Titelstory September / Oktober 2005 Aktuelles Heft
 
Gold-Euro 2005: Auflage nur 350.000 Exemplare




Die erste Fußball-Goldmünze Deutschlands erscheint am 4. Oktober. Auf der Adlerseite findet sich das Prägezeichen (hier "F" für Stuttgart). Durch die unterschiedlichen Prägezeichen teilt sich die Auflage durch fünf. Es wird also nur jeweils 70.000 identische Münzen geben.



 

 

Die Meldung des Bundesfinanzministeriums schlug
wie eine Bombe ein. Der Gold-Euro 2005 wird
die niedrigste Auflage aller 100-Euro-Goldmünzen der Bundesrepublik Deutschland haben. Trotz erwarteter großer Zusatznachfrage durch Fußballfans wird das Goldstück nur 70.000 mal pro Münzzeichen geprägt.

Die Auflage für die diesjährige 100-Euro-Goldmünze mit dem Motiv FIFA Fußball-Weltmeis-terschaft Deutschland 2006 wurde auf 350.000 Stück festgelegt. Ausgabetag ist der 4. Oktober 2005.“ Mit dieser Meldung überraschte das Bundesfinanzministerium Münzenhändler und -sammler. „Obgleich“, so heißt es in der Pressemitteilung wörtlich, „die Anzahl der Bestellungen die Auflagenhöhe auch in diesem Jahr deutlich übersteigt“, wurde damit für den Fußball-Gold-Euro die niedrigste Auflage aller Goldmünzen der Bundesrepublik Deutschland festgelegt – sieht man einmal von der Sondermünze zu 200 Euro zur Einführung der neuen Währung im Jahr 2002 ab, die heute zum dreifachen ihres Ausgabepreises verkauft wird.

Zusätzlich Nachfrage durch „Souvenirkäufer“

Gegenüber den 100-Euro-Goldmünzen der letzten Jahre wurde die Auflage um 50.000 reduziert, das bedeutet: Pro Prägebuchstabe wird es 2005 nur noch 70.000 Goldmünzen geben. Dies ist umso spektakulärer, als die Nachfrage gerade bei Deutschlands erster Fußball-Goldmünze durch sogenannte „Souvenirkäufer“ besonders hoch eingeschätzt wird. Man darf davon ausgehen, dass Fußballfans in aller Welt, vor allem aber in Deutschland, dem Gastgeberland der WM 2006, diese Münze als bleibendes Andenken besitzen wollen. Viele von ihnen sind aber keine Münzensammler, die auch beispielsweise die UNESCO-Goldserie kaufen würden, sondern Menschen, die ausschließlich an diesem bestimmten Motiv Interesse haben. Für die echten Münzensammler, die die Goldmünzen der Bundesrepublik Deutschland komplett in ihrer Kollektion vereinen wollen, reduziert sich dadurch natürlich die verfügbare Auflage noch weiter.

So wird es sicherlich für den einen oder anderen Sammler nicht ganz einfach, den Gold-Euro 2005 zu ergattern. Insgesamt aber bedeutet die gesenkte Auflage in Kombination mit der Zusatznachfrage durch Souvenirkäufer ein deutlich erhöhtes Wertsteigerungspotential für diese Münze. Und darüber sollten sich die Sammler freuen.

Um zu verdeutlichen, welche Einflüsse diese zusätzliche Nachfrage auf den Marktwert einer Münze hat, können Parallelen zur Gold-Mark von 2001 gezogen werden. Diese Münze hatte eine Rekordauflage von einer Million Stück und hat sich dennoch im Wert besser entwickelt als die meisten anderen Goldmünzen der Bundesrepublik. Der Grund: Hunderttausende von Bürgern, die eigentlich keine Münzensammler sind, haben sich dieses Stück als Andenken an ihre geliebte Erfolgswährung, die Deutsche Mark, gekauft und bewahren es für ihre Nachkommen auf. Viele dieser goldenen Mark-Münzen sind deshalb heute Erbstücke, die unverkäuflich sind. Den Komplettsammlern fehlt dieser große Teil der ursprünglichen Prägeauflage und sie müssen tiefer in die Tasche greifen, wenn sie heute ihre Sammlung nachträglich vervollständigen wollen.

Spekulanten haben sich vom Markt zurückgezogen

Die Verantwortlichen im Bundesministerium der Finanzen waren gut beraten, dass sie nicht versucht haben, am Fußball-Gold-Euro 2005 einen möglichst hohen Münzgewinn zu realisieren, denn wenn der Markt mit diesen Münzen überschwemmt worden wäre, könnte es keine positive Wertentwicklung geben. Tatsache ist, dass sich viele Kleinspekulanten aus dem Markt wieder zurückgezogen haben und deshalb die Zahl der Vorbestellungen nicht künstlich aufgebläht wurde. Insbesondere die Tatsache, dass das Bundeskabinett eine Prägemenge für diese Münze von maximal 600.000 Stück festgelegt hatte, schreckte offensichtlich einige Spekulanten ab. Wenn sie freilich gewusst hätten, dass schließlich nur etwas mehr als die Hälfte der möglichen Höchstprägemenge tatsächlich ausgegeben wird, hätte dies die Geschäftemacher sicherlich in der Hoffnung auf einen raschen Wertzuwachs zu viel höheren Vorbestellungen bewegt. Aber sie kannten die Auflagenhöhe vorher nicht und deshalb hielten sie sich zurück. Für die echten Sammler zweifellos ein Glücksfall.

Wie überhaupt die Herausgabe einer Goldmünze zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 von den Sammlern einhellig begrüßt wird. Kein anderer hatte sich so dafür eingesetzt, wie der Präsident des WM-Organisationskomitees, Franz Beckenbauer, der schon bei der Präsentation der Silberserie vehement gefordert hatte, dass es als Highlight der deutschen Fußballmünzen-Serie ein Goldstück geben müsse. Der Finanzminister stand dieser Idee ursprünglich ablehnend gegenüber, ließ sich dann aber überzeugen: Kein Veranstalterland von Fußball-Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen hat es sich nämlich in den letzten Jahren nehmen lassen, solch ein Ereignis mit mindestens einer eigenen Goldmünze zu würdigen. Sogar die USA, ein Land in dem „Soccer“ (Fußball) eine eher untergeordnete Rolle spielt, prägten das Ereignis 1994 in Gold.

International betrachtet sind Goldmünzen zu weltumspannenden Sportereignissen numismatische Leckerbissen. Und OK-Präsident Franz Beckenbauer ging sogar soweit, dass er anlässlich der Erstprägung der Münze in Berlin von einer „Blamage für unser Land“ sprach, wenn es diese Goldmünze nicht gegeben hätte. Wörtlich sagte Beckenbauer: „Ich kenne die Sammellust der Deutschen und der Menschen aus anderen Ländern. Ich kann mir vorstellen, dass man von dieser Münze gar nicht genug prägen kann. Wenn es nach mir ginge, würde ich die Prägeautomaten vierundzwanzig Stunden am Tag laufen lassen.“

Was das betrifft, geht es (glücklicherweise) nicht nach dem Wunsch des „Kaisers“. Im Gegenteil: Durch die jetzt noch strenger limitierte Auflage wird diese Münze zu einer kleinen Rarität. Wie alle deutschen 100-Euro-Goldmünzen wird auch der Fußball-Gold-Euro aus reinstem 99,99-prozentigem Gold bestehen und ein Gewicht von 15,5 Gramm auf die Waage bringen. Das entspricht einer halben Unze purem Gold.

Münzdesign als „bayerisch-preußische Gemeinschaftsarbeit“


Die Gestaltung des Gold-Euros 2005 ist gewissermaßen eine Gemeinschaftsarbeit zweier erfolgreicher deutscher Münzdesigner – auch wenn sie dabei nicht wirklich zusammengearbeitet haben. Erich Ott aus München schuf die Adlerseite, die von der Silberserie übernommen wurde und im Wesentlichen nur im Nennwert verändert wurde. Ein wichtiges Zusatzdetail findet sich allerdings auf der Goldmünze im Gegensatz zu den Silberausgaben: Auf der Wertseite steht deutlich lesbar der Prägebuchstabe. Auf den Silbermünzen der Fußballserie wurde ja bekanntlich auf ein Prägezeichen verzichtet, stattdessen befindet sich ein versteckter Hinweis auf den Prägeort in der Randschrift.

Da bei der Goldmünze der Rand traditionell geriffelt ist, war es hier nicht machbar. Außerdem weisen alle deutschen Gold-Euros die Prägezeichen der fünf Münzstätten auf und werden von einer nicht unerheblichen Zahl von Sammlern als komplette Sätze gesammelt. Deshalb ist dieses Merkmal auch von großer Bedeutung für die Wertentwicklung, beträgt doch die Auflage an wirklich identischen Münzen so nur ein Fünftel der Gesamtprägemenge.

Die Bildseite wurde von Heinz Hoyer aus Berlin gestaltet, der vor der Wende einer der gefragtesten Münzdesigner der DDR war. In letzter Zeit gewinnt er einen bundesdeutschen Münzwettbewerb nach dem anderen: Die Bauhaus-Münze von 2004 ist ebenso eine Arbeit des 1949 geborenen Künstlers wie die 10-Euro-Gedenkmünzen von 2005 „Albert Einstein“ und „1200 Jahre Magdeburg“. Auch 2006 hat der Bildhauer, der an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee lehrt, schon wieder Preise abgeräumt: Das „Holstentor“-Motiv der ersten 2-Euro-Gedenkmünze stammt aus seiner Künstlerwerkstatt und auch bei der Silbermünze „800 Jahre Dresden“ gewann er den Wettbewerb. Zusammen mit dem Fußball-Gold-Euro hat Hoyer damit allein fünf deutsche Gedenkmünzen der Jahrgänge 2005/2006 geschaffen.

Das Motiv des Gold-Euros 2005 symbolisiert das Thema „Menschen im Stadion“, im Mittelpunkt stehen der Ball und das Spielfeld in einer vollbesetzten Arena. Bundesfinanzminister Hans Eichel lobte die Münze als „in künstlerischer Hinsicht besonders gelungen... Diese Goldmünze krönt die Sondermünzen, die zur WM 2006 von der Bundesregierung herausgegeben worden sind.“

Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe September / Oktober 2005.


 


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