|
Deutscher Gold-Euro 2006: "UNESCO
Welterbe Klassisches Weimar".


Der Grafiker:
Dietrich Dorfstecher
Dietrich Dorfstecher gehört zu den erfolgreichsten
und erfahrensten Briefmarken- und Münzdesignern Deutschlands.
Der heute 72jährige aus Kreckow bei Stettin studierte
an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und ist seit
fast 50 Jahren in der Hauptstadt freischaffend als Grafiker
tätig. Er gestaltete zu DDR-Zeiten zahlreiche Postwertzeichen
und Gedenkmünzen. In der Bundesrepublik angekommen, setzte
der Gebrauchsgrafiker, wie er sich noch heute
selbst bezeichnet, sein Werk fort: Neben verschiedenen Briefmarken
schuf er die 10-DM-Silbermünze 750 Jahre Katharinenkloster
/ 50 Jahre Meeresmuseum in Stralsund (2001) und erst
letztes Jahr gewann er den Wettbewerb um den Silber-Euro Nationalparke
Wattenmeer.
|
|
Bereits im März wurde das Motiv des Gold-Euros
2006 UNESCO Welterbe Klassisches Weimar
beschlossen. Die Münze, gestaltet von Dietrich Dorfstecher
aus Berlin, zeigt eine gelungene Collage der elf Gebäude,
die in Weimar zum Weltkulturerbe gehören.
Dass das Bundeskabinett als erste Münze des Jahrgangs
2006 ausgerechnet über das Motiv der letzten Münze
des Jahres (sie erscheint im Oktober 2006) entschied, hat
einen ganz praktischen Hintergrund: Eigentlich nämlich
sollte der Gold-Euro UNESCO Welterbe Klassisches
Weimar bereits 2005 erscheinen, wurde aber wegen der
aktuellen Entscheidung zu Gunsten der 100-Euro-Goldmünze
zur Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland um ein
Jahr verschoben. Der Künstler-Wettbewerb war zu diesem
Zeitpunkt aber schon ausgeschrieben. Deshalb nun also der
sehr frühe Beschluss über den Gold-Euro 2006.
Die Aufnahme Weimars in die Weltkulturerbeliste im Jahr 1998
begründete die UNESCO mit der großen kunsthistorischen
Bedeutung öffentlicher und privater Gebäude und
Parklandschaften aus der Blütezeit des klassischen Weimar
und mit der herausragenden Rolle Weimars als Geisteszentrum
im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert.
Zum Welterbe gehören elf Teile des klassischen Weimar,
Denkmäler, deren Wert sich aus der Verbindung von historischem
Geschehen, baulicher Hülle und authentischer Ausstattung
bildet. Neben Goethes prachtvollem Wohnhaus, das der Dichter
mit italienisch beeinflussten, klassizistischen Umbauten versah,
sind dies Schillers Wohnhaus, die Herderstätten (Stadtkirche,
Herderhaus und Altes Gymnasium), das Stadtschloss, das Wittumspalais,
die Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek, der Park an der Ilm (unter
anderem mit Goethes Gartenhaus), der Schlosspark Belvedere
mit Schloss und Orangerie, Schloss und Schlosspark Ettersburg,
Schloss und Schlosspark Tiefurt sowie die Fürstengruft
mit dem Historischen Friedhof.
Collage aus elf Denkmälern
Diese detaillierte Weltkulturerbe-Liste bescherte dem Berliner
Grafiker Dietrich Dorfstecher die zündende Idee: Er wollte
keine Postkartenansicht Weimars oder nur zwei
oder drei symbolische Bauten auf der Münze zeigen, sondern
er besaß den Ehrgeiz, alle elf Welterbe-Denkmäler
auf dem weniger als drei Zentimeter messenden Rund darzustellen.
Dabei sollte auch zum Ausdruck kommen, dass Weimar eigentlich
ein Park ist, in welchem eine Stadt liegt, wie der Schriftsteller
Adolf Stahr einmal sagte. Deshalb kam der Staffelung der Gebäude
besondere künstlerische Bedeutung zu. Die Freiflächen
im oberen Teil der Münze symbolisieren die großen
Gartenanlagen, die ja ebenfalls Teil des Weltkulturerbes sind.
Ganz oben, im perspektivischen Hintergrund der Goldmünze,
findet sich angedeutet die Hügellandschaft Thüringens,
in deren grünes Herz Weimar eingebettet ist,
wie Dorfstecher erläutert. Das Thema lag mir sehr,
sagt der Künstler, der nach eigenem Bekunden Weimar sehr
gut kennt und der sich gerade mit der grafisch gelungenen
Darstellung von historischen Gebäuden auf Briefmarken
zu DDR-Zeiten einen großen Namen gemacht hat.
So fiel die Empfehlung der Jury für Dorfstechers Entwurf
auch einstimmig aus. Das Preisgericht, dessen Empfehlung die
Bundesregierung folgte, lobt: Auf originelle und überzeugende
Weise gelingt es dem Künstler, den Betrachter auch durch
die starke perspektivische Tiefe in den Gesamtzusammenhang
des klassischen Weimar hineinzuziehen. Besonders gelungen
ist der bildlich gestaltete Zusammenhang zwischen der Stadt
und der Landschafts- und Gartenkultur der Umgebung.
Die Anordnung des Adlers und der Schrift führten zu einer
harmonischen Korrespondenz zwischen Bild- und Wertseite.
Den 2. Preis im Künstler-Wettbewerb holte sich Sneschana
Russewa-Hoyer aus Berlin, Platz 3 belegte Bodo Broschat, ebenfalls
aus Berlin, und den vierten Preis bekam Waldemar Wronski aus
Vienenburg. Die Konkurrenz-Entwürfe zeigen wir in einer
unserer nächsten Ausgaben.
Der Gold-Euro Klassisches Weimar ist die dritte
100-Euro-Münze der Bundesrepublik, die die UNESCO-Weltkulturerbe-Städte
Deutschlands würdigt. Nach Quedlinburg (2003) und Bamberg
(2004) wurde die Reihe dieses Jahr aus aktuellem Anlass für
die Fußball-WM unterbrochen und wird nun 2006 mit Weimar
fortgesetzt. Die Goldmünze wird die gleichen technischen
Merkmale wie ihre Vorgänger haben (15,5 Gramm Feingold
999,9/1000, Durchmesser 28 Millimeter, Nennwert 100 Euro).
Über die Auflage ist noch nicht entschieden. Gegenüber
dem Fußball-Gold-Euro von 2005 gilt jedoch eine Reduzierung
der Stückzahl als sicher, um die Chancen auf spätere
Wertsteigerungen zu erhalten. Erstausgabe ist Anfang Oktober
2006. Noch genügend Zeit also, sich auf diese Münze
zu freuen jetzt steht aber erst einmal die Goldmünze
zur Fußball-WM auf dem Programm.
Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN
MAGAZIN, Ausgabe Mai / Juni 2005.
|