Titelstory März / April 2004 Aktuelles Heft
 
Münzen mit dem "Stern": die neue Europa-Sammlung

Die Münzdirektoren von Österreich, Frankreich, Holland, Portugal, Belgien und Spanien präsentierten in Basel gemeinsam mit Fahnenträgerinnen das neue Europa-Münzenprogramm.

 

Die erste Ausgabe der Europa-Sammlung kam aus Österreich.

Frankreichs Beitrag mit dem neuen "Euro-Stern".

Der Euro-Stern als gemeinsames Münzzeichen auf Silbermünze Spaniens.

Auch die deutsche 10-Euro-Münze "EU-Erweiterung" vom Mai 2004 passt thematisch perfekt in die neue Sammlung.

Einer der Höhepunkte auf der diesjährigen World Money Fair in Basel war die Präsentation der neuen Europa-Sammlung: Erstmals geben mehrere europäische Staaten eine gemeinsame Gedenkmünzen-Serie heraus: die „Münzen mit dem Stern“.

So etwas hatte es auf dem Media Forum der Internationalen Basler Münzenmesse „World Money Fair“ noch nicht gegeben: Gekleidet in einheitliche blaue Kostüme und unter Beifall des anwesenden Fachpublikums schritten feierlich sechs Fahnenträgerinnen zur Bühne. Gemeinsam mit den sie erwartenden Münzdirektoren von Belgien, Frankreich, Holland, Österreich, Portugal und Spanien repräsentierten sie jeweils eines der Euro-Länder, die sich an der neuen Europa-Münzenserie beteiligen. Sensationell: Es ist das erste Gemeinschaftsprogramm von europäischen Münzstätten!

„Euro-Stern“ als Münzzeichen

Die Europa-Silbermünzen 2004 sind nicht nur durch ein gemeinsames Ausgabethema verbunden, sondern auch in Form eines sogenannten „Euro-Sterns“, der als Münzzeichen die Gedenkausgaben ziert. Er setzt sich aus dem Euro-Symbol und einem EU-Stern zusammen.

Das gemeinsame Erkennungsmerkmal lässt die Sammlerherzen in Europa höher schlagen. Schließlich gibt es damit ein länderübergreifendes, in sich geschlossenes Euro-Spezialgebiet, das für den Normalsammler überschau- und bezahlbar bleibt. Der Erfolg dürfte den neuen Europa-Gedenkmünzen gewiss sein. Dafür spricht auch, dass bereits weitere Euro-Staaten ihre Teilnahme an dem Gemeinschaftsprogramm ab 2005 in Aussicht stellen.

Thema 2004: EU-Erweiterung

Das Thema der diesjährigen Europa-Startmünzen ist nicht schwer zu erraten: die Erweiterung der Europäischen Union. Am 1. Mai 2004 treten Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Zypern offiziell dem Staatenbund bei. Es ist die mit Abstand größte Erweiterung in der bisherigen EU-Geschichte und damit zweifellos das europäische Top-Münzenthema 2004 (siehe auch unsere Länderporträt-Serie).
Bereits geprägt und veröffentlicht sind die Designs von Frankreich, Österreich und Spanien. Als zentrales Motiv ist jeweils ein Kartenausschnitt mit den alten und neuen Mitgliedsländern der Europäischen Union zu sehen.

Hauptmotiv Europakarte

Bei den französischen Bildseiten erscheint die Karte reizvoller Weise als Puzzle, während bei der Darstellung Österreichs die Beitrittsländer mit kleinen Flaggen markiert sind. Dazu sind deren Namen in den offiziellen Landessprachen aufgeprägt.

Die Idee mit den Ländernamen wird auch von Spanien aufgenommen, allerdings erscheinen diese hier allesamt in spanischer Version. Außerdem wird der Kartenausschnitt symbolisch von geschwungenen Linien durchzogen, die sich von der nordwestlichen spanischen Atlantikküste nach Osteuropa hin ausbreiten. Die Rückseite zeigt wie üblich ein seitliches Porträt von Spaniens König Juan Carlos I.
Euro-Sammlern bekannt sind auch die Rückseiten-Motive von Österreich und Frankreich. Zum einen ist es die übliche Wertseite des neuneckigen 5-Euro-Stücks mit den neun Bundesländer-Wappen Österreichs, zum anderen ist das traditionelle Motiv (die Landesallegorie Marianne als Europa) der seit 1999 geprägten Europa-Gedenkmünzen Frankreichs dargestellt – zugleich Namens- und Ideengeber
der neuen länderübergreifenden Europa-Serie.

Deutsche Vorarbeit

Perfekt in die Sammlung der ersten Europa-Gedenkmünzen passt die am 6. Mai 2004 erscheinende deutsche 10-Euro-Silbermünze, die ebenfalls die Erweiterung der Europäischen Union zum Thema hat. Nur dass über Ausgabeanlass und Design hierzulande bereits entschieden wurde, als von einer europäischen Gemeinschaftsserie noch keine Rede war. Der Entwurf stammt von Aase Thorsen aus Molsberg.

Namensringe statt Kartenmotiv

Anstatt einer Europa-Karte sind in konzentrischen Ringen die EU-Mitgliedsländer seit 1950 zusammen mit dem Jahr ihres Beitritts dargestellt. Es geht also bei der deutschen Gedenkmünze nicht allein um die aktuelle EU-Osterweiterung, sondern um die gesamte historische Entwicklung der Europäischen Union seit ihrer Gründung.
Und genau das ist es, was die länderübergreifende Europa-Serie so interessant und spannend macht: ein gemeinsames Thema, aber landeseigene Umsetzung. Getreu dem in der Eurozone viel zitierten Grundsatz: Vielfalt in Einheit.

CEPT – Pendant bei Briefmarken

Dass ein solches Konzept durchaus sehr erfolgreich sein kann, zeigt ein Blick in die Welt der Briefmarken. Hier haben sich zunehmend über Jahrzehnte europäische Postämter in der „Conférence Européen des Administrations des Postes et Télécommunications“ (Europäische Konferenz der Verwaltungen für Post- und Fernmeldewesen) – kurz CEPT – zusammengeschlossen und geben seit 1960 jährlich Briefmarken mit der Aufschrift „CEPT“ zu einem gemeinsamen Thema heraus. Die Designs dagegen bleiben Ländersache, was die Vielfalt garantiert und vor einem monotonen Erscheinungsbild schützt. Diese sogenannten „Europa-Marken“ erfreuen sich seit ihrer Einführung bis zum heutigen Tage einer großen Beliebtheit, was auch die stetig gestiegene Zahl der beteiligten Ausgabestaaten belegt.
Man darf gespannt sein, wie sich nun die neue Europa-Münzenserie in den nächsten Jahren entwickeln wird und welche Länder noch dabei mitmachen. Auf jeden Fall wäre es der Idee zu wünschen, dass sie ein großer Erfolg wird.


 


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