Titelstory Mai / Juni 2002 Aktuelles Heft
 
Seit 50 Jahren: Wertstücke in höchster Qualität

Stück für Stück werden Spiegelglanz-Münzen von Hand gefertigt. An einem Tag so viele, wie ein Prägeautomat pro Minute schafft.


"Germanisches Museum": Die erste Silber-Gedenkmünze der Bundesrepublik Deutschland ist heute bis zu 5000 Euro wert.

Mini-Auflage: Die Nr. 2 der Bundesrepublik, Friedrich von Schiller (1955).

Wertvoll: Der "Markgraf von Baden" (1955) war der Dritte im Bunde.

Auch er gehört zu den wertvollen "ersten Vier": Freiherr von Eichendorff (1957).

 

Zu D-Mark-Zeiten wurden die Spiegelglanzmünzen in einer unschönen Noppenverpackung ausgeliefert.

Die deutschen Euro-Gedenkmünzen in "PP" werden in praktischen Klarsichtkapseln verpackt.

 

Kleine Auflagen, feinste Erhaltung: In der höchsten Prägequalität „Spiegelglanz“ (auch „Polierte Platte“ genannt) fallen Wertsteigerungen meist am deutlichsten aus. Vor 50 Jahren, 1952, erschien die erste bundesdeutsche Gedenkmünze. Sie ist heute unter Sammlern rund 5000 Euro wert.


Wie Sahnehäubchen auf dem Kaffee ragen die Gedenkausgaben in „Polierter Platte“ (PP), der höchsten Prägequalität, aus der 50-jährigen Münzensammlung der Bundesrepublik heraus. Seit 1952 erscheinen bundesdeutsche Gedenkmünzen sowohl in der Normalausführung „Stempelglanz“, als auch in der aufwendigen Prägung „Spiegelglanz“ (auch „Polierte Platte“ genannt).

Bei der Herstellung sind in höchstem Maße Können und Sorgfalt gefragt. In einem Stunden dauernden Prozess werden die Rohlinge und Prägestempel hierfür vorpoliert und chemisch behandelt. Wie bei einem handgefertigten Luxusauto werden die präparierten Ronden danach einzeln, Stück für Stück, geprägt. Nur so erhält der polierte Hintergrund der Münze seinen funkelnden Glanz, aus dem sich das mattierte Relief deutlich emporhebt. An einem Arbeitstag werden gerade mal so viele Spiegelglanz-Münzen fertig, wie andere Prägemaschinen in einer Minute ausspucken.

Echte Handarbeit

Und damit dies so bleibt, werden die makellosen Meisterwerke anschließend von Hand, nur mit weißen Glacéhandschuhen berührt, sicher vor Staub und Kratzern einzeln verpackt. Anders als ihre Kollegen in Stempelglanz, die – ebenso wie das Umlaufgeld – nach der automatischen Prägung in einen Auffangbehälter fallen und sich dabei leicht kleinere Macken einfangen können. Sollten sie diese Prozedur einigermaßen heil überstanden haben, so wartete auf sie – zumindest bis vor einigen Jahren noch – der Transport in Säcken, wo sie wieder aneinander rieben. Dies alles wog umso schwerer bei Motiven mit großen Freiflächen, zum Beispiel der 1989er Ausgabe „Hamburger Hafen“. Dafür waren und sind die Gedenkmünzen in Stempelglanz an ihrem Erstausgabetag aber auch ohne Aufpreis zum Nennwert zu haben.

Wer jedoch das makellose Münzbild in Polierter Platte schätzen gelernt hat, zahlt gerne einen Aufpreis für die aufwändigere Prägung und Verpackung. Weitere Exklusivität verspricht der Sammlerin, dem Sammler, die weitaus geringere Auflage gegenüber der Normalausführung.

Während die Stempelglanz-Ausgaben ab der zweiten Hälfte der 60er Jahre in Millionenauflagen erschienen, wurden von den Gedenkmünzen in Spiegelglanz jahrzehntelang nur um die 100.000 bis – aufgrund der steigenden Nachfrage – 450.000 Stück geprägt. Kein Wunder also, dass nicht wenige dieser Luxusausgaben im Laufe der Zeit beachtliche Wertsteigerungen erfahren haben.

„Germanisches Museum“: Pionier und Spitzenreiter

Paradebeispiele sind auch hier die ersten vier Spiegelglanz-Gedenkmünzen der Bundesrepublik, die in Miniauflagen bis 2000 Stück erschienen. Allen voran der Pionier „Germanisches Museum“ von 1952, der bis zu 5000 Euro erzielt. Ein stolzer Preis für einen Silberling, der bei der Ausgabe umgerechnet rund fünf Euro kostete. Als Motiv ist nicht das Museumsgebäude selbst zu sehen, sondern eine ostgotische Adlerfibel, die zu den berühmtesten Exponaten der musealen Dauerausstellung gehört.

Auch die folgenden 5-DM-Ausgaben „Friedrich von Schiller“ und „Markgraf von Baden“ von 1955, sowie „Freiherr von Eichendorff“ 1957 stehen heute hoch im Kurs und werden bis 2000 Euro gehandelt. Mit der geringsten Auflage aller PP-Gedenkmünzen überhaupt erschien die Schiller-Ausgabe: nur 1217 Exemplare wurden davon geprägt, was ein rückwärtiges Komplettieren der Sammlung äußerst schwierig macht.

Gezieltes Komplettieren


Das Problem lässt sich jedoch leicht lösen, indem man die eigene Sammlung erst mit den Ausgaben „Freiherr von Leibniz“ 1966 und „Gebrüder Humboldt“ 1967 beginnt. Davon sind immerhin 75.000 beziehungsweise 60.000 Stück in Polierter Platte geprägt worden, weshalb die 5-DM-Gedenkmünzen heute für um die 200 Euro – bei ersterer auch darunter – zu haben sind.

Die PP-Ausgaben der folgenden Jahre und Jahrzehnte sind in steigenden Auflagen erschienen, weshalb sie durchweg günstiger gehandelt werden – obwohl deutlich über den Stempelglanz-Preisen liegend.

400.000er Auflage aus einer Prägestätte

Der 1. Januar 2002 brachte für das deutsche PP-Programm gleich mehrere Innovationen: mit 10 Euro einen erhöhten Nennwert, mehr Silber, denn die Gedenkmünzen sind dicker und schwerer geworden, und nicht zuletzt eine Reduzierung der Auflage auf 400.000 Stück, die allesamt nur noch aus einer Prägestätte kommen. Außerdem wird die unschöne Blisterverpackung durch international übliche Klarsichtkapseln ersetzt, was die Sammlerinnen und Sammler ebenfalls freuen dürfte. Schließlich sehen die glänzenden Miniaturkunstwerke darin gleich viel ansprechender aus und lassen sich durch die runde Form besser in gängigen Münzkassetten verstauen.


Vorsicht, nicht berühren!

Münzen in Polierter Platte wollen mit besonderer Sorgfalt behandelt werden, damit sie ihren makellosen Glanz bewahren. Die Verpackung sollte nicht entfernt werden. Ältere Gedenkausgaben, die noch nicht in verschweißter Folie ausgeliefert wurden, darf man höchstens mit zwei Fingern am Rand berühren, oder besser mit sauberen Stoffhandschuhen. Kommt ein PP-Stück versehentlich doch mit der Haut in Kontakt, kann man nur versuchen, den Fingerabdruck mit flüssiger Seife und viel klarem Wasser wieder zu entfernen. Aber: Keinesfalls reiben.


Vollständiger Artikel im Deutschen Münzen Magazin Heft Mai / Juni 2002.


 


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