzamt in München die einzelnen Fertigungsschritte. Und man spürt die Leidenschaft, die den Münzchef bei diesem Thema erfasst: „Es macht richtig Spaß, diese Münzen zu prägen.“

Exklusivität zahlt sich aus

Wer einmal das makellose Münzbild in Polierter Platte schätzen gelernt hat, zahlt gerne einen Aufpreis für die aufwändigere Prägung und die schützende Kunststoffkapsel. Generell gilt, dass jede Münze der Bundesrepublik Deutschland – außer den Goldausgaben – auch in Spiegelglanz geprägt wird. Die 10-Euro-Silbermünzen gibt es am Jahresende auch noch als Komplettset in besonderer Verpackung.

Weitere Exklusivität verspricht auch die geringere Auflage gegenüber der Normalausführung. So werden von den deutschen Spiegelglanz-Gedenkmünzen des Jahrgangs 2005 nur je 300.000 Stück geprägt, während die Stempelglanz-Exemplare in 1,8-Millionen-Auflagen erscheinen. Entsprechend höher sind die Chancen auf Wertsteigerungen bei diesen Münzen in Premium-Qualität.


Interview mit Günther Waadt, Leiter des
Bayerischen Hauptmünzamts in München


Deutsches Münzen Magazin: Neben der sogenannten Normalprägung werden in Deutschland alle Silber-Gedenkmünzen auch in einer besonders hohen Qualität hergestellt: Spiegelglanz. Was ist das besondere an diesem Verfahren?

Waadt: Die Münzprägung in Spiegelglanz ist eine unvergleichlich aufwändigere Herstellungsart. Das fängt bei den speziell behandelten Prägestempeln und Ronden an und hört bei der Einzelverpackung in Münzkapseln und der peniblen Qualitätskontrolle auf.

DMM: Beginnen wir mit den Prägestempeln. Worin besteht der Unterschied zu Stempeln für normalgeprägte Gedenkmünzen?

Waadt: Bei den Prägestempeln für die Spiegelglanzmünzen wird der Münzgrund mit speziellen Verfahren so lange bearbeitet, bis er tatsächlich wie ein Spiegel glänzt. Daher auch der Name. Das Relief wird ebenfalls besonders nachbehandelt und bekommt eine sehr feine, gleichmäßige Mattierung. Damit hebt sich später auf der Münze das Relief besonders plastisch gegenüber dem Münzgrund ab. Um diesen Kontrast zu erhalten, müssen vor dem Mattieren in Detailarbeit – mit Lupe und Schneidwerkzeug – geeignete Schablonen hergestellt werden. Die Schablonen schützen dann beim Mattierprozess den spiegelnden Münzgrund.

DMM: Aber auch die Münzrohlinge, die Ronden, werden extra behandelt, sagten Sie?

Waadt: Zunächst einmal verwenden wir Silberronden in besonders hochwertiger Qualität. Diese erhalten ihre Randbeschriftung und werden anschließend noch einmal in einer Kugeldruck-Polieranlage poliert und einem intensiven Reinigungsprozess unterzogen. Anschließend werden sie getrocknet, damit keine Wasserflecken auf der Oberfläche entstehen. Schließlich werden die Ronden sorgfältig mit Hand in Magazine eingelegt, von wo aus sie automatisch einzeln der Prägemaschine zugeführt werden.

DMM: Gibt es auch bei der Prägung Unterschiede zur Stempelglanz-Ausführung?

Waadt: Sicher. Zunächst einmal werden ganz andere Maschinen eingesetzt, die bei weitem nicht so schnell laufen, wie die Prägeautomaten für die Normalprägung. Um ein absolut makelloses Münzbild zu gewährleisten, arbeiten wir, je nach Charakter des Motivs, mit drei bis vier Hüben von je 120 oder mehr Tonnen.

DMM: Das heißt: Jede Münze wird nicht nur einmal geprägt, sondern drei- oder viermal hintereinander – jeweils mit einer Kraft, die dem Gewicht von 100 VW-Golfs entspricht?

Waadt: Richtig. Nur so ist sichergestellt, dass auch jedes noch so kleine Detail vom Stempel auf das Silber des Münzplättchens übertragen wird. Anschließend fallen die Münzen nicht in einen Auffangbehälter, sondern laufen einzeln auf ein kunststoffbeschichtetes Tablett, wo sie nebeneinander liegen ohne dass sich die Oberflächen berühren und so mögliche Kratzer verursachen könnten. Hier werden die fertigen Münzen dann auch das erste Mal einer Qualitätsprüfung unterzogen.

DMM: Das hört sich alles sehr aufwändig und kompliziert an. Wie viele Münzen fertigen Sie denn auf diese Weise pro Tag?

Waadt: Die Tagesleistung liegt, wiederum motivabhängig, bei 6.000 bis 8.000 Stück. Rund 7.000 Spiegelglanz-Münzen können wir pro Tag verpacken. Im Vergleich zur Normalprägung: Da sind es bis zu 40.000 Münzen pro Tag.

DMM: Wie lange hält denn eigentlich ein Stempelpaar unter diesen höchsten Qualitätsanforderungen?

Waadt: Nach jeweils etwa 2.000 Münzen werden die Stempel aufbereitet, gereinigt und gegebenenfalls neu verchromt. Nach spätestens 5.000 Münzen werden sie komplett getauscht.

DMM: Bei einer Auflage von 300.000 Münzen bedeutet dies, dass Sie 120 Münzstempel, also 60 Stempelpaare für Vorder- und Rückseite, benötigen. Ist dieser Aufwand denn gerechtfertigt?

Waadt: In dieser höchsten Prägequalität lassen wir keine Kompromisse zu.

DMM: Wie kommen die Münzen vom Tablett in die Kapsel?

Waadt: Wir sind gerade dabei, diesen Prozess zu automatisieren. Im Augenblick aber wird jede Münze einzeln von Hand in die Kapseln eingelegt, wobei noch einmal bei jedem Stück Vorder- und Rückseite visuell geprüft wird. Natürlich werden die Münzen dabei nur am Rand angefasst und selbstverständlich tragen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei saubere Baumwollhandschuhe, damit kein Schweiß an den Münzrand kommen kann, der später zu unschönen Verfärbungen führen könnte.

DMM: Seit zwei Jahren besitzen die deutschen Silbergedenkmünzen ein höheres Relief. Hat sich das bewährt?

Waadt: Ja, auf jeden Fall. Mit der Erhöhung des Silber-Feingewichts von früher 15,5 auf jetzt 18 Gramm bei gleichem Durchmesser wurden die Silbermünzen der Bundesrepublik Deutschland seit der Euro-Einführung entsprechend dicker. Dadurch wurde es auch möglich, höhere Reliefs zu realisieren. Die Reliefhöhe wurde auf 0,26 Millimeter je Seite angehoben. Das bedeutet gegenüber der alten Reliefhöhe von 0,09 bis 0,13 Millimeter mehr als eine Verdoppelung. Die Motive kommen dadurch viel plastischer zur Geltung. Es macht richtig Spaß, diese Münzen zu prägen. Vor allem in Spiegelglanz.

DMM: Herr Waadt, vielen Dank für das Gespräch.

Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe September / Oktober 2005.

     

 


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