Aktuell Juli / August 2005 Aktuelles Heft
 
Vatikan: Kursmünzensatz und Silber-Gedenkmünze zur Sedisvakanz 2005




Einmalige Extra-Ausgaben des Vatikan zum Papstwechsel: Silber-Gedenkmünze und Kursmünzensatz (Fotomontage) zur Sedisvakanz 2005.

 

Das erste Mal in der Geschichte des Kirchenstaats wird es 2005 einen Sedisvakanz-Kursmünzensatz geben. Neben dem kompletten Satz von 1 Cent bis 2 Euro mit Wappendarstellungen wurde vom Vatikan zusätzlich eine 5-Euro-Silbergedenkmünze zur Sedisvakanz 2005 in sehr geringer Auflage angekündigt. Beide Ausgaben haben ein enormes Wertsteigerungspotential.

SEDE VACANTE MMV steht auf den neuen Münzen des Vatikanstaats zu lesen – übersetzt aus dem Lateinischen bedeutet das „Leerer Stuhl 2005“. Schon seit Jahrhunderten ist es eine Tradition, dass in der Übergangszeit nach dem Tod des Papstes sogenannte Sedisvakanz-Münzen herausgegeben werden. Nur rund zwei Wochen – vom 2. bis 19. April 2005 – dauerte diesmal die Sedisvakanz, weil sich die Kardinäle aus aller Welt sehr schnell auf einen Nachfolger des verstorbenen Johannes Paul II. einigen konnten. Seit fast 500 Jahren ist es erstmals wieder ein Deutscher: Papst Benedict XVI., der frühere Kardinal Joseph Ratzinger.

Während dieser kurzen Phase, als der Thron Petri verwaist war, nahm die Apostolische Kammer unter der Leitung des spanischen Kardinals Eduardo Martinez Somalo die Verwaltung von Gütern und Rechten des Heiligen Stuhls wahr. Mit den Sedisvakanz-Münzen soll dieses Ereignis gewürdigt und die Kontinuität in der Ausübung der staatlichen Amtsgewalt, zu der das Münzrecht gehört, dokumentiert werden. Deshalb sind diese Prägungen auch numismatisch so besonders interessant. Und erstmals in der Geschichte gibt es neben Gedenkmünzen auch einen kompletten Kursmünzensatz zur Sedisvakanz.

Wappen des Camerlengo

Als Motiv zeigen alle Sedisvakanz-Münzen von 2005 das Wappen des Kardinal-Kämmerers (Camerlengo) eingebettet in das Emblem der Apostolischen Kammer, zwei gekreuzte Schlüssel unter einem Baldachin. Die Umschrift lautet .SEDE VACANTE MMV., umgeben von den Europasternen und der Staatsbezeichnung CITTA’ DEL VATICANO. Die Jahreszahl 2005 (in arabischen Ziffern) und das Prägezeichen „R“ für die Münzstätte in Rom weisen nur die beiden Bimetall-Höchstwerte auf, deren Kern motivgleich mit dem Kleinmünzen-Design ist und auf deren Ring nochmals die Staatsbezeichnung und die Europasterne wiederholt werden. Die Auflage des von der Künstlerin Daniela Longo gestalteten Kursmünzensatzes beträgt 60.000 Exemplare, rund ein Drittel weniger als der normale Stempelglanz-Jahressatz von 2005 mit dem Bildnis von Johannes Paul II., der offiziell am 28. April erschienen ist.

Als amtlicher Erstausgabetag für den Sedisvakanz-Satz 2005 ist der 30. Juni festgelegt worden, an dem auch eine Sedisvakanz-Silbergedenkmünze zu 5 Euro erscheint. Sie zeigt auf ihrer Rückseite die Wappendarstellung wie auf den Kursmünzen und die Worte SEDE VACANTE MMV. Auf der Vorderseite findet sich neben Staatsbezeichnung und Nennwert eine Taube als Symbol für den Heiligen Geist, sowie die lateinische Inschrift VENI SANCTE SPIRITUS (Komm, Heiliger Geist). Vorder- und Rückseite der ebenfalls von Daniela Longo gestalteten Münze harmonieren sehr gut miteinander: die Bildelemente werden jeweils von einem Quadrat aufgenommen und lassen für die Umschriften halbrunde Felder frei, an die sich die Buchstraben anpassen.

Die niedrige Auflage dieser Silbermünze wird ihrem Wert sicher bald Flügel verleihen: Ganze 13.440 Stück nur werden geprägt – die „krumme“ Auflage entspricht den Vorgaben der Europäischen Union. Von den Währungshütern nämlich wurde festgelegt, dass der Vatikan in Sedisvakanz-Jahren und zu wenigen anderen Anlässen (etwa „Heiliges Jahr“) Münzen im Nennwert von 300.000 Euro mehr als üblich prägen darf. Das Rechenexempel ist einfach: Nach Abzug der 60.000 Kursmünzensätze zu je 3,88 Euro (gesamt 232.800 Euro) bleibt ein Rest von 67.200 Euro – macht genau 13.440 Münzen zu 5 Euro.

Neben den Sedisvakanz-Ausgaben 2005 gibt es vom Vatikan dieses Jahr die beiden bereits erwähnten Kursmünzensätze mit dem Bildnis von Papst Johannes Paul II. in Stempelglanz und „Polierter Platte“, eine weitere 5-Euro-Silbermünze, zu der noch kein Thema bekannt gegeben wurde, eine 10-Euro-Silbermünze zum „Jahr der Eucharistie“ und die 2-Euro-Gedenkmünze zum Weltjugendtag in Köln. Für das Spätjahr ist die Ausgabe von zwei Goldmünzen zu 20 und 50 Euro angekündigt, die sich in einer neuen Serie den christlichen Sakramenten (2005: Taufe) widmen.

Hohe Wertzuwächse bei Vatikan-Münzen

Die Euro-Münzen des Vatikans haben sich bereits weit über normale Münzensammler-Kreise hinaus einen geradezu legendären Ruf erworben, was ihre Wertsteigerungschancen angeht. Zu Recht, sind die Ausgaben doch regelmäßig lange vor ihrem amtlichen Ersttag offiziell ausverkauft und legen in kürzester Zeit um teilweise mehrere hundert Prozent zu. Eine klassische Folge des Marktgesetzes von (kleinem) Angebot und (großer) Nachfrage. Durch den Tod des sehr beliebten Papstes Johannes Paul II. hat sich dieser Trend eher noch verstärkt, weil viele Gläubige, die eigentlich keine Sammler sind, offizielle Münzen mit seinem Bildnis als ehrendes Andenken besitzen wollen. Die letzten Kursmünzensätze des früheren Pontifex stehen deshalb besonders hoch im Kurs.

Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe Juli / August 2005.


 


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