Aktuell November / Dezember 2004 Aktuelles Heft
 
Neue 2-Euro-Gedenkmünzen: Italien und San Marino

Das junge Sammelgebiet der 2-Euro-Gedenkmünzen wächst: Im Sommer sind zum Pionier aus Griechenland (Diskuswerfer) Ausgaben aus Luxemburg und Finnland hinzu gekommen. Jetzt haben auch Italien und San Marino ihre Entwürfe vorgelegt (ganz oben).

 

Italien und San Marino haben soeben ihre Entwürfe für neue Gedenkmünzen zu 2 Euro vorgelegt, die mit der Jahreszahl 2004 erscheinen werden. Es sind – nach den Doppeleuros von Griechenland, Finnland und Luxemburg – die vierte und fünfte Ausgabe des neuen länderübergreifenden Sammelgebiets. Auch der Vatikan hat noch für 2004 ein eigenes neues 2-Euro-Motiv angekündigt.

Zur Freude vieler Euro-Sammler hatte die Europäische Kommission am 30. September 2003 grünes Licht für eine neue Serie von 2-Euro-Gedenkmünzen gegeben. Seitdem steht es allen Mitgliedsstaaten der Währungsunion frei, pro Jahr eine Gedenkmünze mit 2 Euro Nennwert zu prägen, welche identische Spezifikationen und die selbe Wertseite wie die normalen Kursmünzen aufweist. Diese neuen 2-Euro-Gedenkausgaben sind in der ganzen Währungsunion offizielles, gesetzliches Zahlungsmittel. Ihre Prägeauflagen sind allerdings – anders als beim Umlaufgeld – begrenzt, das heißt, sie dürfen nicht beliebig nachgeprägt werden.

Rückblick: Als das Euro-Münzgeld im Jahr 2002 eingeführt wurde, hatte man sich auf europäischer Ebene zunächst darauf geeinigt, es vorläufig bei den bekannten nationalen Bildseiten der Kursmünzen zu belassen. Die Bevölkerung sollte sich erst einmal an das neue Kleingeld gewöhnen. Ende vergangenen Jahres hat die Europäische Kommission schließlich zur Begeisterung der Münzensammler diese Beschränkung für das 2-Euro-Stück aufgehoben.

Italien ehrt das Welt-Ernährungsprogramm

Nun hat Italien die neueste 2-Euro-Gedenkmünze herausgegeben. Sie würdigt das von den Vereinten Nationen initiierte Welt-Ernährungsprogramm, in Englisch „World Food Programme“, wie auch die Aufschrift des abgebildeten stilisierten Globusses lautet. Symbolisch eingerahmt wird die Erdkugel von Reis- und Weizenähren, sowie einem Maiskolben – Gestaltungselemente des WFP-Emblems. Die bekannten Prägebuchstaben „R“ sowie das übereinander gestaffelte „RI“ stehen für die Münzstätte Rom bzw. die Landesbezeichnung „Repubblica Italiana“. Dagegen weisen die kunstvoll ineinander verschlungenen Initialen „UP“ auf die Designerin Uliana Pernazza hin.

San Marino: Bartolomeo Borghesi

In der Zecca dello Stato in Rom, Italiens Staatlicher Münzstätte, sollen noch im Jahr 2004 außerdem 2-Euro-Gedenkmünzen von San Marino und Vatikan in Prägung gehen. Gewürdigt wird zum einen der Inschriftenforscher Bartolomeo Borghesi (1781-1860). Er verhalf der Numismatik innerhalb der Geschichtswissenschaften zu neuem Glanz und ziert nun mit seinem Porträt die erste 2-Euro-Gedenkmünze von San Marino, die vom Künstler Ettore Lorenzo Frapiccini (siehe Münzinitialen „E.L.F.“) stammt.

Zum anderen wird an den 75. Gründungstag der Vatikanstadt erinnert. Als Motiv soll das Gebäudeensemble um den Sankt-Peter-Platz zu sehen sein. Allerdings lag bei Redaktionsschluss noch nicht der endgültige Münzentwurf des Vatikans vor.

Der Pionier kam von Griechenland

Dafür waren die Griechen mit ihrer 2-Euro-Gedenkmünze besonders schnell und nutzten als Erste die neu gewonnene Freiheit. Bereits im November 2003 erklärte der langjährige Direktor der Staatlichen Münzstätte Athens, Konstantin Karkazis, dass die griechische Regierung den Beschluss gefasst habe, bereits zu den Olympischen Sommerspielen in Athen eine neue 2-Euro-Münze herauszugeben. Als Motiv wurde ein antiker Diskuswerfer mit dem Athen-2004-Logo gewählt.

Finnland und Luxemburg folgten als Nächste. Die finnische Ausgabe ist der EU-Erweiterung gewidmet und zeigt symbolisch angedeutet das Kapitell einer antiken Säule, aus dem junge Blätter treiben. Die Sprossen repräsentieren die neuen EU-Mitglieder, die Säule wiederum das aus den alten Ländern gebildete Fundament der Europäischen Union. Die beiden Initialen „MM“ rechts unten stehen für den finnischen Münzdirektor Reimo Makkonen und den Designer Bertti Mäkinen.
Die erste 2-Euro-Gedenkmünze Luxemburgs würdigt dagegen seine Herrscherdynastie. Das Motiv zeigt ein naturalistisches Bildnis von Großherzog Henri, wie es von den Kupfer-Cents des Landes bekannt ist. Rechts daneben ist das großherzogliche Monogramm „H“ mit der Krone abgebildet. Die Münzzeichen Merkurstab (Münzstätte Utrecht) und Segel (Münzmeister Maarten Brower) weisen darauf hin, dass luxemburgische Münzen in den Niederlanden geprägt werden.

Ausblick: Deutschland erst 2006 dabei?

Dass es noch nicht aus der kompletten Währungsunion neue 2-Euro-Gedenkmünzen gibt, ist keinesfalls als Ablehnung zu verstehen. Praktisch alle Euro-Staaten hatten nämlich zum Zeitpunkt der EU-Entscheidung die Planungen für ihre 2004er Münzprogramme bereits abgeschlossen. Thema und Design für eine neue Münze festzulegen, die ja dann auch in die Kursmünzensätze aufgenommen wird, war in der Kürze der Zeit nicht mehr möglich.

Wahrscheinlich wird Deutschland auch nächstes Jahr noch nicht dabei sein, da die Produktion der Kursmünzensätze 2005 bereits begonnen hat, ein Motiv für eine deutsche 2-Euro-Gedenkmünze aber noch nicht vorgelegt wurde. Aber es spricht dennoch alles dafür, dass mittelfristig aus den 2-Euro-Gedenkausgaben die erste länderübergreifende Münzenserie mit einheitlichen Spezifikationen und unter Beteiligung (hoffentlich) aller Euro-Länder wird. Das Interesse auf Sammlerseite ist jedenfalls riesengroß.

Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe November / Dezember 2004.


 


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