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Stück für Stück werden Spiegelglanz-Münzen
von Hand gefertigt. An einem Tag so viele, wie ein Prägeautomat
pro Minute schafft.
"Germanisches Museum": Die erste Silber-Gedenkmünze
der Bundesrepublik Deutschland ist heute bis zu 5000 Euro
wert.
Mini-Auflage: Die Nr. 2 der Bundesrepublik, Friedrich
von Schiller (1955).
Wertvoll: Der "Markgraf von Baden" (1955)
war der Dritte im Bunde.
Auch er gehört zu den wertvollen "ersten
Vier": Freiherr von Eichendorff (1957).
Zu D-Mark-Zeiten wurden die Spiegelglanzmünzen
in einer unschönen Noppenverpackung ausgeliefert.
Die deutschen Euro-Gedenkmünzen in "PP"
werden in praktischen Klarsichtkapseln verpackt.
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Kleine Auflagen, feinste Erhaltung: In der höchsten
Prägequalität Spiegelglanz (auch Polierte
Platte genannt) fallen Wertsteigerungen meist am deutlichsten
aus. Vor 50 Jahren, 1952, erschien die erste bundesdeutsche
Gedenkmünze. Sie ist heute unter Sammlern rund 5000 Euro
wert.
Wie Sahnehäubchen auf dem Kaffee ragen die Gedenkausgaben
in Polierter Platte (PP), der höchsten Prägequalität,
aus der 50-jährigen Münzensammlung der Bundesrepublik
heraus. Seit 1952 erscheinen bundesdeutsche Gedenkmünzen
sowohl in der Normalausführung Stempelglanz,
als auch in der aufwendigen Prägung Spiegelglanz
(auch Polierte Platte genannt).
Bei der Herstellung sind in höchstem Maße Können
und Sorgfalt gefragt. In einem Stunden dauernden Prozess werden
die Rohlinge und Prägestempel hierfür vorpoliert
und chemisch behandelt. Wie bei einem handgefertigten Luxusauto
werden die präparierten Ronden danach einzeln, Stück
für Stück, geprägt. Nur so erhält der
polierte Hintergrund der Münze seinen funkelnden Glanz,
aus dem sich das mattierte Relief deutlich emporhebt. An einem
Arbeitstag werden gerade mal so viele Spiegelglanz-Münzen
fertig, wie andere Prägemaschinen in einer Minute ausspucken.
Echte Handarbeit
Und damit dies so bleibt, werden die makellosen Meisterwerke
anschließend von Hand, nur mit weißen Glacéhandschuhen
berührt, sicher vor Staub und Kratzern einzeln verpackt.
Anders als ihre Kollegen in Stempelglanz, die ebenso
wie das Umlaufgeld nach der automatischen Prägung
in einen Auffangbehälter fallen und sich dabei leicht
kleinere Macken einfangen können. Sollten sie diese Prozedur
einigermaßen heil überstanden haben, so wartete
auf sie zumindest bis vor einigen Jahren noch
der Transport in Säcken, wo sie wieder aneinander rieben.
Dies alles wog umso schwerer bei Motiven mit großen
Freiflächen, zum Beispiel der 1989er Ausgabe Hamburger
Hafen. Dafür waren und sind die Gedenkmünzen
in Stempelglanz an ihrem Erstausgabetag aber auch ohne Aufpreis
zum Nennwert zu haben.
Wer jedoch das makellose Münzbild in Polierter Platte
schätzen gelernt hat, zahlt gerne einen Aufpreis für
die aufwändigere Prägung und Verpackung. Weitere
Exklusivität verspricht der Sammlerin, dem Sammler, die
weitaus geringere Auflage gegenüber der Normalausführung.
Während die Stempelglanz-Ausgaben ab der zweiten Hälfte
der 60er Jahre in Millionenauflagen erschienen, wurden von
den Gedenkmünzen in Spiegelglanz jahrzehntelang nur um
die 100.000 bis aufgrund der steigenden Nachfrage
450.000 Stück geprägt. Kein Wunder also, dass nicht
wenige dieser Luxusausgaben im Laufe der Zeit beachtliche
Wertsteigerungen erfahren haben.
Germanisches Museum: Pionier und Spitzenreiter
Paradebeispiele sind auch hier die ersten vier Spiegelglanz-Gedenkmünzen
der Bundesrepublik, die in Miniauflagen bis 2000 Stück
erschienen. Allen voran der Pionier Germanisches Museum
von 1952, der bis zu 5000 Euro erzielt. Ein stolzer Preis
für einen Silberling, der bei der Ausgabe umgerechnet
rund fünf Euro kostete. Als Motiv ist nicht das Museumsgebäude
selbst zu sehen, sondern eine ostgotische Adlerfibel, die
zu den berühmtesten Exponaten der musealen Dauerausstellung
gehört.
Auch die folgenden 5-DM-Ausgaben Friedrich von Schiller
und Markgraf von Baden von 1955, sowie Freiherr
von Eichendorff 1957 stehen heute hoch im Kurs und werden
bis 2000 Euro gehandelt. Mit der geringsten Auflage aller
PP-Gedenkmünzen überhaupt erschien die Schiller-Ausgabe:
nur 1217 Exemplare wurden davon geprägt, was ein rückwärtiges
Komplettieren der Sammlung äußerst schwierig macht.
Gezieltes Komplettieren
Das Problem lässt sich jedoch leicht lösen, indem
man die eigene Sammlung erst mit den Ausgaben Freiherr
von Leibniz 1966 und Gebrüder Humboldt
1967 beginnt. Davon sind immerhin 75.000 beziehungsweise 60.000
Stück in Polierter Platte geprägt worden, weshalb
die 5-DM-Gedenkmünzen heute für um die 200 Euro
bei ersterer auch darunter zu haben sind.
Die PP-Ausgaben der folgenden Jahre und Jahrzehnte sind in
steigenden Auflagen erschienen, weshalb sie durchweg günstiger
gehandelt werden obwohl deutlich über den Stempelglanz-Preisen
liegend.
400.000er Auflage aus einer Prägestätte
Der 1. Januar 2002 brachte für das deutsche PP-Programm
gleich mehrere Innovationen: mit 10 Euro einen erhöhten
Nennwert, mehr Silber, denn die Gedenkmünzen sind dicker
und schwerer geworden, und nicht zuletzt eine Reduzierung
der Auflage auf 400.000 Stück, die allesamt nur noch
aus einer Prägestätte kommen. Außerdem wird
die unschöne Blisterverpackung durch international übliche
Klarsichtkapseln ersetzt, was die Sammlerinnen und Sammler
ebenfalls freuen dürfte. Schließlich sehen die
glänzenden Miniaturkunstwerke darin gleich viel ansprechender
aus und lassen sich durch die runde Form besser in gängigen
Münzkassetten verstauen.
Vorsicht, nicht berühren!
Münzen in Polierter Platte wollen mit besonderer Sorgfalt
behandelt werden, damit sie ihren makellosen Glanz bewahren.
Die Verpackung sollte nicht entfernt werden. Ältere Gedenkausgaben,
die noch nicht in verschweißter Folie ausgeliefert wurden,
darf man höchstens mit zwei Fingern am Rand berühren,
oder besser mit sauberen Stoffhandschuhen. Kommt ein PP-Stück
versehentlich doch mit der Haut in Kontakt, kann man nur versuchen,
den Fingerabdruck mit flüssiger Seife und viel klarem
Wasser wieder zu entfernen. Aber: Keinesfalls reiben.
Vollständiger Artikel im Deutschen Münzen
Magazin Heft Mai / Juni 2002.
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